Grundschule in Schwaben Warum tragen Ihre Schüler Ohrenschützer, Frau Schmid?

Gehörschutz trägt man in der Fabrik, auf der Baustelle - und in der Lindenschule in Bellenberg. Rektorin Irene Schmid erklärt, wie es dazu gekommen ist.

Konzentriert und störungsfrei: Grundschüler in Bellenberg bei der Stillarbeit mit Gehörschutz
Lindenschule Bellenberg

Konzentriert und störungsfrei: Grundschüler in Bellenberg bei der Stillarbeit mit Gehörschutz

Ein Interview von


Zur Person
  • Privat
    Irene Schmid, 59, leitet die Lindenschule in Bellenberg, eine Grundschule mit derzeit 159 Schülern im Landkreis Neu-Ulm.

SPIEGEL ONLINE: Frau Schmid, in Ihrer Schule setzen die Schüler seit Neuestem Ohrenschützer auf, wenn sie still Aufgaben erledigen sollen. Wie kommt das?

Schmid: Unsere Schule wird jetzt zwei Jahre lang im laufenden Betrieb generalsaniert, gerade am Anfang sind viele Presslufthammer im Einsatz. Da haben wir uns zusammen mit den Eltern für Ohrenschützer entschieden. Was wir nicht ahnen konnten: Die Schüler haben den Gehörschutz auch aufgesetzt, wenn wir ihnen Aufgaben zur Stillarbeit gegeben haben - selbst wenn auf der Baustelle Ruhe herrschte.

SPIEGEL ONLINE: Warum das?

Schmid: Die Schüler sagen, dass es ihnen beim konzentrierten Arbeiten hilft. Stillarbeit findet so in wirklicher Stille statt, Getuschel untereinander ist nicht möglich. Ich komme gerade aus einer Mathestunde und hatte der Klasse Aufgaben zum Selbstrechnen gegeben. Automatisch haben zwei Drittel der Schüler zum Gehörschutz gegriffen.

SPIEGEL ONLINE: Aber wie können Sie als Lehrerin dann noch mit ihnen kommunizieren?

Schmid: In Stillarbeitsphasen gehe ich von Schüler zu Schüler und spreche die Kinder direkt an, das ist kein Problem. Aber auch sonst ist es nicht so schwer. Das sind keine Ohrenstopfen, die jedes Geräusch aussperren. Sie senken den Lärmpegel um 32 Dezibel ab. Das heißt, wenn ich ein wenig lauter als normal spreche, verstehen mich alle gut.

SPIEGEL ONLINE: Wann müssen Sie sich mehr anstrengen: Wenn in einer Klasse getobt wird und sie wieder für Ruhe sorgen müssen - oder wenn sie durch den Gehörschutz dringen wollen?

Schmid: Auf jeden Fall bei einer lauten Klasse. Das Gute am Gehörschutz ist ja, dass die Kinder selbst recht leise sind.

SPIEGEL ONLINE: Stellen Sie als Schule die Schützer zur Verfügung?

Schmid: Nein, die Eltern kaufen sie für ihre Kinder und können sie nach der Schulzeit behalten. Jeder hat sein eigenes Paar, mit dem Namen darauf. Wir haben einen günstigen Preis von einem lokalen Hersteller bekommen, etwas über zwölf Euro.

SPIEGEL ONLINE: Sollen sich die Schüler, die demnächst neu an ihre Schule kommen, auch den Gehörschutz kaufen?

Schmid: Unbedingt! Wir haben vor, mit Gehörschutz weiter Unterricht zu machen, wenn die Sanierung des Schulgebäudes beendet ist. Lehrer wie Schüler sind nun viel sensibler dafür, dass es sich lohnt, seine Ohren vor Lärm zu schützen. Lärm macht wissenschaftlich nachweisbar krank, somit leisten wir bereits in der Grundschule einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitserziehung unserer Kinder.



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