Ausgezeichnet Darum ist diese Schule die beste des Landes

Eine Grundschule in Niedersachsen hat den Deutschen Schulpreis gewonnen - er ist mit 100.000 Euro dotiert. Was läuft hier besser als woanders?

Robert Bosch Stiftung / Theodor Barth

Manchmal darf sich Jarle in seiner Grundschule selbst aussuchen, was er lernen will. Mathe oder Lesen oder Schreiben, das ist in den "Selbstlernzeiten" an der Grundschule auf dem Süsteresch ganz egal. "Wir müssen noch nicht mal sagen, was wir machen", sagt Schüler Jarle. "Wir gehen einfach alle an die Arbeit."

Dafür, dass sie ihren 250 Schülern so viel Freiraum gibt und sie im Schulalltag mitbestimmen lässt, hat die Schule im niedersächsischen Schüttorf an diesem Mittwoch den Deutschen Schulpreis gewonnen. Er ist mit 100.000 Euro dotiert.

Auf unterschiedliche Arten übernehmen Grundschüler in Schüttorf Verantwortung für sich und andere: Sie sind für Klassendienste eingeteilt, leiten abwechselnd den Klassenrat, bei dem wöchentlich Probleme besprochen werden und beraten regelmäßig mit den Lehrern ihre nächsten Lernschritte.

"Mit Erfolg", schreibt die Robert Bosch Stiftung, die den Preis gemeinsam mit der Heidehof Stiftung vergibt: Bei den Vera-Vergleichstests liege die Grundschule in Deutsch weit über dem Durchschnitt. Sie setze auch seit Langem erfolgreich auf die Inklusion behinderter Kinder und auf die Integration von Schülern, die erst noch Deutsch lernen müssen.

"Hier haben sich die Lehrer gemeinsam mit dem Schülerparlament, den Kindern und ihren Eltern auf den Weg gemacht, um das Lernen zu verändern", sagt Erziehungswissenschaftler Professor Michael Schratz von der Universität Innsbruck und Sprecher der Jury.

Das Zusammenspiel von offenen Lernformen, von Lernzeit und Freizeit, Plenumsunterricht und Projektarbeit habe die Jury besonders beeindruckt. "Andere Schulen können von der Grundschule auf dem Süsteresch lernen", sagte Schratz.

Vier zweite Preise in Höhe von je 25.000 Euro erhalten die Schule für Erwachsenenbildung Berlin, das Humboldt-Gymnasium Potsdam, die Freiherr-vom-Stein-Gemeinschaftsschule in Neumünster und die Grundschule St. Nicolai auf Sylt, beide Schleswig-Holstein.

Der erstmals ausgeschriebene, ebenfalls mit 25.000 Euro dotierte Sonderpreis für Auslandsschulen geht an die Deutsche Internationale Schule Johannesburg in Südafrika.

Der Deutsche Schulpreis wird seit 2006 verliehen. Seither haben sich über 1700 Schulen für die Auszeichnung beworben. Zu den Kriterien des Preises zählen Leistung, Unterrichtsqualität, Umgang mit Vielfalt, Verantwortung, Schulleben und Schule als lernende Institution.

