Bildungspolitik CDU will Haupt- und Realschulen zusammenlegen

Das dreigliedrige Schulsystem war der CDU lange Zeit so wichtig wie die Kernenergie. Doch nun will die Union nicht nur Atomkraftwerke stilllegen, sondern auch die Hauptschule abschaffen. Der Grund: zu wenige Schüler.

Bundesbildungsministerin Schavan: Kurze Wege zur Schule
dapd

Bundesbildungsministerin Schavan: Kurze Wege zur Schule


Berlin - Die CDU nimmt Abschied von selbständigen Haupt- und Realschulen. Das verkündete Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) als Beschluss der CDU-Bildungskommission. Die Kommission unter ihrem Vorsitz erarbeitet bildungspolitische Leitsätze für den Parteitag im November.

"Bald wird es 35 Prozent weniger Schüler geben, darauf müssen wir uns einstellen", sagte Schavan der "Welt". Eltern wünschten, dass ihre Kinder es nicht weit zur Schule hätten. "Deshalb wollen wir Haupt- und Realschulen zu Oberschulen zusammenlegen", sagte die Ministerin.

Damit verabschiedet sich die CDU vom dreigliedrigen und setzt künftig auf ein zweigliedriges Schulsystem. Schavan wünscht, dass dabei das Gymnasium unangetastet bleibt: "Das Gymnasium hat sich pädagogisch längst weiterentwickelt. Es hat so viele Schüler wie nie zuvor, ist anerkannt und hat gute neue Profile entwickelt."

Langer Abschied von der Hauptschule

Die Union hat lange für ihren Abschied von der Hauptschule gebraucht. Noch im Oktober stellte der sächsische Kultusminister Roland Wöller (CDU) gemeinsam mit seinen damaligen Amtskollegen aus Bayern, Ludwig Spaenle (CSU), und Baden-Württemberg, Marion Schick (CDU), ein Grundsatzpapier zur Schulpolitik vor, das die Notwendigkeit eines differenzierten Schulsystems betonte und auf die Frage nach der Zukunft der Hauptschulen keine Antwort bot.

Spaenle sagte seinerzeit, er sei weiterhin überzeugt "von drei allgemeinbildenden Schulformen". Bayern gehe mit der Einführung der Mittelschule einen eigenen Weg. Mit den Mittelschulen wird dort die Möglichkeit von Schulverbünden geschaffen, wo Schüler knapp werden. "Wir müssen unterschiedlichen Schülern unterschiedliche Bildungswege eröffnen", so Spaenle zu SPIEGEL ONLINE.

In Sachsen ist man längst weiter. Dort und in anderen ostdeutschen Bundesländern hatte die Politik nach der Wende darauf verzichtet, die Hauptschule einzuführen. Man setzte gleich auf ein zweigliedriges System - und fuhr damit Erfolge bei Vergleichsstudien ein. Sachsen etwa belegte bei Pisa stets einen der vorderen Plätze.

