Bundestagswahl Was wäre, wenn nur Teenager wählen dürften?

Komm, wir tun so, als ob: Kommende Woche geben eine Million Jugendliche deutschlandweit ihre Stimme ab - so viele wie noch nie. Die Ergebnisse der vergangenen Juniorwahlen zeigen, wie 15- bis 17-Jährige ticken.

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Getty Images/Westend61

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Von und (Grafik)


Die 61,5 Millionen Menschen, die am Sonntag in einer Woche über den neuen Bundestag abstimmen können, sind mindestens 18 Jahre alt. Mehr als die Hälfte von ihnen - 56,1 Prozent - sind sogar deutlich älter, nämlich über 50 Jahre alt. Nur 15,4 Prozent der Wahlberechtigten sind 18 bis 30 Jahre alt.

Das heißt: Was junge Wähler möchten, fällt weniger stark ins Gewicht. Und kaum beachtet wird, was sich junge Menschen politisch wünschen, die noch sehr viel Zukunft vor sich haben. Die noch zur Schule gehen, noch bei den Eltern wohnen. Die ihr eigenes Leben gerade noch in der Theorie planen.

Dabei sind mitnichten alle Teenager und jungen Erwachsenen so gleichgültig, wie Kritiker gern behaupten. Laut jüngster Shell-Jugendstudie von 2015 ist das politische Interesse bei den 12- bis 25-Jährigen in Deutschland zuletzt sogar gestiegen. Immerhin 41 Prozent bezeichnen sich selbst als "politisch interessiert". Und dem Mainzer Politikprofessor und Wahlforscher Thorsten Faas zufolge kann auch die Verantwortung, wählen zu dürfen, zu einem größeren Engagement führen: "In dem Moment, in dem junge Menschen wählen dürfen, steigt ihr Interesse."

Seit mehr als 20 Jahren geben zwei bundesweite Projekte auch Kindern und Jugendlichen eine Stimme: die U18- und die Juniorwahl. Die Juniorwahl verzeichnet in diesem Jahr eine Rekordbeteiligung: Laut den Veranstaltern nehmen 3500 Schulen bundesweit teil. Zwischen dem 18. und 22. September gehen demnach eine Million Jugendliche - die meisten zwischen 15 und 17 Jahre alt - an die Wahlurne. Die Ergebnisse werden ebenfalls am Wahlsonntag um 18 Uhr veröffentlicht.

Mit der Juniorwahl möchte Gerald F. Wolff "es bei jungen Menschen zur Normalität werden lassen, wählen zu gehen". Denn: "Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit." Wolff hat 1999 die Juniorwahl ins Leben gerufen, seitdem findet sie zu Landtags-, Bundestags- und Europawahlen statt. Er weiß: "Wer einmal wählen gegangen ist, tut dies wahrscheinlich wieder. Und wer dreimal gewählt hat, wählt in der Regel für den Rest seines Lebens."

Und: Wählen steckt an. "Studien zeigen, dass auch die Wahlbeteiligung der Eltern steigt, wenn die Kinder an einer solchen Aktion teilnehmen. Durchschnittlich um vier Prozent, teilweise bis neun Prozent, vor allem bei sozial schwachen Familien", sagt Wolff. Weil Politik es über die Kinder an den Küchentisch schafft.

Doch welche Parteien favorisieren die Jugendlichen? Sehen Sie in unserer Grafik, wie Juniorwähler bei den vergangenen vier Bundestagswahlen abgestimmt haben - und wie die Wahlen tatsächlich ausgegangen sind:

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Was fällt an den Ergebnissen auf?

Jugendliche wählen häufiger SPD und die Grünen als der Rest der Bevölkerung. "Wir sehen generell, dass bei jungen Menschen Trends, die eine Wahl insgesamt prägen, häufig besonders deutlich zutage treten. Sie sind einfach weniger an Parteien gebunden und daher in ihrem Wahlverhalten volatiler", sagt Wahlforscher Faas. Den Parteien misstrauen laut Shell-Studie tatsächlich viele: Der Aussage "Politiker kümmern sich nicht darum, was Leute wie ich denken" stimmten 69 Prozent der 12- bis 25-Jährigen zu.

In ihren Präferenzen würden sich die Jugendlichen, sagt Juniorwahl-Initiator Wolff, hingegen nicht stark von den Erstwählern unterscheiden. Allerdings: "Die Schüler wählen weniger extrem als die Erstwähler." Lesen Sie hier Protokolle von zwölf Erstwählern, in denen sie verraten, welcher Partei sie am ehesten zutrauen, ihre Ideen umzusetzen.

Dass junge Menschen sehr extrem wählen würden, wird häufig als Argument gegen die Forderung genutzt, das Wahlalter auf 16 herabzusetzen. Wissenschaftler sehen das anders: "Aus der Perspektive politischer Bildung spricht vieles für eine Herabsetzung des Wahlalters", sagt Michael May, Professor für Didaktik der Politik an der Universität Jena. "Jugendlichen wird signalisiert, dass sie ernstgenommen werden und ihre Meinung gehört wird."

Dafür müsse aber das Thema kontinuierlich in Schulen stattfinden, etwa durch zwei Stunden Sozialkunde wöchentlich ab der siebten Klasse. Das sieht auch Wolff so: "Nur das Wahlalter zu senken, bringt nichts. Die politische Bildung ist wichtig."

