Britisches Vorstrafenamt Unschuldige als kriminell eingestuft

Das britische Vorstrafenregister CRB überprüft Bewerber für Schul- und Kindergartenjobs auf eine makellose Vergangenheit. Jetzt schoss die Behörde über das Ziel hinaus: Fast 1500 Unschuldige wurden als gefährlich abgestempelt.


London/Hamburg - Zu Störungen kam es schon 2002: Damals war das britische Criminal Records Bureau (CRB) gegründet worden. Nachdem ein Hausmeister in Verdacht stand, zwei zehnjährige Schulmädchen ermordet zu haben, begann die Privatfirma im Auftrag des Innenministeriums ein neues Vorstrafenregister anzulegen, das alle Personen erfassen sollte, die zur Arbeit mit Kindern oder gefährdeten Erwachsenen nicht geeignet sind.

Binnen kürzester Zeit liefen beim CRB 60.000 unbeantwortete Anfragen auf; und 7000 Lehrer blieben damals bei Schulbeginn ohne Lehrerlaubnis.

Liegt es an der enormen Datenfülle, dass dem Vorstrafenamt nun eklatante Fehler unterlaufen sind? Rund 1500 Menschen wurden fälschlicherweise als kriminell eingestuft, meldet die BBC heute. Der Zeitung "The Mail on Sunday" zufolge sollen deshalb zahlreiche Anwärter auf einen Posten abgelehnt worden sein.

Beim CRB bedauert man die Fehler, betont aber, es handele sich nur um einen winzigen Anteil der insgesamt überprüften Fälle. Man werde sich letztlich nicht für die eigene Vorsicht entschuldigen. Der Erfolg des Dienstes spreche außerdem für sich: Die Zufriedenheit der Kunden sei zurzeit größer denn je.

Die falsche Klassifizierung käme zustande, wenn Polizeicomputer-Daten von bereits verurteilten Personen denen Unschuldiger ähnlich seien oder sogar entsprächen. Ein Sprecher des Innenministeriums betonte: "Die Fälle sind sehr zu bedauern, aber sie stellen eine verschwindenden Anteil dar." 0,03 Prozent der insgesamt neun Millionen Enthüllungen, die der CRB bislang vorweisen kann, sprächen für sich.

dan



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