Digitale Schule in Dänemark Schlagt die Rechner auf!

Digital ist besser, findet die Leitung des Ørestad-Gymnasium in Kopenhagen. Seit dem neuen Schuljahr wird der erste Jahrgang vollkommen ohne Papier unterrichtet, stattdessen nutzen die Schüler ihre Laptops. iPads haben die Schüler entnervt zurückgegeben.

Von Lisa Srikiow, Kopenhagen

Lisa Srikiow / Ørestad Gymnasium

Bücher oder Hefte, selbst Stifte sind im Klassenzimmer nicht zu sehen. Alles, was die 26 Schüler des Mathematikkurses am Ørestad-Gymnasium brauchen, sind Kopfhörer und Laptops, auf denen sie sich ein kurzes Erklärvideo mit der heutigen Lektion ansehen.

Die digitale Dozentin erläutert darin lineare Funktionen, während Mathe-Lehrer Ali Qais den Beamer einschaltet. Er möchte mit den Schülern noch eine Beispielaufgabe lösen, bevor sie selbstständig mit ihrer Mathematik-Software arbeiten.

An das Computerprogramm müssen sich die Gymnasiasten noch gewöhnen. Dabei passt der digitalisierte Unterricht zum Schulkonzept der staatlichen Schule in Kopenhagen. Die Jugendlichen sollen lernen, selbst die Initiative zu ergreifen. Das jüngstes Projekt hat in Dänemark für besondere Aufmerksamkeit gesorgt: Die Schule will zu 100 Prozent digital werden.

Laptop? Hat doch jeder

Qais Klasse ist die erste, die an dem Experiment teilnimmt. Weil dänische Kinder die ersten neun Schuljahre zunächst gemeinsam auf die Folkeskole gehen und dann erst auf ein Gymnasium wechseln können, sind die meisten Schüler bereits zwischen 16 und 19 Jahre alt.

Egal ob Unterricht, Hausaufgaben oder Klassenarbeiten - Ravi Pal Singh, 16, erledigt inzwischen alles an seinem Laptop. Mit der Software kommt Ravi gut klar, mühelos passt er mit ein paar Klicks die Größe des Graphen an. Dieser Komfort ist jedoch nicht der größte Vorteil für ihn: "Für mich zählt vor allem, dass ich weniger schleppen muss - und trotzdem immer alles dabei habe."

Gesponsert werden die digitalen Klassen nicht, weder durch die Regierung noch durch große Unternehmen. Die Schüler müssen ihre Laptops selbst bezahlen. Wer sich keinen eigenen Computer leisten kann, hat die Möglichkeit, sich bei einem Hilfsfonds der Schule zu bewerben. Für das Unterrichtsmaterial, also eBooks, Software-Lizenzen oder die Nutzung einer Mediendatenbank, kommt die Schule auf. Sie zahlt dabei etwa 40 Euro pro Schüler im Jahr. In drei Jahren soll die ganze Schule ohne Bücher und Papier arbeiten.

"Wir haben uns nicht bloß mit modernen Geräten ausstatten lassen"

Ravis Mitschüler haben inzwischen den Klassenraum verlassen, um ihre Mathe-Aufgaben zu bearbeiten. Im Ørestad Gymnasium sollen die Jugendlichen aufeinander zugehen und sich gegenseitig inspirieren. Deshalb gibt es kaum geschlossenen Räume, sondern viel Platz, damit sie sich frei bewegen können.

Kein Wunder also, dass die 2005 eröffnete Schule sehr beliebt ist. Wer auf das Gymnasium darf und wer nicht entscheidet eine Kommission der Stadt. In diesem Jahr mussten 100 Schüler abgelehnt werden, mit 1200 Schulkindern hat das Gymnasium seine Grenze erreicht.

Die Arbeitsatmosphäre hat mit den meisten Schulen in Deutschland wenig gemein: Die Schüler arbeiten an Tischgruppen oder Sofaecken, die im ganzen Gebäude verteilt sind, die Arbeitsformen wechseln ständig. Mal beschäftigen sie sich allein, mal lösen sie die Aufgaben in Gruppen. Frontalunterricht gibt es fast gar nicht. "Für uns sind die Laptops deshalb ein sinnvolles Unterrichtsmittel", sagt Schulleiter Allan Kjær Andersen. "Außerdem glauben wir, dass die Lernprozesse und das Unterrichtsmaterial für die Schüler so interessanter werden."

Tatsächlich kann sich jeder Schüler sein eigenes Lerntempo aussuchen: Ob er sich das Tutorial am Laptop nun ein- oder fünfmal ansieht, ist ihm überlassen. Das Material für das Software-Programm haben die Lehrer jeder Fachrichtung über fünf Jahre gesammelt und versucht, die Übungsaufgaben an die Lebenswelt der Schüler anzupassen. Lehrer Qais rechnet mit ihnen zum Beispiel die günstigsten Handytarife aus. "Wir haben beim Inhalt angefangen und uns nicht bloß mit modernen Geräten ausstatten lassen", sagt Schulleiter Andersen.

iPads waren ungeeignet

Einen kleinen Rückschlag musste das Gymnasium bei seiner digitalen Offensive bereits hinnehmen: Sechs Monate lang testeten zwei Klassen im Unterricht iPads. "Wir dachten, die Schüler würden ganz aus dem Häuschen sein wegen der Tablets - allerdings stellte sich heraus, dass sie ihre normalen Laptos bevorzugen", sagt Andersen. Mikael Hangbølle, 17, erinnert sich: "Mit dem iPad kann man kaum schreiben. Jedes Mal, wenn wir einen längeren Text verfassen sollten, wurde es schwierig." Außerdem funktionierte die Mathe-Software auf den schicken Tablets nicht. Die Ørestad-Schule packte die Computer wieder in die Schublade.

