Sexuelle Vielfalt im Lehrplan Grün-Rot schmettert Homo-Gegner ab

Niederlage für die Gegner von sexueller Vielfalt im Unterricht: Die grün-rote Mehrheit in Baden-Württemberg lehnt eine Petition gegen den Bildungsplan der Landesregierung ab. Aus der CDU kommt Kritik.

Schwules Paar (Archiv): Baden-Württemberg unterrichtet bald mehr als Vater, Mutter, Kind
DPA

Schwules Paar (Archiv): Baden-Württemberg unterrichtet bald mehr als Vater, Mutter, Kind


Stuttgart - Die erste Antwort ist kurz und deutlich: Die grün-rote Landesregierung von Baden-Württemberg halte an ihrem Ziel fest, das Thema "Akzeptanz sexueller Vielfalt" in den neuen Bildungsplänen zu verankern. "Deshalb hat der Petent mit seinem Anliegen keinen Erfolg."

Klarer kann man eine Petition kaum zurückweisen: Der Realschullehrer und evangelikale Christ Gabriel Stängle hatte 192.000 Unterschriften für eine Online-Petition gesammelt, mit der er den neuen Bildungsplan der Landesregierung ablehnt. Der sieht vor, andere Formen des Zusammenlebens als die klassische Mann-Frau-Familie im Unterricht an Baden-Württembergs Schulen vorzustellen.

Wie viele Menschen wirklich hinter der Petition stehen, ist schwer zu sagen. Die Listen wurden nicht darauf überprüft, ob Unterstützer überhaupt existierten oder mehrmals unterschrieben. Allerdings hatte Stängle auch mächtige Verbündete, etwa die evangelische und die katholische Kirche Baden-Württembergs.

"Armutszeugnis für Grün-Rot"

Eine ausführliche Begründung für die Ablehnung liefert der Berichterstatter des Ausschusses dem Landtag in der kommenden Woche. Initiator Stängle warnt Grün-Rot bereits, sein Anliegen nicht ernst zu nehmen: "Wenn sich zeigt, dass diese genauso substanzlos ausfällt wie die erste Erklärung von Frau Böhlen, wäre das ein Armutszeugnis für die grün-rote Ausschussmehrheit", sagte er der taz.

Aus der CDU kommt ähnliche Kritik: "Die grün-rote Landesregierung zeigt damit, wie wenig ernst sie die Bedenken und Argumente relevanter Teile der Bevölkerung nimmt", sagte die Abgeordnete Sabine Kurtz, die auch dem Evangelischen Arbeitskreises der Partei vorsitzt. Die CDU-Abgeordneten im Ausschuss hatten vorgeschlagen, die Eingabe an die Regierung zur Berücksichtigung bei ihrer weiteren Arbeit an der Bildungsplanreform zu überweisen.

Die Ausschussvorsitzende Beate Böhlen (Grüne) wehrt sich gegen den Vorwurf: "Der Ausschuss hat sich mit dem Anliegen beschäftigt. Man könnte das auch im schriftlichen Verfahren abhandeln, das haben wir nicht getan", sagte sie SPIEGEL ONLINE. Die Regierung habe sich aber bereits mit der Petition auseinandergesetzt, noch einmal sei das nicht notwendig.

