Kritik der Linken Bundeswehr intensiviert Werbung an Schulen

Antreten im Klassenzimmer: Soldaten werben immer häufiger an Schulen für die Bundeswehr. Die Linke wittert dahinter perfide Rekrutierung.

Soldat an einem Gymnasium in Baden-Württemberg
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Soldat an einem Gymnasium in Baden-Württemberg


Die Bundeswehr macht immer mehr Rekrutenwerbung an Schulen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor, die der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vorliegt. Demnach erreichte die Bundeswehr allein im vergangenen Jahr insgesamt mindestens eine halbe Million Jugendliche - die meisten von ihnen während des Unterrichts etwa bei Vorträgen, Podiumsdiskussionen oder Seminaren. Das sind 9,6 Prozent mehr als noch 2016.

Allein bei Vorträgen im Schulunterricht sprachen sogenannte Jungoffiziere mit fast 120.000 Schülern - zumeist an Gymnasien. Hinzu kommen zahlreiche weitere Veranstaltungen wie Jobmessen oder Projekttage, bei denen die Bundeswehr schätzungsweise etwa 370.000 Jugendliche erreichte - ein sattes Plus von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein das Personal für die Werbemaßnahmen kostete die Bundeswehr 31 Millionen Euro.

Bei den Vorträgen erklären die Jungoffiziere den Schülern beispielsweise die Aufgaben der Bundeswehr und informieren über Sicherheitspolitik sowie Auslandseinsätze. Die Linken kritisieren die Maßnahmen als Propaganda auf dem Schulhof, um das Nachwuchsproblem zu lösen.

Die Linken-Abgeordneten Ulla Jelpke sprach von einer "Riesensauerei". An Schulen solle es Wissens- und Wertevermittlung geben. "Militärpropaganda hat dort nichts zu suchen." Es sei besonders perfide, dass das Lehrpersonal dabei eingebunden werde. "Das untergräbt die gebotene politische Neutralität der Schulen", kritisiert Jelpke.

Das Verteidigungsministerium streitet dagegen ab, Schulen für militärische Werbung zu missbrauchen: "Aktivitäten der Bundeswehr sind keine Maßnahmen der Militarisierung", hieß es.

Bereits im Jahr 2016 hatten die Aktivitäten der Bundeswehr an Schulen zugenommen, auch an Kindergärten sind Vertreter der Truppe bereits aktiv. Gleichzeitig steigt die Zahl der minderjährigen Rekruten.

Seit die Wehrpflicht in der Bundesrepublik 2011 ausgesetzt wurde, muss die Bundeswehr verstärkt aktiv um Rekruten werben. Dass sie dabei gezielt an Schulen geht, kritisiert auch die Lehrergewerkschaft GEW immer wieder. "Die Bundeswehr zeigt sich an Schulen als normaler Arbeitgeber, wie jeder andere. Das ist sie aber nicht - die Gefahren oder beispielsweise posttraumatische Störungen der Soldatinnen und Soldaten werden nicht erwähnt", sagte Martina Schmerr von der GEW im Januar vor der Kinderkommission des Bundestags.

Werbung mit Heldenkult?

Und auch andere Werbemaßnahmen der Bundeswehr sind seit Längerem umstritten. 2014 hatte die Bundeswehr beispielsweise auf der Seite des Jugendmagazins "Bravo" für ein "Adventure Camp" der Luftwaffe in Sardinien geworben. Kinderrechtsaktivisten waren entsetzt. Sie kritisierten: Die Bilder von Sonne, Strand und Meer hätten rein gar nichts mit der Realität eines Militäreinsatzes zu tun.

Umstritten sind auch die YouTube-Serien der Bundeswehr "Die Rekruten", "Mali"und "Biwak", in denen Soldaten im Reality-Show-Format von ihrem Berufsalltag berichten. Kritiker beschwerten sich beispielsweise über die US-amerikanische Aufmachung der Serien, die an Heldenkult erinnere.