Für Qais bedeutete der Unterricht mit Computern zunächst einmal mehr Arbeit. Bis sich jeder mit der Software zurechtfand, dauerte es in der Klasse einige Zeit. Inzwischen ist er von dem neuen Unterrichtskonzept überzeugt und empfindet sich mehr als Berater, der seine Schüler individuell unterstützt. "Durch die Digitalisierung rede ich viel mehr mit den Schülern. So erkenne ich gleich, ob sie den Rechenweg verstanden haben", sagt Qais. Er ist davon überzeugt, dass die Rolle des Lehrers sich in den nächsten Jahren überall so entwickeln wird.

Facebook lenkt noch ab

Allerdings ist persönliche Eins-zu-Eins-Betreuung für Qais auch eine wichtige Möglichkeit, sicherzugehen, dass seine Schüler bei der Sache bleiben. Alle Rechner am Schulnetzwerk haben freien Zugang zum Internet, die Lehrer müssen also permanent sicherstellen, dass die Schüler nicht ziellos surfen. "Die Versuchung ist groß, vor allem durch Facebook", sagt Mikael. Auch im Qais' Mathe-Kurs gucken die Schüler immer wieder auf ihre Profile in dem sozialen Netzwerk. Dagegen helfe nur, den Unterricht anders zu organisieren, erklärt Qais. Die Schüler müssten sich gegenseitig kontrollieren, eng getaktete Abgabetermine sollen dabei helfen.

Schulleiter Andersen vertraut außerdem auf die Reife der jungen Erwachsenen. Für Grundschulen seien iPads oder Computer aus dem Grund auch kaum geeignet, findet Andersen. Bei allem Hightech am Ørestad-Gymnasium steht eins fest: Lineare Funktionen bleiben für Mathe-Schüler komplizierter Stoff - auch mit allgegenwärtigen Computer.

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insgesamt 67 Beiträge
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Seite 1
Aase 03.10.2012
1. Passt zur sozialen Kälte in Dänemark
Lernen ohne das Herstellen von Zusammenhängen. Das passt zur sozialen Kälte in Dänemark und zu dem Ich-Ich-Ich-Gehabe. Richtig recherchiert hat die werte Lisa Srikiow nicht. Der Bericht (die PR?) ist zu einseitig; hat Schlagseite.
vince_1 03.10.2012
2. Interessante Initiative
Das sehe Ich komplett anders. Ich habe über einen langen Zeitraum in Dänemark studiert und hierbei den engen und sozialen Umgang mit den Professoren kennen und schätzen gelernt. Von "sozialer Kälte" keine Spur. In Deutschland ist es wahrscheinlicher dass ein Montag auf einen Dienstag fällt, bevor mir mein Prof mal auf eine simple Email antwortet. Kein Wunder, denn mit 260 Studenten hat das mit sozialer Bindung nichts zu tun...
Hajojunge 03.10.2012
3. Die Kinder haben den iPad entzaubert
Er scheint höchstens als Spielzeug zu taugen. Eine Erfahrung, die auch viele Erwachsene gemacht haben. Zum produktiven Arbeiten taugt er nicht, wie andere Tablets auch. Der ganze Hype ist völlig überzogen.
greentiger 03.10.2012
4. Konsumgerät
Zitat von sysopLisa Srikiow / Ørestad GymnasiumDigital ist besser, findet die Leitung des Ørestad-Gymnasium in Kopenhagen. Seit dem neuen Schuljahr wird der erste Jahrgang vollkommen ohne Papier unterrichtet, stattdessen nutzen die Schüler ihre Laptops. iPads haben die Schüler entnervt zurückgegeben. http://www.spiegel.de/schulspiegel/daenemark-digital-am-orestad-gymnasium-wird-ohne-papier-unterrichtet-a-858526.html
Ich wusste bisher nicht, was ich mit einem Tablett-PC eigentlich anfangen soll, weil ich laufend eine Tastatur brauche. Ich hielt und halte diese Dinger für Konsum-Geräte, auf denen man zwar auch ein wenig Mails oder so etwas schreiben, aber ansonsten hauptsächlich etwas ansehen oder anhören kann.
ecowin 03.10.2012
5. Leider falsch, denn...
...es gibt sehr wohl Tablet Pcs, vor allem mit Windows (nein, nicht die neuen Windows 8RT Geräte), die es erlauben, damit produktiv zu arbeiten! Dank präziser und intuitiver Stiftbedienung und ohne großes mediale aufgebauschten Schnickschnack! Fragen Sie mal an technischen Hochschulen nach, da sind Convertibles und bald auch Slates verbreitet, vorrausgesetzt Hochschule und/oder Studenten können es sich leisten...
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