Porträts von 14-Jährigen "Wir geben einen Dreck auf alles - außer auf Party"

Drei 14-Jährige, drei völlig unterschiedliche Leben: Die Fotografin Bénédicte Vanderreydt hat die Teenager Valentine, Ru'a und Loraine porträtiert.

Bénédicte Vanderreydt

Von


Die 14-jährige Valentine postet gerne Bilder von sich und ihren Freundinnen auf Facebook. Sie schlüpfen dabei in verschiedene Rollen, trinken Alkohol, machen Schmollmünder. Zufällig stieß die belgische Fotografin und Filmemacherin Bénédicte Vanderreydt online auf das Profil des Mädchens und fragte sich: Wie ist es, heutzutage als junger Mensch aufzuwachsen?

"Viele Teenager machen Fotos von sich selbst. Ich wollte wissen, was mit ihnen durch diesen Selbstkult passiert", sagt Vanderreydt. Sie suchte für ihr Projekt drei Mädchen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen aus: Valentine ist in Brüssel zu Hause, Ru'a lebt im palästinensischem Dheisheh-Flüchtlingslager im Süden Betlehems und Loraine stammt aus Lubumbashi im Kongo.

Vanderreydt wollte ein Mädchen aus ihrem Heimatland Belgien zeigen und ein Mädchen aus Palästina, um herauszufinden, wie es ist, in einer Krisenregion aufzuwachsen. Für den Kongo entschied sich die Fotografin wegen der Vergangenheit des Landes: Die heutige demokratische Republik war von 1885 bis 1908 Privateigentum des belgischen Königs Leopold II., der das Land ausbeutete.

Fotostrecke

10  Bilder
Teenager: Jugend ganz anders

Mit jedem Teenager verbrachte die Fotografin mehrere Wochen. Gemeinsam wählten sie die Orte aus, an denen Vanderreydt die Jugendlichen fotografierte: das Dach des Hauses einer Freundin, das Schlafzimmer, einen Schuhladen, eine Kegelbahn oder ein Schulflur.

Die Fotos sind alle inszeniert, aber realen Situationen nachempfunden. Vanderreydt zeigt die jungen Frauen gemeinsam mit ihren Mitschülerinnen, Freunden, aber auch alleine. Die Mädchen sitzen oder stehen, oft in gelangweilter Pose, immer blicken sie direkt in die Kamera. "Sie zeigen dem Betrachter, wie ihr Leben ist und scheinen auszudrücken: 'Guckt her, das bin ich'", sagt die Fotografin.

Vanderreydt sprach mit den Mädchen über ihre Wünsche, Hoffnungen und Ängste. Wie unterscheiden sich diese in den unterschiedlichen Ländern?

  • Ru'a hofft, jemanden zu finden, den sie lieben kann. Für sie ist es eine große Last, einen Schleier tragen zu müssen.
  • Loraine aus dem Kongo würde gerne in Europa studieren, damit sie sich eines Tages alle ihre Wünsche erfüllen kann und mehr Geld hat als ihre Familie heute. Sie macht es fertig, dass Menschen in ihrer Heimat getötet werden, und sie fürchtet, dass es eines Tages jemanden aus ihrer Familie treffen könnte.
  • Valentines Leben dreht sich derzeit hauptsächlich ums Feiern: "Wir genießen das Hier und Jetzt, wir geben einen Dreck auf alles - außer auf Party", sagt sie.

Auch wenn die Teenager verschiedene Sorgen haben, so haben sie laut Vanderreydt auch einige Gemeinsamkeiten. Alle würden den Wunsch verspüren, auch bei Gleichaltrigen gut anzukommen. Valentine trinkt und raucht beispielsweise, weil ihre Freunde es tun - nicht weil sie Lust darauf hat.

Die Körpersprache sei bei allen sehr ähnlich, ebenso ihre Leichtigkeit vor der Kamera: "Sie werden schnell zu Schauspielern, wissen, wie sie sich in Szene setzen müssen", sagt die Fotografin. "Es scheint, als ob dieses Rollenspiel heute Teil der Jugend ist."



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.