Beruf Grafiker Man muss Ideen haben

Auf der Suche nach dem Kick des Schönen: Grafikdesigner Jan Müller-Wiefel gründete als Zwölfjähriger ein Fan-Magazin für den FC St. Pauli, heute leitet er seine eigene Firma. Im SchulSPIEGEL berichtet der 26-Jährige, wie Grafikdesigner arbeiten.


Wenig Zeit fürs Studium: Grafikdesigner Jan Müller-Wiefel

Wenig Zeit fürs Studium: Grafikdesigner Jan Müller-Wiefel

Mit dem FC St. Pauli fing alles an. Aus Liebe zu dem Hamburger Fußball-Club gründete ich das Fan-Magazin "PiPa" - damals war ich zwölf Jahre alt. Der erste echte Grafik-Auftrag flog mir dann eher zu. Ich war 16, für einen Verein musste ein Logo her. Das habe ich gestaltet und bin der Sache im Prinzip treu geblieben. Schon in der Schule habe ich an Internetseiten gebastelt und mir so ein wenig Geld verdient. Ich erkannte früh: Grafikdesign - das ist es, was mich reizt. Bald nach dem Abi habe ich mich dann an der Kunsthochschule Hamburg eingeschrieben, für visuelle Kommunikation.

Neben der Uni habe ich als freier Grafiker gejobbt, um den Bezug zur Praxis nicht zu verlieren. Ich denke, das ist ein Rat, den man allen Designstudenten geben kann: nebenbei etwas zu machen, über den Tellerrand des eigenen Studienfachs hinauszuschauen. Denn das Studium ist doch sehr künstlerisch und realitätsfern. Viele Kunstschulen-Absolventen fühlen sich etwas verloren, wenn sie anfangen zu arbeiten. Die brauchen Jahre, bis sie sich im Berufsalltag zurechtfinden.

Ich bin froh, dass ich zweigleisig gefahren bin. Die Agentur "Gudberg" habe ich vor fünf Jahren gegründet. Von langer Hand geplant war das nicht. Ich dachte mir nur: Wenn du schon so viel arbeitest, warum nicht gleich in einer eigenen Firma? Ein Schulfreund sah das ähnlich, also haben wir das Experiment gewagt. Mittlerweile haben wir unser eigenes Büro. Das ist sehr viel angenehmer, als die Arbeit von zu Hause aus zu erledigen. Unsere Kunden erfahren fast ausschließlich durch Mundpropaganda von uns; groß werben müssen wir sie nicht. Sicher, es gibt Zeiten, in denen wenige Aufträge eingehen, aber das gehört dazu. Insgesamt haben wir genug zu tun. Zum Studieren komme ich immer weniger...

Die Arbeit als Grafikdesigner ist spannend und abwechslungsreich. Ich muss mich auf die verschiedensten Ansprüche der Kunden einstellen. Mal entwickle ich das Layout eines Magazins, ein andermal entwerfe ich das Logo einer Anwaltskanzlei. Von sechs Mitarbeitern bin ich mit 26 Jahren der Älteste. Gerade in einer solch kleinen Firma ist es wichtig, dass die Atmosphäre stimmt, dass man sich untereinander versteht. Wir gehen abends oft zusammen ein Bier trinken oder zum Fußball.

Ich komme meist um halb zehn ins Büro. Wie lange ich bleibe, hängt von der Auftragslage ab. Das Schöne an meinen Beruf: kein Tag ist wie der andere, feste Zeiten gibt es nicht. Das ist anstrengend, aber es macht mir nichts aus, auch einmal bis Mitternacht zu arbeiten. So kitschig es klingen mag, ich lebe eben Grafikdesign. Es gibt mir einen unglaublichen Kick, ein von mir gestaltetes, fertiges Produkt in der Hand zu halten.

Als Chef einer Agentur muss man sich aber leider auch um den Papierkram kümmern. Das heißt: Buchhaltung führen und betriebswirtschaftliche Aspekte im Auge behalten. Spaß macht das nicht, aber es ist notwendig. Ich mach das unter Bauchschmerzen und bin immer heilfroh, wenn diese Dinge für eine Weile erledigt sind.

Mein Ratschlag an künftige Grafiker: Viel ausprobieren! Und sich bei der Wahl der Hochschule wirklich Gedanken machen. Gerade im künstlerischen Bereich sind die Universitäten sehr verschieden und es ist eine Typfrage, ob man an eine Uni passt oder nicht. Eines fordern aber alle: Kreativität. Man muss Ideen haben und diese auch umsetzen können. Ohne Gefühl für Ästhetik geht es in dieser Branche nicht.

Aufgezeichnet von Maximilian Popp



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