Aktueller Vergleich Welches Bundesland hat das beste Bildungssystem?

Forscher haben ermittelt, wie gut Kindergartenkinder und Schüler in den einzelnen Bundesländern ausgebildet werden. Erstmals seit zehn Jahren ist Berlin in dem Ranking nicht mehr Schlusslicht.

Grundschule in Bayern
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Grundschule in Bayern


Kinder werden in Kitas und Grundschulen ganztags betreut, viele Grundschüler erreichen die Mindeststandards im Lesen und die eingeworbenen Drittmittel je Professor sind die höchsten in Deutschland: Sachsen hat das leistungsfähigste Bildungssystem in Deutschland.

Zu diesem Schluss kommen das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und die arbeitgebernahe Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in einem aktuellen Vergleich der Bundesländer, dem Bildungsmonitor 2018, der an diesem Mittwoch erscheint.

Mit der Vergleichsstudie, die es seit dem Jahr 2004 gibt, soll die Leistungsfähigkeit der Bildung in den Bundesländern aus einer wirtschaftlichen Perspektive untersucht werden. Analysiert wird beispielsweise die Verfügbarkeit von Ganztagsschulen, Schulabbrecherquoten oder der Anteil von Schülern, die von Bildungsarmut betroffen sind.

Laut der aktuellen Studie nahm die Qualität der Schulen ab, es gab Rückschritte in der Integration, die Bildungsarmut konnte nicht verringert werden und mehr Jugendliche brachen die Schule ab. Über das Schwerpunktkapitel der Studie zur Digitalisierung hatte SPIEGEL ONLINE exklusiv vorab berichtet. Das Fazit: Deutschland hinkt im internationalen Vergleich bei der Computernutzung an Schulen und bei den IT-Kompetenzen der Schüler hinterher.

Starke Unterschiede werden in der Studie zwischen den Bundesländern ausgemacht. Demnach hat Sachsen, gefolgt von Thüringen und Bayern, die leistungsfähigsten Bildungssysteme. Verbessern konnte sich in dem Länder-Ranking Berlin, das erstmals seit zehn Jahren nicht mehr Schlusslicht ist. Auf dem letzten Platz landete nun Bremen, das zweitschlechtestes Ergebnis erzielte NRW.

Platz 1: Sachsen

Laut der Studie hat sich Sachsen im Fünfjahresvergleich leicht verbessert. Das Bildungssystem des Bundeslandes zeichnet sich vor allem durch seine hohe Forschungsorientierung, durch gute Förderungen und eine hohe Schulqualität aus.

Allerdings zeigt der Bildungsmonitor auch auf, wo jedes einzelne Bundesland noch Nachholbedarf hat. In Sachsen werden demnach viele Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst, und auch die Bologna-Reform wird nur zögerlich umgesetzt. Zudem ist die Altersstruktur der Lehrer an allgemeinbildenden Schulen unausgewogen. Verbesserungsbedarf gibt es bei der Digitalisierung. Schulen müssten besser mit digitalen Medien ausgestattet und Lehrer müssten besser im Umgang damit geschult werden.

Platz 2: Thüringen

Obwohl sich das Bundesland im Fünfjahresvergleich am deutlichsten verschlechtert hat, landet es immer noch auf dem zweiten Platz - vor allem, weil Schüler gut betreut werden. Hier kommen vor allem an beruflichen Schulen wenige Schüler auf einen Lehrer. Zudem sind die Bildungsausgaben an den Berufsschulen sehr hoch, es gibt ein gutes Ganztagesangebot für Kita-Kinder und Grundschüler.

Allerdings gibt es in Thüringen nach wie vor sehr viele ältere Lehrer. Zudem verlassen viele ausländische Jugendliche die Schulen ohne Abschluss. Digitale Medien werden im Unterricht zwar gut genutzt, aber Verbesserungsbedarf gibt es bei der quantitativen IT-Ausbildung in der beruflichen Bildung und an den Hochschulen.

Platz 3: Bayern

Bayern hat sich in den vergangenen fünf Jahren stark verbessert. Das Ausbildungsstellenangebot ist groß, der Anteil unversorgter Jugendlicher niedrig und es nehmen bundesweit die meisten Erwachsenen an Fortbildungen teil. Nur wenige Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss. Das Bundesland investiert viel in allgemeine und berufsbildende Schulen sowie in Hochschulen. Und die Altersstruktur der Lehrer ist vergleichsweise ausgewogen. Außerdem sind die Bildungsausgaben je Grundschüler sehr hoch.

Bayern hinkt allerdings noch in der Ganztagesbetreuung hinterher: Der Anteil der Schüler, die an Grund- und weiterführenden Schulen Ganztageseinrichtungen nutzen, ist im bundesweiten Vergleich trotz jüngster Fortschritte niedrig. Bei der Digitalisierung gehört Bayern zu den stärksten Bundesländern.

