Bundesagentur für Arbeit 950 neue Berufsberater sollen an Schulen gehen

Tausende Ausbildungsplätze in Deutschland sind unbesetzt. Dennoch wollen die meisten Abiturienten studieren. Die Arbeitsagentur will jetzt gegensteuern - mit fast tausend neuen Berufsberatern.

Junge Frau auf dem Weg zur Agentur für Arbeit (Symbolbild)
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Junge Frau auf dem Weg zur Agentur für Arbeit (Symbolbild)


Persönliche Kontakte für den Imagewechsel: Die Bundesagentur für Arbeit will mehr als 950 zusätzliche Berufsberater in Schulen schicken. Sie sollen vor allem mit Oberstufenschülern der Gymnasien sprechen. Ziel sei es, verstärkt in Richtung Ausbildung zu beraten und damit den Blick auf das Berufswahlspektrum zu erweitern, sagte Agentur-Chef Detlef Scheele.

Bisher entscheiden sich Abiturienten vor allem für ein Studium. Um sie vom Gegenteil zu überzeugen, müssten die Berater die Einstellung der Jugendlichen grundlegend ändern. Die Berufsberater sollen ab dem kommenden Schuljahr eingesetzt werden. Auf sie dürfte viel Arbeit zukommen.

Denn vielen Abiturienten erscheine es als "risikoreiche Verschwendung ihres Bildungsaufwands", wenn sie eine Ausbildung beginnen, für die eigentlich nur ein Hauptschulabschluss nötig ist. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), die der Frage nachgeht, warum Betriebe und Jugendliche nicht mehr zueinanderfinden.

Berater vor großen Herausforderungen

Ein weiteres Problem, vor dem die Berater stehen, sind Vergütung und Arbeitszeit. Laut dem Berufsbildungsbericht des Bundesinstituts für Berufsbildung müssten die Ausbildungsberufe in dieser Hinsicht attraktiver werden, um mehr Azubis zu gewinnen.

Auf der anderen Seite bricht aber auch fast jeder dritte Bachelor-Student wieder ab, wie eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) im vergangenen Jahr ermittelt hat. Auch um Studien- und Ausbildungsabbrecher wolle man sich deshalb stärker kümmern. Die Bundesagentur wolle an der Schnittstelle von der Schule in den Beruf möglichst wenige junge Menschen "verlieren".

Die neuen Kräfte sind auch für eine bessere Beratung von Achtklässlern gedacht - und deren Eltern. Dabei gehe es vor allem um die Mobilitätsförderung, um Bewerber und Ausbildungsplatz besser zusammen zu bringen. "Es ist immer noch ungewöhnlich, dass Jugendliche für eine Ausbildung um- und zu Hause ausziehen - deshalb wollen wir in dieser Hinsicht Eltern und Schüler schon früh und besser aufklären und beraten", sagte Scheele.

Fast 25.000 Bewerber ohne Lehrstelle

Zum ersten Mal seit 1994 gab es im vergangenen Ausbildungsjahr mehr Lehrstellen als Bewerber. Nochunbesetzt waren zum 30. September rund 57.700 Lehrstellen, was einem Plus von 8700 gegenüber dem Vorjahr entspricht. 24.500 Bewerber waren demnach trotzdem unversorgt - 800 mehr als vor einem Jahr. Damit blieben fünf Prozent aller gemeldeten Bewerber ohne Ausbildungsstelle.

Regional betrachtet waren in Süddeutschland, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern sowie im Saarland und in Hamburg deutlich mehr Lehrstellen als Bewerber gemeldet. Im Gegensatz dazu fehlten Ausbildungsstellen in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen.

sun/dpa

insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
scgtef 21.12.2018
1.
Viele Leute wissen nicht, dass ein Handwerksmeister/ eine Meisterin richtig viel Geld verdienen kann. Diese Tatsache sollte in der Gesellschaft verbreitet werden. Berufsberatung alleine reicht aber nicht. Die Praktika an allen Schularten sollten ab der 7./8. Klasse viel häufiger stattfinden. Viele junge Leute kennen kaum Berufe aus eigener Anschauung. Wie soll man da herausfinden, was einem liegt?
zeisig 21.12.2018
2. Höchste Zeit.
Das ist der richtige Weg. Es muß den Schulabgängern gesagt werden, wo die Chancen sind, wo die Zukunft ist, wo Arbeitsplätze gesucht und gut bezahlt sind!
mronkey 21.12.2018
3. Hüh und Hott..
Erst wurden die Anforderungen für das Gymnasium gesenkt, damit die Bildungspolitik sich mit 'Erfolg' brüsten konnten und jetzt sollen die Schülerinnen und Schüler doch nicht den Weg verfolgen, auf den das Abitur eigentlich vorbereitet: das Studium. Das Problem liegt aber noch tiefer: durch das geteilte Schulsystem (was außer DE praktisch kein entwickeltes Land hat) entsteht eine soziale Auslese (vgl. PISA Ergebnisse, OECD) Die Ober- und vor allem die große Mittelschicht schickt ihre Kinder (auch durch die in vielen Bundesländern geltende Wahlfreiheit der Eltern) völlig nachvollziehbar auf das Gymnasium, auch weil ein Aufstieg von der Real- oder Hauptschule 'nach oben' praktisch unmöglich ist... Voila, schon entsteht diese abstruse Situation.. Wer konnte es auch schon ahnen?
sh.stefan.heitmann 21.12.2018
4. Abi macht man nun mal....
... um zu studieren. Wenn ich nicht Studieren will mach ich (nur) das Fachabi weil das für alles Ausbildungen besser geeignet ist als das Abitur.
Plasmabruzzler 21.12.2018
5.
@scgtef Dann erzählen Sie den Interessierten mal, dass ein Meister um die 30.000 EUR kostet und das Hochziehen eines Betriebs auch viel kostet und Zeit sowie Geduld braucht. In der Ausbildung verdient man wenig, beim Meister muss man ordentlich hinlegen und ob bzw. wann man verdient, kann lange dauern. Und Betriebe suchen selten Meister, weil ein Geselle mit bestandener Ausbildereignungsprüfung preiswerter ist. Und den Meisterzwang gibt es für viele Berufe nicht mehr. Dann lieber den Techniker machen oder den Bachelor.
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