"Zwölf Stämme" Sektenaussteiger bekommen ihre Kinder zurück

Nachdem eine Familie die fundamentalistische Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" verlassen hat, durften die Kinder zu ihren Eltern zurückkehren. Sie waren zuvor wegen Prügelvorwürfen in Pflegefamilien untergebracht gewesen.

Klosterzimmern in Bayern: Hier ist die christliche Sekte "Zwölf Stämme" zu Hause
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Klosterzimmern in Bayern: Hier ist die christliche Sekte "Zwölf Stämme" zu Hause


In den Fall der christlichen Sekte "Zwölf Stämme" im bayerischen Klosterzimmern ist Bewegung gekommen: Eine der Familien, denen im September das Sorgerecht entzogen worden war, ist wieder mit ihren Kindern vereint. Die Eltern hatten zuvor die urchristliche Glaubensgemeinschaft verlassen, berichtet der Bayerische Rundfunk.

Eines der beiden Kinder konnte demnach bereits Anfang März, das andere in den Osterferien zurück zu den Eltern, nachdem das Familiengericht im Rahmen der Hauptverhandlung so entschieden hatte. Die Eltern hätten sich als Aussteiger von der Prügelerziehung der "Zwölf Stämme" distanziert, sagte ein Sprecher des Gerichts. Über weitere Sorgerechtsfälle werde noch verhandelt, Entscheidungen könnten in den kommenden Wochen fallen.

Prügel als Erziehungskonzept

Nach Prügelvorwürfen waren im September 2013 rund 40 minderjährige Kinder der Glaubensgemeinschaft von Jugendamt und Polizei befreit und bei Pflegefamilien und in Heimen untergebracht worden. Immer wieder kam es zu juristischen Auseinandersetzungen zwischen den "Zwölf Stämmen" und dem Staat - nicht nur wegen der Schläge, sondern auch, weil die Eltern ihre Kinder nicht in öffentliche Schulen gehen ließen. Der Antrag der Gruppe, eine Privatschule einzurichten, wurde abgelehnt. Bereits 2004 waren sieben Väter wegen Missachtung der Schulpflicht zu Gefängnisstrafen verurteilt worden.

Dass Kinder in der Glaubensgemeinschaft körperlich gezüchtigt worden sind, hatten die Eltern nach BR-Angaben auch öffentlich eingeräumt und für ihr Erziehungskonzept geworben. Für Aufsehen sorgten heimlich gedrehte Filmaufnahmen, die zeigten, wie Kinder in einen dunklen Raum geführt und dann mit einer Rute verprügelt wurden.

Der Film war im Januar auch in einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Nördlingen gezeigt worden. Dort wurde eine Mutter wegen Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung und zu 180 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Eine zweite Mutter wurde zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit und einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt, ebenfalls auf Bewährung.

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Urchristen "Zwölf Stämme": Erziehung unter Schmerzen

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mtjh 21.04.2015
1. nur die Väter wurde verurteilt?
Im Text steht, nur die Väter wurden wegen der Verletzung der Schulpflicht verurteilt. Warum nicht die Mütter? Waren die schuldlos in dieser Frage?
spon_3004971 23.04.2015
2. da ham wa es wieder
sekten aus den usa, so so... bloß ab wann ist eine glaubensgemeinschaft eine sekte?`wenn sie über 15% extremistisch wirkt? oder gar über 75 wie bei der "kirche"? religion ist dem freien menschen eine behinderung in seiner entfaltung. relgion tötet und verhindert. deshalb : ABSCHAFFEN!
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