Erstwähler im Video Jung, links, optimistisch

Drei Millionen junge Deutsche dürfen bei der Bundestagswahl zum ersten Mal ihre Stimme abgeben. Doch sie werden von der Politik meist ignoriert. Was haben die Jungwähler zu sagen?

Jungwählerin Ana Kirschner in ihrem Elternhaus
Milos Djuric / Der Spiegel

Jungwählerin Ana Kirschner in ihrem Elternhaus


Sie stehen eher links der Mitte, interessieren sich mehr für Politik als oft behauptet wird und blicken optimistisch in die Zukunft. Drei Millionen junge Deutsche dürfen an diesem Sonntag erstmals mitbestimmen, wer das Land in Zukunft regiert. (Lesen Sie hier eine repräsentative Jungwähler-Umfrage von SPIEGEL ONLINE.)

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Heft 39/2017
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Doch von der Politik werden junge Menschen weitestgehend ignoriert. Noch immer sind die älteren Deutschen die mächtigste Wählergruppe. Bei der letzten Bundestagswahl war jeder dritte Wähler 60 oder älter, nur jeder sechste Wähler jünger als 30.

Was aber bewegt junge Menschen in diesen Zeiten? Wie blicken sie auf das Land, die Politik, von welchen Ideen und Idealen lassen sie sich lenken? Im SPIEGEL und auf SPIEGEL ONLINE geben einige von ihnen Antworten.

1. Ana Kirschner, 18, ist vor allem eins wichtig: dass die Partei, die sie wählt, ihre Werte vertritt. Mit ihren Eltern spricht sie häufig über das, was in der Welt gerade passiert. Der Aufstieg der AfD bereitet ihr Sorgen, die Ehe für alle hält sie für eine gute Idee. Das Jahr nach dem Abitur wird sie in Indien verbringen und in der Industriestadt Pune Waisenkinder betreuen. Ihre Stimme hat sie deshalb schon vor Wochen abgegeben: per Briefwahl.

Im Video: "Was haben die Kandidaten mir zu sagen?"

Milos Djuric / Der Spiegel

2. Florian Aderholz, 19, ist zufrieden. Mit Deutschland, mit seinem Leben. Für die Zukunft wünscht er sich zwei Dinge: einen guten Job, und er möchte niemals einsam sein. Seine Stimme vergibt er nach dem Ausschlussprinzip. Nicht alle jungen Menschen wählen aus Überzeugung: er fühlt sich verpflichtet - wegen seiner Lehrerin.

Im Video: "Im Freundeskreis reden wir nur selten über Politik"

Milos Djuric

3. Hélène Siliki, 19, hält Wählen für ein Privileg. Sie darf es nämlich nicht. Zwar ist Siliki in Deutschland geboren, aber ihre Eltern stammen aus Kamerun. Den Bemühungen der Parteien hat sie darum kaum Beachtung geschenkt. Auch sonst ist sie eher desillusioniert: Als normaler Bürger könne man mit seiner Stimme ohnehin nicht viel ausrichten, glaubt sie.

Im Video: "Man muss auch vor Ort was machen"

Milos Djuric

4. Konstantin Peters, 18, hat genaue Vorstellungen, wie sein Leben verlaufen soll. Er will zur Polizei und eine Familie gründen. Obwohl viele seiner Ansichten eher konservativ sind, wird er vermutlich für die Sozialdemokraten stimmen. Wirklich nah ist ihm aber keine Partei. Nur die extremen Parteien sollen auf keinen Fall in den Bundestag kommen.

Im Video: "Jeder soll sich eine eigene Meinung bilden"

Milos Djuric

5. Marvin Franke, 19, verbrachte das zehnte Schuljahr in Finnland. Dort diskutierte er im Philosophieunterricht über den freien Willen, Moral und den Sinn von Eigentum. Seine Zeit im Ausland hat ihm gezeigt, dass die Europäische Union nicht selbstverständlich ist. Er engagiert sich für die FDP, war vor der Bundestagswahl Plakate kleben und hat in der Fußgängerzone mit Passanten diskutiert.

Im Video: "Für Demokratie muss man sich einsetzen"

Milos Djuric

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jon

insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
fire ant 24.09.2017
1. Als ich jung war..
...habe ich auch links gewählt. Das gibt sich aber mit den Jahren. Utopie eignet sich nur bedingt als Vision. Zumal man nie dort ankommt.. Spätestens wenn es um die eigene Rente geht, kommt die Ernüchterung. Zumindest bei denen, die schon länger hier wohnen.
gelegentlicher_spon_leser 24.09.2017
2.
"Sie stehen eher links"? Was heißt das? Das ist doch mittlerweise ein diffuser Brei, so wenig aussagefähig wie "Leitkultur". Mit links im ursprünglichen Sinne "gegen Kapitalismus, für Sozialismus" hat das überhaupt nichts zu tun, allenfalls mit einigen letzten kulturellen Rinnsalen aus der Ecke (die auf das genaue Gegenteil von Solidarität hauslaufen) , mit denen der Kapitalismus bestens leben kann.
spon-facebook-10000523851 24.09.2017
3. Politische Bildung
= "Ich waehle die XYZ Partei, weil die fuer Marijuana sind"................"alles andere ist mir egal".....so ungefaehr sieht's heute aus. Anscheinend war man bei den Jungwaehlerinterviews auch ein wenig selektiv und hat sich die Besseren ausgesucht. Sicherlich nicht repraesentativ fuer die Jungwaehlerschaft.
wahrsager26 24.09.2017
4. Als Spiegelabonnent
habe ich den Bericht gelesen.Was auffällt: Sämtliche Ansichten werden vom Elternhaus bzw. der Schule entlehnt.Was wohl fehlt: Betrachtungen über Folgen, die ja unser Tun eigentlich immer begleiten.Kein Wort davon zu hören.Vermutlich müssen die jungen Herrschaften mal im Leben stehen.Sich in weißer Hose als behütete Tochter auf das Rad zu schwingen ...alles gut.....wir aber Papis Lebensstandard auch erreicht werden?
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