Umstrittene Tradition Grundschulen in Den Haag verzichten auf "Zwarte Piet"

Krauses Haar und ein schwarzes Gesicht: So sieht der "Zwarte Piet" aus, der traditionelle Helfer des Nikolauses in den Niederlanden. Grundschulen in Den Haag halten die Figur für rassistisch. Sie soll dort nicht mehr auftreten.

Nikolaushelfer in Den Haag: Gegner halten die Figur für rassistisch
DPA

Nikolaushelfer in Den Haag: Gegner halten die Figur für rassistisch


Wer sich als "Zwarte Piet" verkleiden will, braucht eine schwarze Perücke und richtig viel schwarze Farbe auf der Haut. Die Figur ist Teil der Tradition in den Niederlanden, der "Schwarze Peter" hilft dem Nikolaus alljährlich im November beim Verteilen der Geschenke. Auch Schulen besucht er.

Doch seit einigen Jahren steht die Figur in der Kritik, viele halten die Vorweihnachtstradition für rassistisch. Nun setzen die Grundschulen in Den Haag ein Zeichen gegen den "Zwarte Piet" und verzichten künftig auf seinen Einsatz bei den Nikolausfeiern. Das teilte die Schulbehörde am Donnerstag mit.

Schon zuvor hatten vereinzelte Schulen den "Zwarten Piet" verbannt, die Entscheidung in Den Haag ist aber besonders weitreichend. In mehr als 160 Schulen der Stadt mit Zehntausenden Schülern wird der "Zwarte Piet" nun nicht mehr auftreten. An seiner Stelle sollen nun "neutrale" Helfer den Nikolaus beim Unterrichtsbesuch begleiten.

Auf Twitter kam die Idee bei vielen Usern gut an. "Den Haag wird die stereotype Erscheinung des 'Schwarzen Peters' verbannen", wurde getwittert. "Gute Nachrichten! Der 'Zwarte Piet' ist nicht länger in Den Haags Grundschulen willkommen", lautet ein anderer Tweet.

Die niederländische Stadt Gouda hatte im vergangenen Jahr schon Konsequenzen aus dem Streit um den "Zwarten Piet" gezogen. Erstmals war der Nikolaus bei einem Umzug in der Stadt nicht nur vom "Schwarzen Peter" begleitet worden, sondern auch vom Käsepeter mit gelb angemaltem Gesicht und vom hellhäutigen Stroopwafel-Peter. Damit sollte gezeigt werden: Ein Diener des heiligen Mannes muss nicht zwingend schwarz sein.

Im November vergangenen Jahres hatten die Gegner des "Zwarten Piet" indes eine Niederlage hinnehmen müssen. Damals hatte das höchste Verwaltungsgericht der Niederlande entschieden, dass der Nikolaus beim traditionellen Umzug durch die Städte von seinem schwarzen Helfer begleitet werden dürfe. In erster Instanz hatte ein Gericht in Amsterdam Klägern, die gegen die Figur vorgegangen waren, noch recht gegeben und den "Zwarte Piet" eine "negative stereotype Figur" genannt.

kha/Reuters



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