Berlin Umfrage zur Homosexualität von Lehrern sorgt für Empörung

Der Berliner Senat hat eine Umfrage in Auftrag gegeben, bei der Lehrer unter anderem nach ihrer sexuellen Orientierung gefragt werden. Was hat es damit auf sich? Ein Anruf bei der zuständigen Forscherin.

Szene vom Christopher Street Day
DPA

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Ein Interview von


Zur Person
    Meike Watzlawik ist Professorin für Entwicklung und Kultur an der privaten Sigmund-Freud-Universität in Berlin. Zusammen mit Kollegen der Humboldt-Universität hat sie im Auftrag des Berliner Senats eine Online-Umfrage zum Thema "Wie viel Vielfalt verträgt Schule?" entworfen.

SPIEGEL ONLINE: Frau Watzlawik, Ihnen wird vorgeworfen, dass Sie im Auftrag des Berliner Senats ausschnüffeln, ob Lehrer hetero- oder homosexuell sind. Was ist das für eine Studie, an der Sie da arbeiten?

Watzlawik: Die Vorwürfe sind absolut haltlos. Wir wollen niemanden ausspionieren, sondern herausfinden, wie an Berliner Schulen mit dem Thema Vielfalt umgegangen wird. Dazu befragen wir Lehrkräfte an per Zufallsstichprobe ausgewählten Schulen in Berlin. Wir arbeiten nach geltenden wissenschaftlichen Standards, das Ganze ist abgesegnet vom Datenschutzbeauftragten des Landes. Rückschlüsse auf den Einzelnen werden nicht gezogen.

SPIEGEL ONLINE: Und warum sollen die Befragten angeben, ob sie hetero- oder homosexuell sind?

Watzlawik: Wir wollen herausfinden, ob sich das im Alltag auf den Umgang mit Vielfalt und Diskriminierung auswirkt. Nach der sexuellen Orientierung zu fragen, ist in den Sozialwissenschaften und der Psychologie bei entsprechenden Fragestellungen durchaus üblich. Solange die Befragung anonymisiert wird, so wie wir das machen, sehe ich da auch kein Problem und verstehe die Aufregung nicht.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Lehrer haben die Fragen denn schon beantwortet?

Watzlawik: Mehrere Hundert. Wir hatten auf bis zu tausend Teilnehmer und Teilnehmerinnen bis Ende September gehofft, aber ich fürchte, das wird uns wegen des Trubels nun nicht mehr gelingen. Ich finde das sehr schade, weil in der Befragung sehr viel Arbeit steckt. Wir haben im Vorfeld mit Dutzenden Jugendlichen und Lehrkräften gesprochen, damit die Fragen nah an der Erfahrungswelt sind.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie ein Beispiel nennen?

Watzlawik: Ein großes Thema sind zum Beispiel Schimpfwörter. Das ist eine Form des Mobbings und der Diskriminierung, von der uns lesbische, schwule und bisexuelle Jugendliche besonders häufig berichtet haben. Deshalb fragen wir nun gezielt danach, wie Lehrer und Lehrerinnen damit umgehen.

SPIEGEL ONLINE: Und in welcher Form werden die Ergebnisse veröffentlicht?

Watzlawik: Es wird einen Gesamtbericht an die Senatsverwaltung geben. Diese hat die Studie bei uns in Auftrag gegeben. Inhaltlich hat sie aber keinerlei Einfluss, sie weiß nicht, welche Schulen wir befragen und wird auch die Ergebnisse nur gruppiert nach den Schulformen erhalten. Man wird also erfahren, wie die Situation zum Beispiel an Gymnasien oder Realschulen ist, aber keine Rückschlüsse auf einzelne Schulen ziehen können.

Homosexuelle Pädagogen


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