Männermangel an Grundschulen Guten Morgen, Frau Lehrer

Ein Bremer Pädagoge kämpft gegen den Frauenüberschuss an Grundschulen - und vermittelt männliche Lehramtsstudenten. Für die Jungen und Mädchen ist ein Mann am Pult ein ungewohnter Anblick: Ihren neuen Lehrer sprechen sie oft mit "Frau" an.

DPA

Die Grundschule an der Horner Heerstraße in Bremen ist eine wie viele andere in Deutschland: bunte Wände, Tierbilder, im Foyer eine große Kiste mit Fundsachen - und die Lehrkräfte sind alle weiblich. Mit Ausnahme des Lehramtsstudenten Kristian Bunte. Er leitet die Fußball- und die Theater-AG und hilft den Lehrerinnen beim Unterrichten. Möglich macht das ein bundesweit einmaliges Projekt: Es holt Lehramtsstudenten als männliche Rollenvorbilder an Grundschulen.

Bei 12 bis 14 Prozent liege der Männeranteil unter den Lehrern an den deutschen Grundschulen, sagt der Bremer Erziehungswissenschaftler und Universitätsdozent Christoph Fantini. Auch an den weiterführenden Schulen unterrichten inzwischen immer mehr Frauen. "Eine große Zahl von Kindern geht durch die Bildungsinstitutionen und sieht nicht einen einzigen Mann", sagt Fantini. "Dadurch entsteht bei den Kindern ein eindeutiges Bild: Kümmern ist nicht männlich."

Vor zwei Jahren gründete der Pädagoge deshalb das Projekt "Rent a Teacherman". Übersetzt bedeutet das: Miete einen männlichen Lehrer. 10.000 Euro bekommt Fantini jährlich von der Bremer Bildungsbehörde, dafür stellt er Lehramtsstudenten ein, die er für jeweils zehn Stunden im Monat an Grundschulen verleiht. Zurzeit hat er zehn Mitarbeiter.

"Nur ein Mann zu sein, ist noch keine pädagogische Qualität"

Der 26-jährige Kristian Bunte arbeitet seit eineinhalb Jahren an der Horner Heerstraße. Trotzdem kommt es immer noch vor, dass Schüler den Vollbartträger versehentlich mit "Frau Bunte" anreden - weil sie es einfach nicht gewohnt sind, dass ein Mann vor ihnen steht. "Die Kinder haben mich schon öfter gefragt, wieso ich das mache und ob das zu einem Mann passt", erzählt Bunte. Er selbst habe vor dem Studium auch nie davon geträumt, Grundschullehrer zu werden. Erst nach seinem Zivildienst an einer Schule für geistig behinderte Kinder kam er auf die Idee.

Auch andere Unis wollen mit Praxiserfahrungen aufs Grundschullehramt neugierig machen: Viele Schüler hätten falsche Vorstellungen von der Arbeit an Grundschulen, sagt die Hamburger Pädagogikprofessorin Hannelore Faulstich-Wieland. "Sie sei fachlich zu anspruchslos und im Umgang mit Kindern zu schwierig." Deshalb wollen sie und ihr Team Schülern der 9. Klasse künftig ein Praktikum in Grundschulen vermitteln. Die Hildesheimer Universität organisiert ebenfalls Praktika und Schnuppertage, Lehramtsstudenten informieren an Schulen über ihren Beruf.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft begrüßt Initiativen wie diese. Das Bremer Projekt sieht Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann allerdings kritisch. "Nur ein Mann zu sein, ist noch keine pädagogische Qualität."

In zahlreichen nationalen und internationalen Schultests der vergangenen Jahre schnitten Jungen immer wieder schlechter ab als Mädchen. Oft heißt es, die vielen Lehrerinnen seien dafür verantwortlich. Hoffmann hält das für einen Trugschluss: "Alle Forschungen, die in diese Richtung weisen, hatten einige methodische Schwächen."

In der Fußball-AG fliegen Kristian Bunte an diesem Tag die Bälle um die Ohren: 15 Dritt- und Viertklässler dribbeln im Slalom um Hütchen und schießen aufs Tor, in dem Bunte steht. Nach dem Unterricht wird er wohl noch im Lehrerzimmer vorbeischauen, das an der Grundschule eigentlich Lehrerinnenzimmer heißen müsste, wie Bunte grinsend anmerkt. Er ist es schon von der Uni gewohnt, allein unter Frauen zu sein: In seinem Studiengang kommt auf zehn junge Frauen gerade mal ein Mann.

Irena Güttel/dpa/fln



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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a320cdr 05.01.2015
1. Diese Zustände sind beabsichtigt
dies ist ein Mosaikstein im Masterplan des Genderismus. Was dieser junge Mann tut, ist aller Ehren wert.
FocusTurnier 05.01.2015
2. Nur ein Mann zu sein, ist noch keine pädagogische Qualität
Aha. Aber Frauenquoten in Aufsichtsräten der Wirtschaft sind ok.. Und weil man nicht zugeben möchte, daß man in dieser Hinsicht im Frauenministerium total auf dem Schlauch steht, beharrt man darauf, daß alle Studien, die zu einem unerwünschten Ergebnis kommen, methodisch fehlerhaft sind. Männer sind in der deutschen Familien- und Bildungspolitik obsolet. Wenn man mal einen braucht, kann man sich einen leihen. Gibt's jetzt auch schon für Väter: http://www.welt.de/vermischtes/article135006443/Ein-Leben-als-professioneller-Ersatzvater.html Die Geschlechterpolitik des Frauenministeriums ist eine feministische Bankrotterklärung.
sitiwati 05.01.2015
3. bei uns
an der Grundschule sind 21 Lehrkräfte, davon 18 Frauen, an der Weiterführenden Schule sind der Grossteil von 110 Lehrkräften ebenfalls Frauen, ist mir egal, wenn sie den Kindern ordentlich Lesen, Schreiben, Rechnen beibringen, sich aber sonst aus Erziehung raushalten !
HesaLhaina 05.01.2015
4. @1 +2
Das hört sich so sehr nach Quengeln an, dass es nicht mehr auszuhalten ist.... Wenn Sie sich das nochmal recht überlegen, "Genderismus" ist beileibe ja nun nicht nur, Frauen zu fördern oder wie man das noch nennen möchte, sondern auch, Männer in Berufe reinzubringen, die im Alltag eher weiblich konnotiert sind. Warum verirrt sich denn kaum ein Mann in Schulen , oder meinetwegen auch Pflege, oder auch in eine Position als Sekretär/PA, was werden Männer da, sowohl von Frauen als auch von Männern, scheel beäugt! Fragen Sie doch mal diese Männer, in "typischen" Frauenberufen, wie oft sie gefragt werden, ob sie schwul sind oder ihnen "Weichheit" bescheinigt wird (und als ob das was Schlechtes ist!)... Herrje. Deutschland, komm mal klar - Gendern geht beidseitig.
thomas.b 05.01.2015
5.
Sind das die ersten Blüten der Quote? Selbst, wenn nicht: Geschlecht qualifiziert nicht. Zumindest das wurde offenbar erkannt.
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