Antisemitismus in Berlin Mitschüler bedrohen jüdischen Gymnasiasten

"Euch sollte man die Köpfe abschneiden": An einer Berliner Schule ist ein jüdischer Gymnasiast von Mitschülerin massiv beschimpft worden. Zu seinem Schutz darf er nun in den Pausen im Gebäude bleiben.

Ernst-Reuter-Schule in Berlin-Wedding
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Ernst-Reuter-Schule in Berlin-Wedding


In der Schulkantine diskutieren sie über den Nahostkonflikt, dann wird die Stimmung plötzlich aggressiv. Ein paar Schüler stellen sich um einen jüdischen Mitschüler. "Ihr seid Kindermörder", "Euch sollte man die Köpfe abschneiden" und "Wallah, Hitler war gut!", rufen sie.

Der Fall ereignete sich bereits am 13. Dezember an der Ernst-Reuter-Schule im Berliner Stadtteil Wedding. Die "Jüdische Allgemeine" berichtete zuerst.

Auf der Webseite der Schule nimmt nun Schulleiter Andreas Huth dazu Stellung: "Mit Betroffenheit und in klarer Ablehnung müssen wir mitteilen, dass es in der letzten Woche in unserer Schule zu einem antisemitischen Vorfall gekommen ist, bei dem ein Schüler unserer Schule Diskriminierungen erleben musste", schreibt er. Die Schule wolle sich "Antisemitismus in all seinen Erscheinungsformen" entschieden entgegenstellen.

Laut der "Jüdischen Allgemeinen" hatte sich der 18-Jährige nach dem Vorfall an die Schulleitung gewandt. Er hatte Angst, auf dem Schulhof womöglich angegriffen zu werden. Daraufhin wurde ihm erlaubt, in der Pause im Gebäude zu bleiben.

Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) erklärte, sie erwarte eine transparente Aufklärung des Falls.

Der jüdische Schüler besucht seit zweieinhalb Jahren das Gymnasium. Von Anfang an sei er angefeindet worden, und die Angriffe würden immer schlimmer, heißt es in dem Zeitungsbericht.

Der neue Fall erinnert an die Vorkommnisse an einer Schule in Berlin-Friedenau. Dort war im April ein 14-jähriger Schüler gemobbt worden, weil er Jude ist. Die Eltern warfen der Schulleitung vor, zu spät auf Beleidigungen und Angriffe türkisch- und arabischstämmiger Schüler reagiert zu haben. Sie nahmen ihren Sohn von der Schule.

Am Mittwoch war ein weiterer Fall von Judenhass in Berlin-Schöneberg bekannt geworden. Ein Passant hatte den Besitzer eines israelischen Restaurants antisemitisch beschimpft.

kha/dpa

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