ade

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 75 Beiträge
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stefangr 10.10.2014
1. sexuelle Orientierung kann man nicht beeinflussen
Ob das jetzt Herr Stängele oder Frau Frigide ist, eine sexuelle Orientierung kann man nicht beeinflussen. Man sieht es ja daran, dass auch ohne toleranten Sexualkunde Unterricht etliche homosexuell empfinden. Genauso ist es, wenn Kinder aus einer Lesbenbeziehung hervorgehen, dann werden daran zu 99% garantiert Heterosexuelle. Wieso soll ein aufgeklärter Sexualunterricht nicht allen helfen mehr Toleranz in jeglicher Hinsicht an den Tag zu legen? Wie lächerlich auch die Namen dieser Protestanten sind so lächerlich ist ihre Petition gegen diesen sinnvollen Bildungsplan.
jozu2 10.10.2014
2. Akzeptieren ja, dafür werben nein
Im Sachkundebuch der 3. Klasse meines Sohnes sind sogar Stellungen beschrieben (ja, ich meine mit Mann oben oder umgekehrt oder...). Können die Kinder nicht so lange wie möglich Kinder bleiben. Und ich fand es eigentlich nicht schlecht, mit der in der Pubertät aufkommenden Sexualität unbefangen auszuprobieren. Meine Kinder werden lange vor der Pubertät eine ganzes Programm kennen. Und was wird dadurch besser? Und jetzt wird den Kindern noch Homosexualität "beigebracht"? Nach dem Motto "Du kannst nur über etwas reden, was Du auch selber ausprobiert hast"? Merken die Kinder - wenn sie homosexuelle Neigungen haben sollten - das nicht von selber? Ich finde es gut, dass wir (die meisten) Homosexuelle nicht diskriminieren und die haben ja auch zweifellos eine eigene Rolle in der Gesellschaft. Die lustigen Kommentare von G.M.Kretschmar kann nur ein Homosexueller machen, keine Frau und kein Hetero-Mann! Aber dennoch sind die Menschen - wie auch verwandte Säugetiere - überwiegend auf eine auf Fortpflanzung gerichtete Sexualität ausgerichtet. Das muss man nicht mit Gewalt ändern und kann die Heterosexualität als die "normale" Ausrichtung anerkennen ohne diskriminierend zu sein. Ich sage ja auch Kindern mit gesunden Augen nicht, sie könnten ja mal eine Brille ausprobieren.
mpitt 10.10.2014
3. Seltsame Vorstellung von Bürgerbeteiligung
Ob man diesen Herrn Stängle mag oder nicht, das spielt gar keine Rolle, denn die Art und Weise wie mit einer Petition umgegangen wird ist nicht in Ordnung. Die Grünen würden Veitstänze aufführen, würde so mit einem Anliegen umgegangen werden, das aus ihrem Dunstkreis kommt. Zudem halte ich es für unangebracht, einen Begriff wie Homo-Gegner so undifferenziert zu verwenden. Niemand kann ernsthaft Homosexualität ablehnen, denn es gibt sie seit es Menschen gibt und sie ist nichts Schlimmes. Aber in welcher Form solche Themen im Schulunterricht behandelt werden, darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein und um nichts anderes geht es. Das ist keineswegs reaktionär!
Ex-Kölner 10.10.2014
4. Sehr schön...
...daß diese verkniffenen Pietisten so abgebürstet wurden. Klar gibt es nicht nur in baden-württembergischen Schulen Dinge, die dringender sind. Andererseits muß man schon sehr vernagelt sein um sich darüber aufzuregen, daß in Schulbüchern/im Unterricht erwähnt wird, daß es noch mehr als heterosexuelle Beziehung gibt. Der Herr Stängle glaubt wohl auch: Wenn ich die Augen zu mache, verschwindet, was mir nicht gefällt.
cogitabilis 10.10.2014
5. Wichtig, aber eben doch nicht so wichtig
Es ist sicherlich wichtig, dass sich die Bürger für ihre Anliegen engagieren und sich die Regierung und die Verwaltung mit diesen beschäftigt. Nichtsdestotrotz handelt es sich (unter Berücksichtigung, dass sich hinter den 192.000 Unterschriften auch 192.000 Bürger aus Baden-Württemberg "verbergen") um eine kleine, wenn auch lautstarke, Minderheit von weniger als 2% der Einwohner oder knapp 3% der stimmberechtigten Einwohner. Sowohl die Wähler der aktuellen Regierung als auch die 97/98% der nicht an dieser Aktion teilnehmenden sind für die Änderung der Bildungspläne. Es ist nun gut und auch diese lautstarke Minderheit sollte die Mehrheitsentscheidung der Bürger und deren Repräsentanten respektieren und nicht mit immer neuen Medienaktionen Zeit und Ressourcen anderer verschwenden.
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