Mit Material von dpa

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Seite 1
bamesjond0070 16.09.2017
1. Ich werde niemals eine Partei wählen
die sich gegen das Wählen ab 16 einsetzt. Auch das Argument, Jugendliche würden extremer wählen, ist selbst wenn es stimmen würde mehr als fragwürdig. Können wir dann nicht gleich alle ausschließen, deren Wahlverhalten uns nicht passt? Und haben wir nicht in DE eine lange Geschichte an Staatsformen, die genau das unterstützt hätten? Was hier geschieht ist Unterdrückung und wer sich gegen Wahlen ab 16 einsetzt hat 1. Demokratie nicht verstanden 2. ihr absichtlich geschadet und darf sich dann auch nicht beschweren, wenn die Menschen sich weniger für Politik interessieren. Martin Schulz sagte ua. dazu, Frau Merkel begehe einen "Anschlag auf die Demokratie" was er mittlerweile leider wieder zurückgenommen hat, dem ich aber unter alle Zuständen zustimmen kann. Der Verfassungsschutz zerstört nach und nach den Datenschutz und Millionen Deutscher, die bis zum Rest ihres Lebens gezwungen sind, damit zu leben, dürfen nichts dagegen tun. Interessante Interpretation von Freiheit.
nurEinGast 16.09.2017
2. ich werde niemals niemals sagen
bin aber gegen ein Wahlrecht für 16jährige. Denen fehlt einfach die Lebenserfahrung, die können nur das einordnen, was ihnen "in" erscheint oder wo ihnen die Werbung gefällt. Sieht man ja sehr schön an den Werten. 2013 waren die Piraten der geheime "In-Tipp". Die anderen, die sich letztlich auch nur als Eintagsfliege entpuppten. Und der grosse Anteil an SPD und CDU-Wählern offenbart auch nur Unwissenheit. Die wissen halt einfach nichts über die unselige Vergangenheit der SPD und die Gründe, warum die keiner mehr ernst nimmt- Randgruppen und Promis mal ausgenommen. Unterm Strich bleibt: Lasst die Jugend erstmal Lebenserfahrung sammeln und betraut sie dann mit solch wichtigen Entscheidungen. Alles andere ist unseriöser Blödsinn
d58378 16.09.2017
3.
Zitat von bamesjond0070die sich gegen das Wählen ab 16 einsetzt. Auch das Argument, Jugendliche würden extremer wählen, ist selbst wenn es stimmen würde mehr als fragwürdig. Können wir dann nicht gleich alle ausschließen, deren Wahlverhalten uns nicht passt? Und haben wir nicht in DE eine lange Geschichte an Staatsformen, die genau das unterstützt hätten? Was hier geschieht ist Unterdrückung und wer sich gegen Wahlen ab 16 einsetzt hat 1. Demokratie nicht verstanden 2. ihr absichtlich geschadet und darf sich dann auch nicht beschweren, wenn die Menschen sich weniger für Politik interessieren. Martin Schulz sagte ua. dazu, Frau Merkel begehe einen "Anschlag auf die Demokratie" was er mittlerweile leider wieder zurückgenommen hat, dem ich aber unter alle Zuständen zustimmen kann. Der Verfassungsschutz zerstört nach und nach den Datenschutz und Millionen Deutscher, die bis zum Rest ihres Lebens gezwungen sind, damit zu leben, dürfen nichts dagegen tun. Interessante Interpretation von Freiheit.
Ich stimme Ihnen nicht zu. Der verantwortungsvolle Umgang mit einem Werkzeug von derartiger Tragweite wie die Demokratie sollte nicht an Leute gereicht werden, die noch nicht in der Lage sind die Tragweite ihrer Entscheidungen langfristig einzuschätzen. Es mag ausnahmen geben und genau so mag es auch ältere geben die das nicht können, aber es muss eine Grenze geben. Schaut man sich allerdings aktuelle Studien an, die zeigen das das "Erwachsenwerden" also das Erwerben von Reife heutzutage bis um das 30. Lebensjahr andauern kann während es noch vor zwei Generationen bei einem Alter von 20 einen vergleichbaren Reifegrad erreicht hat wäre eine Absenkung des Wahlalters ein bedenklicher Schritt. Schauen Sie doch selbst hier im Spiel mal nach den Artikeln zu den Generationen X & Y. Ich nehme ebenso an das Herr Schulz den Irrsinn seiner Idee noch rechtzeitig erkannt hat.
Kit Kerber 16.09.2017
4.
Brauchen wir einen U18-Bundestag? (Wie im Fußball: U21.) Im Prinzip spricht nichts dagegen, nur über die Kompetenzen müßte man sich einigen. Worüber darf das U18 beschließen? Kann es nur eigene Untersuchungsausschüsse einrichten oder darf es auch eine eigene Kanzlerin wählen? Wo ist der Sitz des U18? Bekommen die Jung-Abgeordneten lebenslange Pensionen? - Es sind viele Fragen offen, aber klar ist: junge Wähler haben ein Recht auf faire Repräsentation.
RamBo-ZamBo 16.09.2017
5. asdf
Jugendliche würden meist ziemlich links wählen. Solange man kein eigenes Geld verdienen muss verständlich. Außerdem werden den Kindern heute in den Schulen und anderen Institutionen sehr linke Meinungen vermittelt, weil in diesen Berufen Menschen aus dem linken Spektrum überrepresentiert sind. Der staatlich geförderte Kampf gegen Rechts tut sein übriges. Und Rechts beginnt für viele Schüler kurz vor der FDP. Ging mir als Abiturient auch so. Später wird dann die Meinung differenzierter. Hoffentlich verhindern das die heutigen Filterblasen links wie rechts nicht.
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