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lov/dpa



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austenjane1776 08.06.2016
1. Glückwünsche
an die betreffende Schule. Wieder einmal wird allerdings - abgesehen von den gerade modischen Eigenschaften - nichts über die Arbeitsbedingungen und die Personal- sowie Sachausstattung gesagt. Wer bei Vergleichen gut aussieht, kann auch einfach ein Einzugsgebiet mit fitten Eltern haben - die sind an der Bildung nach GG hälftig beteiligt. Die Lobpreisung des freien Arbeitens wird als nächstes Einsparungen bei den Lehrerstellen zur Folge haben - welchen Sinn soll das sonst haben? Natürlich ist es löblich, "Inklusion" zu machen und "Flüchtlinge" zu beschulen - aber von zusätzlichem oder gar dazu qualifiziertem personaldafür war nicht die Rede. Oder die "Preisverteiler" hat es gar nicht interessiert? Fakt ist, dass nicht schulfähige Kinder - egal wieso sie das sind - sehr zeitaufwendig sind und die Bedingungen für die anderen stark belasten können - sonst wären sie ja schulfähig. Für meine Kinder brauche ich keine "Schulpreis"-Schule - sondern eine biedere Einrichtung, in der die Kinder vernünftiger Eltern von altmodischen Lehrkräften Wissen und Können erwerben. Um die anderen Dinge kümmere ich mich dann schon. Uns Wählenden soll hier die presiwerte Beschulung von Förderschülern und deutsch-Unkundigen als letzter Schrei der Didaktik verkauft werden. Da wird doch bloß gespart. Und damit das Chaos nicht so stark auffällt, löst man die Arbeit in Klassen auf.
Du_bist_Bob 08.06.2016
2. und wie ist die finanzielle Ausstattung der Schule?
Ich finde das Konzept der Sieger Schule interessant. Mich interessiert jedoch, wie ist die finanzielle Ausstattung der Grundschule im Vergleich zu anderen im Bezirk/Bundesland/Deutschland. Wie der Schlüssel von Lehrer zu Schüler. Gibt es extra Personal (Inklusion+Intergration) ? Wie ist das sozialgefüge im Umfeld der Schule? "Sozialer Brennpunkt" oder "nobel Viertel"? Das und noch mehr sind fragen die ich mir stelle. Denn ob das beschriebene Konzept von anderen Schulen umsetzbar ist, hängt stark von den jeweiligen Rahmenbedingungen ab.
Du_bist_Bob 08.06.2016
3. und wie ist die finanzielle Ausstattung der Schule?
Ich finde das Konzept der Sieger Schule interessant. Mich interessiert jedoch, wie ist die finanzielle Ausstattung der Grundschule im Vergleich zu anderen im Bezirk/Bundesland/Deutschland. Wie der Schlüssel von Lehrer zu Schüler. Gibt es extra Personal (Inklusion+Intergration) ? Wie ist das sozialgefüge im Umfeld der Schule? "Sozialer Brennpunkt" oder "nobel Viertel"? Das und noch mehr sind fragen die ich mir stelle. Denn ob das beschriebene Konzept von anderen Schulen umsetzbar ist, hängt stark von den jeweiligen Rahmenbedingungen ab.
lindenbast 08.06.2016
4.
Ich will nicht in Abrede stellen, dass es gute und schlechte Schulen gibt; und ich freue mich, wenn eine Schule, wie offenbar hier, erfolgreich neue Wege geht. Aber Erfolg hat viele Väter und Mütter; hier passt offenbar alles zusammen. Es wäre allerdings sehr unfair, daraus zu schließen, dass an anderen Schulen nur faule Ignoranten der Pension entgegendämmern. Man müsste schon sehr simpel gestrickt sein, um zu glauben, es käme nicht darauf an, wo die Schule steht, wie das soziale Umfeld dort ist, wie die Schüler sind und wie dazugehörigen Eltern, wie das Kollegium zusammengesetzt ist (worauf die Schule selbst nicht immer so sehr viel Einfluss hat, und ein einziger Kollege, der nicht gut ins Team passt, kann da schon viel Probleme verursachen, auch wenn gegen ihn persönlich vielleicht gar nicht so viel einzuwenden ist - manchmal stimmt die Chemie einfach nicht...) undsoweiter. Ich gönne es der Schule sehr, rechne aber aus Erfahrung leider damit, dass unmittelbar darauf wieder aus allen Rohren gegen sämtliche Lehrer Deutschlands geschossen wird, weil dieser angeblich verschnarchte Haufen so etwas nicht überall zustandebringe.
Kajaal 08.06.2016
5.
Man tut mal wieder so, als wenn Inklusion, freie Lernzeiten und der ganze Kram entscheiden wären für Lernerfolg. Dem ist nicht so! Es spielt keine Rolle, ob und wie Lernzeiten organisiert werden, ob ganz- oder halbtags gelernt wird, ob die Klassen groß oder klein sind. Entscheidend für Lernerfolg sind die Anlagen, die Anregung von zuhause und in der Schule und.....am allerwichtigsten: die ientel der Schule! Wer sich mal ansieht, wer auf Brennpunktschulen auf den Stühlen sitzt, der weiß: das kann nicht gut enden. Wer sich dann noch die Familien der Kinder anschaut, verliert die Hoffnung. Zusammen mit der feminisierten Kuschelpädagogik der Alt 68er ist das eine desaströse Mischung.
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