Experten zu Kita-Qualität 100.000 Erzieher fehlen

Die Familienminister von Bund und Ländern wollen die Qualität in Kitas verbessern. Jetzt haben Bildungsexperten nachgerechnet, was das kosten würde: bis zu 19,4 Milliarden Euro.

Kitas: Studien zufolge ist die Qualität von 80 Prozent der deutschen Krippen mittelmäßig
Corbis

Kitas: Studien zufolge ist die Qualität von 80 Prozent der deutschen Krippen mittelmäßig


Das wird teuer: Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) will die Qualität in deutschen Kitas deutlich verbessern, doch um das zu erreichen, müssten Bund und Länder nach Schätzungen der Bertelsmann Stiftung mehr als 19 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich ausgeben. In einer Stellungnahme der Stiftung, die am Montag dem Familienausschuss des Bundestags vorgelegt wurde, hieß es, um eine gute Betreuung zu garantieren, sollten 117.800 weitere Vollzeitkräfte eingestellt werden. Dies würde Extrakosten von 19,4 Milliarden Euro verursachen (die Präsentation zur Stellungnahme finden Sie hier).

Auch die Arbeiterwohlfahrt schätzt, dass Milliardenbeträge fehlen, "um eine qualitativ hochwertige Kindertagesbetreuung zu realisieren": Sie rechnet mit Zusatzkosten von neun Milliarden Euro (die Awo-Stellungnahme finden Sie hier). Ihrer Ansicht nach sollte eine Erzieherin oder ein Erzieher nicht mehr als drei Kinder im Alter von einem oder zwei Jahren betreuen. Bei den Drei- bis Fünfjährigen wäre ein Mitarbeiter für acht Kinder wünschenswert.

Studien zufolge ist die Qualität von 80 Prozent der deutschen Krippen und Tagespflegeeinrichtungen mittelmäßig. Sechs Prozent der Krippen werden als gut bis sehr gut eingestuft. Knapp sieben Prozent wurde eine unzureichende Qualität attestiert.

Schwesig hatte die Familienminister der Länder vergangene Woche zu einem Gespräch über bundeseinheitliche Standards für frühkindliche Bildung eingeladen und 500 Millionen Euro für bessere Sprachförderung in Aussicht gestellt. Grüne und Linke fordern ein Kita-Qualitätsgesetz. Die Minister hatten zunächst jedoch nur vereinbart, eine gemeinsame Arbeitsgruppe zu bilden, die bis 2016 einen ersten Bericht vorlegen soll. "Das ist ein weiter Weg, das ist auch ein milliardenschweres Projekt", betonte Manuela Schwesig. Mittelfristig sollen so bundesweite Qualitätsstandards für Kitas etabliert werden.

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him/dpa

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insgesamt 27 Beiträge
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Immanuel_Goldstein 10.11.2014
1.
Ich warte schon täglich drauf, dass die CSU die Abschaffung der KiTa fordert, um die Herdprämie als Zwangsbeglückung unters Volk zu schmeißen und die Frauen wieder an den Haushalt zu fesseln wie weiland vor 200 Jahren. Es kann nicht mehr lange dauern.
cum infamia 10.11.2014
2. Sexismus pur
Warum fehlen nur " Erzieherinnen" und keine " Erzieher" ? Hat SPON noch nichts vom Gleichbehandlungsgesetz gehört ?
keksguru 10.11.2014
3. und wer solll das bezahlen?
da wird auch über nicht finanzierbare Betreuungsschlüssel phantasiert, gepaart mit Spezialqualifikatioonen wäre dann auch die Kosten pro Kind mal so eben verdoppelt... meine Güte, etwas Imperfektion im Kindergarten hat noch keinem Kind geschadet, aber zuviel Perfektion schadet meinem Portemonnaie - in Bonn müßt ich für 60 Stunden ohnehin mehr als 800 Euro im Monat bezahlen, da hol ich mir lieber eine Au Pair aus Asien, was den Vorteil hat daß mein Kind dann auch gleich eine Fremdsprache lernt und ich selbst billiger wegkomm wie mit der örtlichen Kita. Oder ich ziehe nach Rheinbach und mecker - denn in Rheinland Pfalz kostet die Kita so gut wie nichts.
spiegelfrauchen 10.11.2014
4. Überraschung?
....was mich an diesen " Erkenntnissen " so irritiert ist die Tatsache , dass in den pädagogischen Fachkreisen schon vor ca. 5 Jahren genau über diese massive Mangelsituation gesprochen wurde . Die Leistungsanforderungen sind massiv angestiegen, während die Gehälter als lächerlich zu bezeichnen sind , wenn man bedenkt , welche Verantwortung von der Erziehern getragen wird.
logabjörk 10.11.2014
5. seit vielen, vielen Jahren
macht man die REchnung ohne den Wirt bzw. ohne die Erzieher. An Blödheit nicht zu überbieten.
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