Im Video: Soldaten gesucht - Schnuppertage beim Bund

Deutsche Welle

koe/mamk/AFP/dpa



insgesamt 104 Beiträge
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Seite 1
MisterD 25.05.2018
1. Was haben wir denn erwartet?
Eine Berufsarmee ohne Wehrdienst kann nur auf einem einzigen Weg rekrutieren und zwar durch massive Werbung. Wem das nicht passt, der soll sagen wo die Bundeswehr sonst noch Leute finden soll oder die Wehrpflicht wieder einführen. Kann mir mit 35 ja mittlerweile egal sein...
dasfred 25.05.2018
2. Früher wäre ich auch skeptisch gewesen
Heute sehe ich das nicht mehr so verbissen. Jugendliche haben heute nahezu unendliche Informationsquellen. Da geht nicht Einer nur wegen eines Vortrags zum Bund. Wenn es den Lehrern nicht gefällt, haben sie doch eine ideale Diskussionsgrundlage. Die Bundeswehr muss sich ja nun den Nachwuchs auf dem freien Markt beschaffen. Da sollte man zumindest die Möglichkeit zur Werbung lassen. Es gibt ja nun auch schon immer junge Leute, die von sich aus Interesse mitbringen und wenn der Beruf nun gar nicht geeignet ist, kann man im Gegensatz zu früher nach ein paar Wochen kündigen.
Leser161 25.05.2018
3. Ja und?
Die Bahn macht auch Werbung. Da sehe ich auch immer nur fröhliche Leute, die es lieben Bahnschienen durchzuflexen. Die Realität dürfte anders aussehen. Auch die Polizei macht Werbung. Auch bei der Polizei kann man verletzt werden. Man sollte gegen Krieg sein. Man kann gegen eine Armee sein. Aber solange wir eine haben und solange sie auf menschliche Soldaten angewiesen ist, darf sie halt auch versuchen welche zu bekommen ohne das das ein moralisches Problem ist.
nixkapital 25.05.2018
4. ....
Zitat von Leser161Die Bahn macht auch Werbung. Da sehe ich auch immer nur fröhliche Leute, die es lieben Bahnschienen durchzuflexen. Die Realität dürfte anders aussehen. Auch die Polizei macht Werbung. Auch bei der Polizei kann man verletzt werden. Man sollte gegen Krieg sein. Man kann gegen eine Armee sein. Aber solange wir eine haben und solange sie auf menschliche Soldaten angewiesen ist, darf sie halt auch versuchen welche zu bekommen ohne das das ein moralisches Problem ist.
Na ja, es gibt ja wohl noch einen Unterschied zur Bahn und zur Polizei, oder? So lange die Berliner Regierung meint, sie muss auf internationalem Parket eine Nummer spielen und ihrer "gestiegenen Verantwortung" aus dem bequemen Regierungssitz heraus dadurch Ausdruck zu verleihen, die Gesundheit und das Leben junger Menschen zu gefährden, bin ich gegen eine Bundeswehr in der Form. Für die reine Landesverteidigung innerhalb unserer Grenzen wäre ich noch zu gewinnen. Sind die Kinder der Frau von der Leyen eigentlich bei der BW? Wäre ja mal interessant zu erfahren.
nixkapital 25.05.2018
5. Na ja....
Zitat von MisterDEine Berufsarmee ohne Wehrdienst kann nur auf einem einzigen Weg rekrutieren und zwar durch massive Werbung. Wem das nicht passt, der soll sagen wo die Bundeswehr sonst noch Leute finden soll oder die Wehrpflicht wieder einführen. Kann mir mit 35 ja mittlerweile egal sein...
Angesichts der Beihilfe zur Zuspitzung einiger Krisen durch das "Fachpersonal" in Berlin zeigt sich wohl auch ein "Fachkräftemangel" im Militärischen. Es ist halt nicht mehr so einfach, junge Menschen dafür zu gewinnen, diplomatisches Versagen mit dem berufsmäßigen Opfern des eigenen Lebens zu bezahlen.
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