Tipps von Top-Journalisten "Beliebtheit ist kein Maßstab"

AP/NDR, Wolfgang Borrs

4. Teil: Anne Will - "Studieren und probieren, dann kann nichts schiefgehen"


Frage: War es für Sie ein Kindheitstraum, Journalistin zu werden?

Will: Als Kind wollte ich eigentlich Schreinerin werden.

Frage: Nicht gerade ein typischer Traumberuf für ein Mädchen…

Will: Mit diesem Berufswunsch wollte ich wohl vor allem meinen Vater beeindrucken, der eine Schreinerlehre gemacht hatte, bevor er Architekt wurde. Er hat mir einen Werkzeugkasten geschenkt, mit dem ich auch nach Kräften gespielt habe. Aber irgendwann hatte er als Spielzeug ausgedient.

Frage: Wann kristallisierte sich heraus, dass Sie Journalistin werden möchten?

Will: Ungefähr mit 16. Ich habe gern Artikel über Journalisten und ihre Arbeit gelesen. Für mich klang das wie ein Traumberuf. Allerdings hatte ich damals überhaupt keine Vorstellung davon, wie er funktioniert.

Frage: Später moderierten Sie als erste Frau die Sportschau, waren "Miss Tagesthemen". Ihre Arbeit wurde mit zahlreichen Preisen geehrt. Was muss man können, um die Anne Will von morgen zu werden - muss man zum Beispiel immer eine 1 in Deutsch haben?

Will: Nein, aber natürlich ist ein gutes Ausdrucksvermögen wichtig. Schließlich ist es die Kerntätigkeit eines Journalisten, über sehr komplizierte Zusammenhänge sehr verständlich zu reden oder zu schreiben. Wer das nicht kann, der wird sich schwer tun. Ansonsten halte ich nichts davon, Noten an berufliche Chancen zu koppeln. In diesem Beruf geht es auch um Talent. Dieser Beruf lebt nicht nur davon, dass man durchs Studium gedonnert ist, 25 Sprachen gelernt und 200 Praktika absolviert hat. Eine weitere Grundvoraussetzung ist der Spaß an der Sache. Denn nur wer Spaß hat, kann einen guten Job machen. Ein weiterer Tipp: Man sollte sich schon früh ausprobieren. Wer erst nach dem abgeschlossenen Studium auf die Idee kommt "irgendwas mit Medien" zu machen, und nichts Entsprechendes nachzuweisen hat, der hat schlechte Karten. Ich konnte durch mein Volontariat sehr früh damit anfangen, unterschiedliche Formate in unterschiedlichen Redaktionen zu moderieren. So hatte ich schnell einen großen Erfahrungsschatz für mein junges Alter. Damit habe ich mich durchgesetzt.

Frage: Was kann man schon als Schüler tun, um sich auf eine Laufbahn in den Medien vorzubereiten?

Will: Die Mitarbeit bei einer Schülerzeitung ist eine gute Möglichkeit, um zu lernen. Auch ein Praktikum bei einer Lokalzeitung kann sehr lehrreich sein. Ich bin als freie Mitarbeiterin für die "Kölnische Rundschau" mit großem Spaß über die Dörfer gedüst, um Schützenkönige zu interviewen.

Frage: Welche Eigenschaften muss man als junger Mensch noch mitbringen?

Will: Zuerst einmal Neugierde und vielseitiges Interesse, das ist sicher die Haupteigenschaft. Außerdem sollte man eine klare Haltung für sich herausbilden, zu der man steht. Das sind die Eigenschaften, die einen durch das ganze Berufsleben tragen werden, wenn man sie sich beibehält.

Frage: Stellen Sie sich vor, Sie wären noch einmal 18. Was würden Sie nach dem Abi tun?

Will: Ich würde sehr vieles wieder genau so machen, wie ich es gemacht habe. Ich würde wieder ein Studienfach wählen, das mich interessiert: zum Beispiel Geschichte. Danach würde ich mich um eine journalistische Ausbildung bemühen. Parallel zum Studium würde ich als freie Mitarbeiterin für eine Zeitung schreiben. Ich habe mich darauf konzentriert, möglichst schnell zu studieren. Heute glaube ich: Das war für meine weitere Karriere nicht so wichtig.

Frage: Gibt es auch etwas, das Sie heute anders machen würden?

Will: Ich würde mich schon während der Schulzeit bemühen, ein Jahr ins Ausland zu gehen und eine Sprache zu lernen. Das vermisse ich heute sehr, dass ich das nicht gemacht habe, auch während des Studiums nicht.

Frage: Zu welchem Fach raten Sie Abiturienten?

Will: Studieren Sie das, was Sie am meisten interessiert - und nutzen Sie die Gelegenheit, nebenbei in die verschiedensten Jobs hinein zu schnuppern. Nicht nur, um tolle Referenzen und Zeugnisse vorweisen zu können, sondern vor allem, um herauszufinden: Was liegt mir, was habe ich mir ganz anders vorgestellt. Kurzum: Studieren und probieren - dann kann eigentlich nichts schiefgehen.