jdl/dapd

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südd. 11.06.2011
1. Falsche Fährte
Zitat von sysopDas dreigliedrige Schulsystem war der CDU lange Zeit so wichtig wie die Kernenergie. Doch nun will die Union nicht nur Atomkraftwerke stilllegen, sondern auch die Hauptschule abschaffen. Der Grund: zu wenige Schüler. http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,768047,00.html
Die Probleme sind auch durch diesen Kniff nicht aus der Welt. Die Eltern werden verstärkt ihre Kinder auf Gymnasium schicken wollen oder es werden noch mehr Privatschulen gegründet. Das Problem kann man im Spiegel in dem Brandbrief des Rektors nachlesen.
_gimli_ 11.06.2011
2. .
Zitat von südd.Die Probleme sind auch durch diesen Kniff nicht aus der Welt. Die Eltern werden verstärkt ihre Kinder auf Gymnasium schicken wollen oder es werden noch mehr Privatschulen gegründet. Das Problem kann man im Spiegel in dem Brandbrief des Rektors nachlesen.
Also ich lebe in Bayern (Herzogenaurach) und wir haben hier das Problem, dass die Leute ihre Kinder aufgrund der neu geschaffenen Durchlässigkeit der Schulsysteme massiv auf die Realschule schicken, um ihnen die gymnasiale Tretmühle zu ersparen. Ergebnis: Kinder, die vom Gymnasium auf die Realschule wechseln, bekommen nur einen Platz auf einer 20 Kilometer entfernten Realschule. Wenn ein Kind später z.B. BWL oder ein Ingenieursfach studieren will, würde ich als Elternteil heute immer für Realschule mit anschließender FOS plädieren. Ich betreue selbst Diplomanden, die diesen Weg gegangen sind und nur positiv darüber sprechen. Meine Tochter quält sich auch durch's Gymnasium, weil sie es will, hätte aber sofort meine Unterstützung für einen Wechsel.
wkaiser, 11.06.2011
3. .....
Zitat von sysopDas dreigliedrige Schulsystem war der CDU lange Zeit so wichtig wie die Kernenergie. Doch nun will die Union nicht nur Atomkraftwerke stilllegen, sondern auch die Hauptschule abschaffen. Der Grund: zu wenige Schüler. http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,768047,00.html
Dann werden die Realschulen dann genauso kaputt gemacht, wie die Hauptschulen.... Die CDU macht auch nur noch alles falsch.... Wähler aus den Kreisen, die solche Themen (Atomausstieg, Schule,..) befürworten wird man damit nicht gewinnen, da die bei dem Original bleiben werden. Aber viele (so wie mich) verlieren. So was stört aber ja keinen Politiker, die sind da absolut schmerzfrei... Selbst wenn nur noch 100 Leute wählen gingen, würde man die Prozente aufteilen, und sich des starken Vertrauensbeweises der Wähler erfreuen.... Und da diese Einheitssoße mittlerweile in allen Parteien gleichermaßen vorherrscht, kann man diesem Staat eigentlich nur noch den Rücken kehren: mental oder auch physisch. Das ist alles so unendlich deprimierend.
Langkieler 11.06.2011
4. Fatal
Die fatalen Folgen dieser Politik kann man seit 2007 auch in Schleswig-Holstein sehen. Das vom Nazi-Pädagogen und Gleichschaltungsvorarbeiter Peter Petersen und Gleichgesinnten erdachte Prinzip, die bedarfsgerechte Differenzierung der Schularten aufzugeben und statt dessen alle Kinder ohne Ansehen ihrer Bedürfnisse und Begabungen, aber auch ohne Beachtung der gesellschaftlichen Notwendigkeiten, diesen Fähigkeiten jeweils ein passendes Bildungs- und Berufsmodell gegenüberzustellen, wird zu einem weiteren Absturz nicht nur der bisherigen Realschulqualität, sondern auch der sozialen Tragfähigkeit der Hauptschulbildung führen. Die CDU scheint nun endgültig von der Sozialisation ihrer Vorsitzenden durchdrungen zu sein. Es wird Zeit für eine Neugründung einer auf Bildung und Fortschritt gerichteten Partei, angesichts der demographischen Entwicklung sollte die CDU mit der SPD fusionieren - anders wird sie ihre Mitgliederzahlen nicht halten können.
medley63 11.06.2011
5. Theorie versus Praxis
Na, da werden sich die Realschüler aber freuen, dass sie neue Freunde aus der Hauptschupe bekommen werden. Liest du: _Artikelauszug:_ 09.06.2011 22:30 Uhr Garbsen *Der Hilferuf einer Schule und das mediale Echo* _Dieser Donnerstag ist kein Tag wie jeder andere an der Hauptschule Nikolaus Kopernikus in Garbsen. Grund für die zugespitzte Stimmung ist ein Brandbrief, den der scheidende Direktor der Schule, Albert Seufer, jüngst an die Landesschulbehörde und die Polizei gerichtet haben_ Quelle: http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Region/An-der-Leine/Garbsen/Der-Hilferuf-einer-Schule-und-das-mediale-Echo
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