Bildungsumfrage Deutsche wollen Zentralabitur

Eine neue Studie lotet die Bereitschaft der Deutschen zu Bildungsreformen aus - die ist größer als gedacht. Die Vergleichbarkeit der Schulbildung zwischen Bundesländern ist den Befragten besonders wichtig.

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Erzieherin bei der Arbeit: Sie hat mehr Gehalt verdient, finden vier von fünf Deutschen
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Erzieherin bei der Arbeit: Sie hat mehr Gehalt verdient, finden vier von fünf Deutschen


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Mehr Geld für Kitas und Schulen, klare Leistungsanforderungen bei Abschlussprüfungen - solche Forderungen finden bei den meisten Deutschen Unterstützung. Zum zweiten Mal hat das Münchner "ifo Zentrum für Bildungsökonomik" am Dienstag sein Bildungsbarometer veröffentlicht. "Die Studie belegt, dass die deutsche Bevölkerung eine hohe Bereitschaft zu Reformen in der Bildung aufweist", sagt Ludger Wößmann, Leiter des ifo-Zentrums.

Für die Umfrage - nach ifo-Angaben die größte Erhebung zu Bildungsthemen in Deutschland - wurden rund 4200 Personen interviewt. Finanziert wurde die repräsentative Untersuchung von der Leibniz-Gemeinschaft, abgefragt wurden Themen vom Kindergarten über den Schul- und Ausbildungsbereich bis zum Hochschulstudium.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Eine klare Mehrheit - insgesamt 73 Prozent - findet, dass bei Landtagswahlen die Bildungspolitik "sehr wichtig" oder "eher wichtig" ist.
  • 79 Prozent der Deutschen befürworten höhere Gehälter für Erzieherinnen. Fast genauso groß ist die Mehrheit für einen gebührenfreien Kita-Besuch (77 Prozent). Und 86 Prozent fordern bundesweit einheitliche Qualitätsstandards bei Gruppengrößen und Ausbildung der Erzieherinnen - wobei gut die Hälfte (55 Prozent) dagegen ist, dass Erzieherinnen studieren sollten.
  • Für den Ausbau der Ganztagsschule bis 15 Uhr sprechen sich drei von fünf Deutschen (61 Prozent) aus; Unterricht bis 16 Uhr am Nachmittag finden noch 51 Prozent richtig, bis 17 Uhr wollen 47 Prozent die Kinder in der Schule lassen.
  • Schulabschlüsse sollen, unabhängig von den Bundesländern, mit deutschlandweit einheitlichen Prüfungen verbunden sein: 86 Prozent wünschen sich ein Zentralabitur, 85 Prozent fordern Einheitlichkeit für den Realschulabschluss und 82 Prozent auch für den Hauptschulabschluss.
  • Unentschieden sind die Befragten beim Thema Studiengebühren: Etwa die Hälfte ist dafür, die andere Hälfte dagegen. Wurden den Umfrage-Teilnehmern zusätzlich Informationen über das höhere Gehalt von Akademikern gegeben, stieg die Zustimmung zum Bezahlstudium - ein erwartbarer Effekt. Eine nachgelagerte Campusmaut, die erst nach dem Examen bezahlt werden muss, wurde von 59 Prozent "sehr" oder "eher" begrüßt.

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Die Vergleichbarkeit vor allem der Schulbildung zwischen den Bundesländern ist den Befragten besonders wichtig. Nicht nur bei Schulabschlüssen wollen sie bundesweit einheitliche Tests, sondern auch schon während der Schulzeit: So plädierten 68 Prozent dafür, solche Vergleichstests in Deutsch und Mathematik in den Jahrgangsstufen drei, sieben und zehn einzuführen und deren Ergebnisse auch bei den Schulnoten zu berücksichtigen.

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Das Bildungsbarometer zeigt außerdem, wie sich Eltern die berufliche Zukunft ihrer Kinder wünschen: Am beliebtesten ist demnach immer noch die Lehre, gefolgt von einer Berufsausbildung mit anschließendem Studium.

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Insgesamt belegt die Umfrage eine hohe Aufmerksamkeit für das Thema Bildung - und manche politische Wunschvorstellung, die in der Realität kaum umzusetzen sein dürfte. So fordern 78 Prozent der Befragten mehr Geld für Schulen. Und zwei Drittel wollen, dass diese zusätzlichen Gelder vor allem in Kitas oder Grundschulen eingesetzt werden: am besten, um die Klassen zu verkleinern und neue Schulbücher, Computer und Unterrichtsmittel anzuschaffen.


Zusammengefasst : Die Deutschen sind mehrheitlich für zentrale Schulabschlussprüfungen und wollen den Bildungssektor mit mehr staatlichem Geld ausstatten. Skeptisch sind die Befragten des Bildungsbarometers allerdings beim Thema Studium für Erzieherinnen: Auch wenn das Verständnis für die geforderten Gehaltserhöhungen groß ist, lehnen doch 55 Prozent eine Hochschulausbildung für Kita-Mitarbeiterinnen ab.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 121 Beiträge
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james-100, 01.09.2015
1.
Eltern wünschen sich für die Kinder eine normale Lehre?Sind die denn wahnsinnig? Die werden hier doch überhaupt nicht als Facharbeiter angesehen. Nur wer studiert wird zukünftig ein Facharbeiter sein und ein einigermaßen vernünftiges Gehalt beziehen können.
wolfi55 01.09.2015
2. Kosten Kita-/Kiga-Platz
gegen den kostenlosen Platz wird immer gewettert. Wenn ich mir ansehe, dass ein Kita-Platz ca 1000€ im Monat kostet, dann sind die Gebühren da nur die Rundungssumme. Ich rechne jetzt mit einem Schlüssel von ca 1:8. In manchen Ländern ist das anders, da sind es auch Aufbewahrungsanstalten.
limubei 01.09.2015
3. Das Wollen der Bevölkerung in Sachen Bildung
wird die Provinzregierungen nicht interessieren. Länderhoheit! Dieses Thema begleitet die Republik seit Jahrzehnten. Und in den Ländern können sich die echten Bildungsprofis alle paar Jahre austoben mit dem bekannten Resultat.
Knack5401 01.09.2015
4. Gähn...
Hat der Wunsch Konsequenzen? Nein, wie immer. Man müsste halt mal wählen gehen, aber das ist dann auch schon wieder zu viel Aufwand.
kael 01.09.2015
5. (Schul-)Bildung ist Bundessache!
(Schul-)Bildung ist dermaßen wichtig, dass sie der Bundeshoheit überlassen werden sollte. Ich halte es für ananchronistisch, dass 16 Bundesländer ihr jeweils eigenes "Bildungsrad" drehen und - je nach Wahlausgang - dieses Rad alle 5 Jahre neu erfinden. Das ist Kleinstaaterei, wo man sie am wenigsten gebrauchen kann. Auch die viel beschworene "mobile Gesellschaft" muss sich darauf verlassen dürfen, dass in jedem Bundesland der gleiche (Schul-)Bildungsstand angetroffen wird. Leider wird diese Forderung von den Länderfürsten boykottiert werden. Denn die wollen alle ihre eigene Bildung, ihren eigenen Rundfunksender und ihren eigenen Flughafen.
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