Platz 4: Baden-Württemberg

Obwohl das Bundesland vor fünf Jahren bessere Ergebnisse vorweisen konnte, verteidigt es seinen vierten Platz im Bildungsmonitor. Wenige Jugendliche bleiben hier ohne Ausbildungsstelle und diejenigen, die eine duale Ausbildung absolvieren, haben die höchste Erfolgsquote aller Bundesländer. Zudem brechen weniger Jugendliche ihre Ausbildung ab. Die Hochschulen bringen relativ viele Akademiker hervor, vor allem Absolventen der Ingenieurwissenschaften. Sie sind vor allem für Studierende aus dem Ausland attraktiv. Grundschüler werden in Baden-Württemberg früh in Fremdsprachen unterrichtet. Aufholen muss das Bundesland in der Ganztagesbetreuung.

Platz 5: Hamburg

Der Stadtstaat verbessert sich immer mehr in Bildungsfragen: Es gibt viele Ganztageseinrichtungen, an Grundschulen und in der Sekundarstufe 1 kommen auf jeden Lehrer wenige Schüler und die Grundschüler beginnen bereits in der ersten Klasse mit Fremdsprachenunterricht. Zudem sind die Sachausgaben an Schulen und Hochschulen hoch.

Allerdings müssen die Schüler im Lesen aufholen, dort erreichen sie nicht die Mindeststandards. In Hamburg spielt zudem die soziale Herkunft eine große Rolle für den Bildungserfolg.

Bremen belegt den letzten Platz des Bildungsmonitors. Hier sind die Bildungsausgaben pro Schüler relativ gering, Schüler erreichen in den Kompetenztests schlechte Ergebnisse und auch viele Grundschüler erreichen nicht die Mindeststandards.

In Nordrhein-Westfalen (Platz 15) besteht Handlungsbedarf bei der Betreuung. Statistisch betrachtet, kommen auf eine Lehrkraft an Schulen und Hochschulen überdurchschnittlich viele Schüler und Studierende. Und viele Schüler scheitern an beruflichen Vollzeitschulen.

Berlin, das in den vergangenen zehn Jahren immer auf dem letzten Platz landete, steht nun auf Platz 13. Dennoch gibt es viel zu verbessern: Ein hoher Anteil ausländischer Schüler verlässt die Schule ohne Abschluss, die soziale Herkunft wirkt sich besonders stark auf das Bildungsergebnis aus. Viele Jugendliche brechen zudem ihre Ausbildung vorzeitig ab. Außerdem ist das Ausbildungsstellenangebot gering, der Anteil unversorgter Jugendlicher relativ hoch und es nehmen bundesweit die wenigsten Erwachsenen an Fortbildungen teil.

kha/AFP



insgesamt 125 Beiträge
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Seite 1
g_bec 15.08.2018
1. Sachsen
Sachsen und Thüringen leben aber von der Substanz. Haben das die Forscher auch berücksichtigt?
schmic79 15.08.2018
2. Parteien
Interessant waere jetzt noch, welche Parteien in den letzten Jahren in den jeweiligen Bundesländern führend an der Macht waren.... Evtl. gibt es da ja einen Zusammemhang....
acitapple 15.08.2018
3.
Meines Erachtens ein erneutes Argument gegen den unsinnigen Bildungsföderalismus. Schon alleine die Tatsache, dass Bundesländer offenbar um Bildungsqualität wetteifern ist armselig. Ein Schulabschluss aus Nürnberg sollte den gleichen Bildungsstand mitgeben wie einer aus Herne oder Flensburg oder Cottbus. Wir leisten uns 16 Bildungsministerien in den Ländern und noch eines für den Bund, die alle ihr eigenes Süppchen kochen und horrende Summen in der Verwaltung verschlingen. Andererseits ist aber nicht genug Geld da um die Schulen halbwegs instand zu halten. Ist irgendein Gebäude dieser 16 Kultusministerien in einem ähnlich erbärmlichen Zustand ? Ich könnte wetten es ist nicht so...
maphry 15.08.2018
4. Und ist es immer noch so?
Und ist es immer noch so, dass in Ostdeutschland besonders viele Schüler die Schule ohne Abschluss verlassen? Im Artikel ist mal wieder nur von ausländischen Schülern die Rede, dabei ist das Problem in Ostdeutschland mit der geringen Ausländerquote viel fataler.
leonidas7 15.08.2018
5. Die größten Schwätzer
in Sachen Bildung, die Grünen, garniert von eingen Roten haben das erbärmlichste System. Ineffzient, teuer, kopflastig. Aber immer auf andere (Bayern, Sachsen) arrogant schimpfen und seinen eigenen Schwachsinn von diesen bezahlen lassen. Das ist das System Rot-Grün.
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