Bonner Burka-Schülerinnen Ministerium sagt Schulbesuch ab

An der Bonner Brecht-Gesamtschule bleiben die beiden in Burkas verhüllten Schülerinnen weiter dem Unterricht fern. Das Bundesfinanzministerium hat deshalb einen geplanten Besuch gestrichen - an der Schule sollten Briefmarken zum Thema "Integration" präsentiert werden.


Auch am Dienstag sind die zwei wegen ihrer Burkas suspendierten muslimischen Schülerinnen der Bonner Bertolt-Brecht-Gesamtschule nicht in der Schule erschienen. Ihre Weigerung, die Ganzkörperschleier abzulegen, hat nun erste Auswirkungen: Wegen des Vorfalls sagte das Bundesfinanzministerium kurzfristig eine Briefmarken-Präsentation an der Bertolt-Brecht-Gesamtschule ab.

Ursprünglich sollte am Dienstag an der Schule eine neue Marke der Europa-Serie zum Thema "Integration" vorgestellt werden. Mit der Absage der Präsentation wolle man dazu beitragen, dass die Schule wieder zur Ruhe komme, hieß aus dem Ministerium. Die rund 1300 Schüler sollten die Gelegenheit haben, ohne öffentlichen Druck über die Ereignisse der letzten Tage zu diskutieren. Ob die Präsentation nachgeholt wird, stand zunächst nicht fest. Die Deutsche Post AG hatte vor zwei Jahren eine Patenschaft für die Schule übernommen.

Am Dienstag erhielt die Schulleitung abermals Unterstützung aus Berlin. "Dass Schülerinnen sich gewissermaßen der Kommunikation verweigern", könne nicht zugelassen werden, sagte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse. Außerdem habe der Direktor gleichzeitig eine Chance für einen Dialog geboten. Der SPD-Politiker hatte den Ausschluss vom Unterricht bereits am Freitag als "richtig und angemessen" begrüßt. Auch Bonns Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann (SPD) und der Zentralrat der Muslime hatten das Auftreten der Schülerinnen kritisiert und die Entscheidung der Schule als konsequent bezeichnet. Die zuständige Bezirksregierung Köln unterstützt das Vorgehen ebenfalls.

Schülerinnen schalteten Anwalt ein

Die beiden 18-Jährigen waren am vergangenen Donnerstag für 14 Tage von der Schule verwiesen worden, weil sie nach den Osterferien überraschend mit Burkas verhüllt zum Unterricht erschienen waren. Da dies bei den Mitschülern und im Lehrerkollegium zu anhaltenden Diskussionen geführt hatte, sah Schulleiter Ulrich Stahnke den Schulfrieden gefährdet. Die Schülerinnen könnten allerdings jederzeit wieder am Schulbetrieb teilnehmen, falls sie auf das umstrittene Gewand verzichteten.

Anzeichen, dass sich der Konflikt legt, gibt es derzeit aber nicht. Es gebe lediglich Signale, dass über Kontaktpersonen mit den Schülerinnen Gespräche über ihr Verhalten geführt werden könnten, sagte Schulleiter Ulrich Stahnke am Dienstag. Er wisse nicht, ob die Oberstufenschülerinnen einlenken wollten. Beide besuchten die elfte Klasse und seien befreundet. Sie haben sich inzwischen einen Anwalt genommen, mit dessen Stellungnahme in den nächsten Tagen gerechnet wird.

Die Familie einer der beiden Schülerinnen sei bei den deutschen Sicherheitsbehörden bekannt, hieß es bei der Bonner Stadtverwaltung. Es gebe Kontakte zur schon früher ins Visier der Sicherheitsbehörden geratenen Fahd-Akademie in Bonn, die von Saudi-Arabien als Schule betrieben wird. Eine gezielte Provokation der Schülerinnen könne nicht ausgeschlossen werden.

Die von den Schülerinnen getragene Burka ist vor allem in Afghanistan und Pakistan verbreitet. Dabei handelt es um ein Stofftuch, das Kopf und Körper der Frau komplett verhüllt. Damit die Trägerin etwas sehen kann, ist im Bereich der Augen ein Schleier oder eine Art Stoffgitter eingesetzt.

cpa/ddp/dpa

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