AG-Angebot Berliner Grundschulen starten Türkisch-Unterricht

Die Türkei bezahlt Lehrer, um Kindern an deutschen Schulen Türkisch beizubringen. Der Konsulatsunterricht steht seit Monaten in der Kritik. Nun gibt es in Berlin eine Alternative.

Ein Mädchen lernt Türkisch
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Ein Mädchen lernt Türkisch


An 20 Berliner Grundschulen können Erst-, Zweit- und Drittklässler zusätzlich zum regulären Unterricht zwei Stunden pro Woche Türkisch lernen. Das AG-Angebot "Herkunftssprache Türkisch" richtet sich an türkischstämmige Schüler. Den Unterricht übernehmen Lehrer, die schon an der jeweiligen Schule arbeiten. Sie haben entweder Türkisch auf Lehramt studiert oder übernehmen den Unterricht als sogenanntes "Neigungsfach" - das heißt, sie sprechen Türkisch, sind aber keine ausgebildeten Türkischlehrer.

Das Angebot ist eine Alternative zum umstrittenen türkischen Konsulatsunterricht. Diesen organisieren die diplomatischen Vertretungen, der türkische Staat wählt die Lehrer aus, bildet sie fort und bezahlt sie.

Ob Eltern ihre Kinder nun in die neuen Türkisch-AGs, weiter zum Konsulatsunterricht oder zu beidem schicken, ist ihnen überlassen.

Gewerkschafter, Elternvertreter und Politiker verschiedener Parteien haben den Konsulatsunterricht in den vergangenen Monaten immer wieder kritisiert, weil sie eine Einflussnahme aus Ankara fürchten.

In Berlin musste die türkische Botschaft ihre Lehrpläne für den Konsulatsunterricht im Herbst 2017 überarbeiten, weil ursprünglich vorgesehen war, dass die Kinder auch Themen wie "Gedenken an Atatürk", "Respekt gegenüber Flagge und Nationalhymne" und die "Wichtigkeit der Reinheit im Islam" vermittelt bekommen.

"Signal für Familien mit Migrationshintergrund"

Im neuen AG-Angebot der Berliner Schulen stehen neben dem Sprachunterricht auch landeskundliche und kulturelle Inhalte auf dem Stundenplan. Das Motto laute: "Türkisch stärken", so der Senat.

Der Unterricht solle "ein Signal für Familien mit Migrationshintergrund" sein und ihnen zeigen, dass die türkische Kultur und Sprache in Berlin anerkannt und wertgeschätzt werde. Die für die Pilotphase ausgewählten 20 Grundschulen liegen alle in Bezirken mit einem hohen Anteil von türkischstämmigen Schülern.

An wie vielen der 20 Schulen die AGs schon gestartet sind, konnte eine Sprecherin des Senats nicht sagen. Im Laufe des Monats werde der Unterricht aber an allen anlaufen.

Die Türkischlehrer erhalten für den AG-Unterricht "Ermäßigungsstunden" - das heißt, die Stunden fallen an anderer Stelle weg. Die dadurch entstehende Lücke sei aber "überschaubar", so die die Sprecherin.

Das Pilotprojekt soll am Ende des Schuljahres ausgewertet und dann eventuell auf andere Schulen ausgeweitet werden.

vet

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