Behördenpanne in Bayern Pädophiler Lehrer unterrichtete trotz Berufsverbots

Ein 62-jähriger Lehrer hat wiederholt Kinder missbraucht und kassierte dafür ein lebenslanges Berufsverbot. In Bayern allerdings stellte man ihn auch ohne Führungszeugnis ein – als Vertretungslehrer an gleich drei Schulen.


Landshut – Er darf schon seit Jahrzehnten nicht mehr mit Kindern arbeiten, so steht es in seinem Führungszeugnis. Doch trotz des richterlichen Berufsverbots hat ein pädophiler Lehrer an drei niederbayerischen Schulen unterrichtet. Weil die zuständigen Behörden gepennt hatten, konnte der Lehrer sich in die Schulen schmuggeln.

Die Bezirksregierung in Landshut und das Kultusministerium in München hatten es bei zwei Vertretungsjobs des 62-Jährigen versäumt, sich das polizeiliche Führungszeugnis des Mannes vorlegen zu lassen. "Er hat eine Lücke erwischt und sich durchgemogelt", sagte der Sprecher der Regierung von Niederbayern, Alfons Völk. Zudem sei der Mann auch an einem Klostergymnasium beschäftigt worden, bestätigte das Ministerium einen Bericht des "Straubinger Tagblatts" (Donnerstagsausgabe). Er habe sich als Vertretungslehrer nichts zu Schulden kommen lassen.

Der aus Bergisch Gladbach stammende verheiratete Mann war im Oktober 2006 nach Ermittlungen einer Regensburger Sonderkommission gegen eine Bande von Kinderschändern in Deggendorf festgenommen worden. Der 62-Jährige lebte seit Jahren in seinem Schloss im grenznahen tschechischen Klatovy (Klattau). Dort soll er sich auch an Kindern vergangen haben.

Einem Bericht der "Passauer Neuen Presse" zufolge hat der Lehrer vor Jahren das tschechische Schloss zu einem Seminargebäude umgebaut, in dem sich regelmäßig bayerische Schüler, deren Versetzung gefährdet war, auf die Nachprüfung vorbereiteten. Bei einer Durchsuchung des Schlosses wurden nach der Festnahme des Lehrers im Oktober Fotos und Datenträger beschlagnahmt.

Schon vor 15 Jahren verurteilt

In seinem ursprünglichen Beruf darf der Lehrer schon seit 15 Jahren nicht mehr arbeiten. Das Landgericht Köln hatte ihn 1991 wegen des sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener verurteilt und dabei ein lebenslanges Berufsverbot verhängt. Dennoch schlich sich der Pädophile 2003 für etwa viereinhalb Monate als Aushilfe an einer Realschule in Regen im Bayerischen Wald ein.

Dabei habe er auch unterschrieben, dass er nicht vorbestraft sei, sagte Ludwig Unger, Sprecher des Kultusministeriums. Deshalb sei ihm ein "Vertrauensbonus" entgegengebracht worden. Der Lehrer habe zugesichert, ein Führungszeugnis nachzureichen. Dies sei aber nicht geschehen. Es sei zwar nachgefasst worden, aber vielleicht nicht intensiv genug, so Unger.

Ende 2005 kam es dann bei der Landshuter Bezirksregierung zu einer ähnlichen Panne. Dort wurde der Mann als Vertretung für ein Gymnasium in Zwiesel engagiert, wo er dreieinhalb Monate bis Anfang 2006 arbeitete.

Auch bei der Privatschule in Niederalteich wurde die Vergangenheit des Pädophilen nicht überprüft. Dort allerdings fiel er wegen mangelnder fachlicher Eignung auf. "Er war fachlich überfordert und menschlich suspekt", sagte der Leiter der Privatschule der "Passauer Neuen Presse". Deshalb habe man das Arbeitsverhältnis schnell wieder gelöst: "Lieber hätte ich mich auch nachts in die Schule gestellt, als den weiter zu beschäftigen", so der Schulleiter.

Nach Angaben von Ministeriumssprecher Unger brauchten die Schulen dringend Aushilfskräfte. "Im Vertretungsfall muss man die Unterrichtsversorgung garantieren." Deshalb sei nicht abgewartet worden, bis das Führungszeugnis vorliegt. "Der Mann hat sich an keiner dieser Schulen einer Tat schuldig gemacht, er ist unauffällig gewesen", erläuterte Unger.

cpa/dpa

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