Fahndung der Polizei Lehrer sollen Kinderporno-Opfer identifizieren

Das Bundeskriminalamt bittet bundesweit Lehrer, bei der Identifizierung von möglichen Opfern sexueller Gewalt zu helfen. Die Beamten hoffen so, die Täter zu finden.

Grundschüler (Symbolfoto)
DPA

Grundschüler (Symbolfoto)


Lehrer sollen dem Bundeskriminalamt (BKA) dabei helfen, mögliche Opfer aus kinderpornografischen Videos zu identifizieren. Ein entsprechendes Schreiben ist am Freitag an alle Hamburger Grund- und weiterführenden Schulen geschickt worden. Die Schulleiter werden darin informiert, dass sich das BKA bei ihnen melden könnte, wie das "Hamburger Abendblatt" berichtet.

"Solche Schulfahndungen sind nichts Neues, sondern kommen regelmäßig zum Einsatz", sagt BKA-Sprecherin Barbara Hübner zum SPIEGEL. Demnach überprüfe das BKA mehrmals jährlich, ob es Fälle gibt, bei denen eine schulinterne Fahndung sinnvoll sein könnte, weil alle anderen Ermittlungen zu keinem Ergebnis geführt haben. Laut BKA laufen derzeit bundesweit Anfragen an Schulen.

"Das bedeutet zwar einen großen organisatorischen Aufwand, aber schulinterne Fahndungen haben immer wieder zu Erfolgen geführt", so Hübner. Bei schulpflichtigen Opfern sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass Lehrer die Kinder erkennen.

Lehrer sind allerdings nicht verpflichtet, bei der Fahndung zu helfen. In dem Schreiben an die Hamburger Schulleiter heißt es: "Sie als Schulleitung sollten nur Lehrkräfte zur Identifizierung hinzuziehen, die seit längerer Zeit unterrichten, viele Kinder der Schule kennen und die sich das Betrachten der Bilder persönlich vorstellen können."

BKA-Sprecherin Hübner betont, dass sich die Lehrer kein pornografisches Material ansehen müssen. Die Bilder werden demnach so bearbeitet, dass nur ausgewählte Ausschnitte zu sehen sind, beispielsweise das Gesicht des Opfers oder auffällige Kleidungsstücke. Die Kinder werden nicht mit den Fotos konfrontiert.

Letzter Schritt vor der Öffentlichkeitsfahndung

Sollten auch die Ermittlungen an den Schulen erfolglos sein, bleibt eine Öffentlichkeitsfahndung als allerletztes Mittel. Die rechtlichen Hürden dafür sind hoch, weil erst alle anderen Ermittlungsansätze erschöpft worden sein müssen. Zudem sind einmal im Internet veröffentlichte Fotos schwierig aus der Welt zu schaffen.

Außerdem könnte der Aufruf für Täter oder Komplizen eine Warnung sein - und für Nachahmer ein Anreiz, selbst Straftaten zu begehen. In den Richtlinien für Staatsanwälte steht außerdem, dass das Interesse der Öffentlichkeit und die Bereitschaft, Hinweise zu geben, leiden könnte, wenn zu oft öffentlich gefahndet werde.

Anfang Oktober hatte eine Öffentlichkeitsfahndung zum Erfolg geführt: Nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung von Bildern des Opfers konnte die Polizei den sexuellen Missbrauch eines vierjährigen Mädchens aufklären. Der Lebensgefährte der Mutter soll das Kind missbraucht und Fotos davon im Darknet veröffentlicht haben.

"In diesem Fall kam eine Fahndung an Schulen nicht infrage, weil das Opfer noch gar nicht schulpflichtig war", sagt Hübner. Eine Suche an Kindergärten sei schwierig, weil die Zahl der Angebote zu unübersichtlich sei. Zudem gebe es keine Garantie, dass Vorschulkinder in den Kindergarten oder zu einer Tagesmutter gehen.

koe

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