Pädagogenmangel Berlin sucht in Österreich und Holland Grundschullehrer

Berlin braucht dringend mehr Lehrer. Zuletzt wilderte die Stadt in anderen Bundesländern - jetzt weitet sie die Suche auf Österreich und die Niederlande aus.

Willkommensklasse in Berlin: "Keine volle pädagogische Ausbildung"
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Willkommensklasse in Berlin: "Keine volle pädagogische Ausbildung"


Die Bevölkerung wächst, die Schülerzahlen steigen, und immer mehr Flüchtlinge kommen. Zugleich gehen immer mehr Lehrer in Rente, und es studieren immer weniger junge Menschen in Berlin auf Lehramt: Schon seit Jahren leidet die Hauptstadt unter einem Mangel an Lehrern - vor allem an Grundschulen.

Bislang hat Berlin gezielt in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen um Lehrer geworben. Doch nun hält sie auch in anderen Bundesländern sowie in Österreich und in den Niederlanden Ausschau. "Wir wollen über den Tellerrand hinausschauen", sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) der "Berliner Zeitung".

Zunächst hatte die Stadt überlegt, in der Schweiz Lehrkräfte anzuwerben, doch diese Idee sei wieder verworfen worden, weil die Lehrer dort viel mehr verdienten.

Auch Pensionäre sollen reaktiviert werden

Senatorin Scheeres will zudem, dass künftig auch Quereinsteiger, die kein Mangelfach studiert haben, unbefristet übernommen werden. Diese müssten allerdings ein halbes Jahr als Vertretungslehrer und in einer Willkommensklasse erfolgreich gearbeitet haben.

Auch Pensionäre und Teilzeitkräfte will die Senatorin reaktivieren, wie es in der "Berliner Zeitung" weiter heißt. Zudem sollen Gymnasiallehrer verstärkt an Grundschulen unterrichten, und die Anzahl der Studienplätze für Grundschulpädagogik soll auf 600 verdoppelt werden.

Erst mit der Einstellungsrunde an Grundschulen für das zweite Schulhalbjahr Anfang Februar war laut "Berliner Zeitung" klar geworden, wie groß der Mangel tatsächlich sei. Von den 344 neu eingestellten Grundschullehrern sei fast jeder vierte ein sogenannter Quereinsteiger, heißt es in der Zeitung. Demnach hätten 23 Prozent der kürzlich eingestellten Grundschullehrer keine volle pädagogische Ausbildung, sondern müssten neben der Arbeit noch studieren. Im März wolle die Bildungsverwaltung nun den überarbeiteten Lehrerbedarf vorlegen.

Ich bin Lehrer, und so viel verdiene ich

kha/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 61 Beiträge
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Seite 1
genugistgenug 17.02.2016
1. die werden über BER eingeflogen......
irgendwie scheinen alle Politiker zu glauben, dass man sofort neue Lehrer (Polizisten, usw.) findet oder einfach 'aufbrühen' (Instant Lehrer) kann - von Berufserfahrung ganz abgesehen. Von Vorplanung ganz zu schweigen.
Saturn48 17.02.2016
2. Ja und jetzt
muss all das eingesparte Geld doch ausgegeben werden müssen. Drum merke alles muss bezahlt werden davor oder danach oder mittendrin . Einfach oder ?
zippelzappel 17.02.2016
3. Das soll einer verstehen...
... massig viel Freizeit (Ferien), unverhältnismäßig viel Gehalt und kein Leistungsdruck. Wieso nur gibt es diesen massiven Lehrermangel? Ich verstehe es nicht... Vielleicht sollten sich viele einfach mal eingestehen, dass der Beruf des Lehrers doch nicht so ein Zuckerschlecken ist? Nichts auf der Welt würde mich dazu bringen, diesen Job auszuüben aber ich habe sehr großen Respekt vor jenen, die diesen Beruf tagtäglich ausüben. Wenn der Beruf des Lehrers endlich mal wieder etwas mehr Ansehen erlangen würde, wären vielleicht auch wieder mehr Menschen dazu bereit, diesen Beruf auszuüben. Komischerweise meinen aber nahezu alle Eltern, dass sie beim Thema Bildung die Weisheit mit Löffeln konsumiert haben, während sie jedem Elektronikmarkt-Verkäufer an den Lippen hängen.
Newspeak 17.02.2016
4. ...
Zunächst hatte die Stadt überlegt, in der Schweiz Lehrkräfte anzuwerben, doch diese Idee sei wieder verworfen worden, weil die Lehrer dort viel mehr verdienten. Das sagt schon alles über dieses billige Land, weiter braucht man gar nicht lesen.
oxoxo 17.02.2016
5. Warum werden quereinsteigende Pädagogen dann abgelehnt?
Traurig ist, dass auf Bitten der Schulen und nach mehrfacher Bewerbung auf das Grundschullehramt eines studierten jungen engagierten Pädagogen, sogar mit Erfahrung im unterrichten, nur Ablehnung kommt - sogar wenn die Präferenz auf andere Schularten ausgeweitet wird, gibt es nur Absagen. Da wird lieber nach Pensionären oder anderen gegiert, als die eigenen, studierten Pädagogen auf ein Fach nachschulen zu lassen?? Sorry, aber der Fachkräftemangel kann so schlimm nicht sein.
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