Datensammelwut Australischer Bundesstaat will gläserne Schüler

Fotos, Kontaktdaten, Notizen zu Verhalten und Berufswunsch - Queensland erfasst fast 480.000 Schüler in einer zentralen Datenbank. Sicherheitsexperten sind entsetzt. Sie befürchten, dass Hacker das Portal knacken oder pädophile Lehrer dort auf Kindersuche gehen könnten.


Die Regierung des australischen Bundesstaates Queensland bastelt sich eine voluminöse Datenbank: Bis zum Jahresende sollen die Personendaten aller 480.000 Schüler von der Vorschule bis zum 12. Jahrgang in einem zentralen Intranet-Portal gespeichert werden. Die Behörden durchleuchten die Kinder und Jugendlichen detailliert. Neben einem Foto des Schülers werden auch seine Berufswünsche, außerschulischen Aktivitäten und Schulnoten erfasst.

Daten-Wunderland: Infos über halbe Million Schüler auf Halde
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Die Datenbank mit dem Namen OneSchool ist nach Angaben der Organisation Education Queensland bereits in zahlreichen Schulen im Einsatz und umfasst bisher 180.000 Schüler von 637 Schulen. Jedes Jahr sollen nach den Plänen der Regierung neue 80.000 Schüler hinzukommen.

Das Portal ist nicht frei über das Internet zugängig, sondern nur über ein schulinternes Intranet. Es steht ausschließlich Lehrern und Schulleitern offen. In der ersten Sammelwelle wird die Kartei bis Dezember unter anderem mit Kontaktdaten, Zeugnissen, Anwesenheitslisten sowie Notizen zum Verhalten des Schülers und seinen beruflichen Zielen gefüttert.

Was aber, wenn Eltern finden, dass ihre Kinder sich nicht von der Regierung durchleuchten lassen müssen? Sie können sich auf handfesten Knatsch einstellen: Bildungsminister Rod Welford hat drakonische Strafen für Eltern angekündigt, die sich weigern, Details zu ihren Kindern übermitteln. Sie sollen von öffentlichen Bildungsangeboten ausgeschlossen werden, sagte Welford.

Strafen für Kinder, deren Eltern nicht mitmachen

Er findet OneSchool prima: Das System verbessere sogar die Datensicherheit, denn bisher würden die Schülerdaten teils auf Papier, teils auf Schulrechnern aufbewahrt - und das sei ja nun nicht so sicher und effizient wie das Schülerverzeichnis, so Welford.

Die Bedenken von Eltern teilen auch Sicherheitsexperten. Sie kritisieren schon die Hacker-Anfälligkeit des neuen staatlichen Schülerverzeichnisses: "One School wird ein anständiges Ziel für Hacker sein", sagte Mark Looi, Professor an der Queensland University of Technology. "Sie werden versuchen, sich Zugang dazu zu verschaffen. Daran besteht für mich kein Zweifel."

Bildungsminister Welford will davon nichts wissen: "Es handelt sich hier nicht um Facebook." Bisher sei es Hackern nicht gelungen, in die Datenbank des Bundesstaates Queensland illegal einzudringen. Er könne die Sorgen einiger Kritiker ja verstehen, OneSchool sei jedoch sicherer als frühere Datenbanken.

Die Einführung des Systems sei ohnehin "nicht verhandelbar", so der Bildungsminister. Unterstützung bekommt er von Charles Alder von einer Elternvertretung in Queensland: Die Sicherheitsstandards seien hoch genug.

Eine Gefahr könnte aber von ganz woanders herkommen: Seit Anfang Juni wurden gleich vier Lehrer aus dem Bundesstaat Queensland festgenommen, die Verbindungen zu einem internationalen Kinderpornoring hatten. Ein Lehrer soll Aufnahmen von sich und seinen Schülern auf Bildern montiert haben, die den sexuellen Missbrauch von Kindern zeigen, berichtet die australische Zeitung "Courier Mail".

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