Die Interviews sind gekürzte Auszug aus dem Buch "Wege in den Traumberuf Journalismus. Deutschlands Top-Journalisten verraten ihre Erfolgsgeheimnisse" von Jan Philipp Burgard und Moritz-Marco Schröder, erschienen im Solibro-Verlag.

insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
eva_b 28.09.2012
1. Warum Herr ...
... Diekmann die Sterne ausgerechnet in der Gosse sucht, erschließt sich zwar nicht. Aber egal, wer will schon werden wie der? Die Aussage von Herrn Ebert - "es hilft schon, kein Arschloch zu sein" - taugt allerdings prima als Motto für alle Lebenslagen.
UeberKatze 28.09.2012
2. Na das hilft mir jetzt aber sehr o_o
Super SPON, ich wollte schon immer mal wissen wie man mal bei der Bild landet.. Die Wahrheit ist doch: Am besten hat man studiert, 20 Jahre Berufserfahrung, ist dabei erst 18 Jahre alt und man hat seine Arbeitskraft mindestens 4 Jahre lang als Praktikant verschenkt bis man dann endlich mal als "richtiger" Journalist arbeiten kann. Nur um dann als jemand der überhaupt keine Ahnung davon hat wie es in der Mitte des Volkes, oder ganz unten, wirklich aussieht, eben mutmaßend darüber zu schreiben, wie es in der Mitte des Volkes oder ganz unten wohl aussehen mag. Die meisten Journalisten sind Akademikerkinder die ihre Pseudolebenserfahrung mit dem Sicherheitsnetz von Mami und Papi gesammelt haben. Und so sieht die deutsche Medienlandschaft auch aus! Ich musste mein Leben lang kämpfen, mir ist nie was in den Schoß gefallen, nichts anderes als mein Idealismus und der Wunsch Menschen auch mal zum Lachen zu bringen hat mich zum Journalismus gebracht. Aber man kann nicht ewig für 1,50 die Stunde arbeiten wenn man nicht mit ner silbernen Rassel im Allerwertesten auf die Welt gekommen ist!
Atheist_Crusader 28.09.2012
3.
Zitat von eva_b... Diekmann die Sterne ausgerechnet in der Gosse sucht, erschließt sich zwar nicht. Aber egal, wer will schon werden wie der? Die Aussage von Herrn Ebert - "es hilft schon, kein Arschloch zu sein" - taugt allerdings prima als Motto für alle Lebenslagen.
Er berichtet aus der Gosse, weil das genau der Ort ist, von dem seine Leser "Nachrichten" hören wollen. Die Gosse ist auch leichter auf dem Globus zu finden als Venzuela oder Kambodscha.
HWGerlacher 28.09.2012
4.
Zitat von UeberKatzeSuper SPON, ich wollte schon immer mal wissen wie man mal bei der Bild landet.. Die Wahrheit ist doch: Am besten hat man studiert, 20 Jahre Berufserfahrung, ist dabei erst 18 Jahre alt und man hat seine Arbeitskraft mindestens 4 Jahre lang als Praktikant verschenkt bis man dann endlich mal als "richtiger" Journalist arbeiten kann. Nur um dann als jemand der überhaupt keine Ahnung davon hat wie es in der Mitte des Volkes, oder ganz unten, wirklich aussieht, eben mutmaßend darüber zu schreiben, wie es in der Mitte des Volkes oder ganz unten wohl aussehen mag. Die meisten Journalisten sind Akademikerkinder die ihre Pseudolebenserfahrung mit dem Sicherheitsnetz von Mami und Papi gesammelt haben. Und so sieht die deutsche Medienlandschaft auch aus! Ich musste mein Leben lang kämpfen, mir ist nie was in den Schoß gefallen, nichts anderes als mein Idealismus und der Wunsch Menschen auch mal zum Lachen zu bringen hat mich zum Journalismus gebracht. Aber man kann nicht ewig für 1,50 die Stunde arbeiten wenn man nicht mit ner silbernen Rassel im Allerwertesten auf die Welt gekommen ist!
Da schwingt aber ne ganze Ladung Minderwertigkeitsgefühle mit in Ihrem Post. Ihre Geschichte ist ja wirklich interessant und rührend, aber warum man Akademikerkinder gleich mit "Pseudolebenserfahrung" und "silberne Rassel im Arsch" herabwürdigen muss, verstehe ich nicht. Man kann die Ueberkatze aus der Gosse holen, aber nicht die Gosse aus der Ueberkatze, was?
Ylex 28.09.2012
5. Neunzig von hundert
Von hundert Bewerbern für ein Voluntariat können neunzig gut genug schreiben, um ein passabler Journalist zu werden, das glaube ich jedenfalls, und dementsprechend auch, dass es sehr auf die Persönlichkeit und auf Beziehungen ankommt. Wenn ein frischgebackener Betriebswirt keine Bilanz lesen kann, dann kann er das vor einem Personalchef kaum verbergen, er hat schlechte Karten – etwas anders sieht es beim Schreiben aus, da gibt es eine größere Bandbreite. Der SPIEGEL hat einen guten Ruf. Ich habe schon öfter gehört, dass es für Journalisten eine Art Auszeichnung sei, dort zu arbeiten. Das macht mich zwar manchmal leicht stutzig, aber davon abgesehen davon müsste man dann zumindest beim SPIEGEL ein markantes und auch relativ konsistentes Niveau erwarten, es schwankt jedoch auffällig. Das muss Gründe haben – wer weiß, vielleicht ein flexibles Konzept, eine großzügige Chefredaktion, eine eher heterogene Zusammensetzung der Journalisten oder die bewusste Entscheidung, mehr Randthemen einzubeziehen. „Die Zeit“ kann man nicht lesen – zu viel, zu lang, zu langatmig, zu laberig – den SPIEGEL dagegen kann man lesen, er ist kompakter, in den Analysen griffiger, kritischer sortiert in der Themenauswahl. Noch ist das so, noch. Journalismus muss zur Sache kommen, ein Journalist muss etwas von der Sache verstehen und Prioritäten setzen, erst dann kommt das Schreiben. Ein guter Artikel ist kein Essay, seltener ein Kolumne und schon gar keine Kurzgeschichte, etwa: „Wie Roswitha ihren Lebensmut wiederfand“ - doch die Tendenz geht dahin, ein bisschen auch beim SPIEGEL.
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