Deutschlands beste Schülerzeitung "Wir wollen kein elitäres Blatt"

"Innfloh" aus Mühldorf am Inn hat beim Schülerzeitungs-Wettbewerb des SPIEGEL als Gesamtsieger brilliert. Die drei Chefredakteurinnen waren völlig baff. Im Interview erklären Christina, Veronika und Anna-Lisa, warum nichts über eine druckfrische Ausgabe geht.


SPIEGEL ONLINE: Herzlichen Glückwunsch! Ihr seid Chefredakteurinnen der besten deutschen Schülerzeitung. Mal ehrlich: Habt ihr vorher daran geglaubt?

Chefredakteurinnen von "Innfloh": Christina Kufer, Veronika Widmann und Anna-Lisa Behnke (von links nach rechts)
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Chefredakteurinnen von "Innfloh": Christina Kufer, Veronika Widmann und Anna-Lisa Behnke (von links nach rechts)

Christina Kufer: Im Moment sind wir noch völlig überrumpelt, das ging zu schnell.

Veronika Widmann: Wir haben damit gerechnet, dass wir beim Heftinhalt dabei sind, in den letzten Jahren wurden einzelne Beiträge von uns prämiert. Das ist jetzt eine tolle Sache: Die ganze Redaktion wurde ausgezeichnet!

SPIEGEL ONLINE: Die scheint bei euch fest in weiblicher Hand…

Anna-Lisa Behnke: Nein, keine Sorge, es gibt genug Jungs, die bei uns mitmachen. Das Layout macht ein Mitschüler, viele schreiben mit.

SPIEGEL ONLINE: In der prämierten Ausgabe beschäftigt ihr euch mit Krieg. Unter anderem sind darin Reportagen zu lesen über Bundeswehrsoldaten, die bei einem Anschlag in Afghanistan schwer verwundet wurden, über den Kosovo-Einsatz oder über einen Auschwitzüberlebenden. Wieso dieses sehr schwere Thema in einer Schülerzeitung?

Christina : Wir hatten in der Ausgabe davor das Thema Liebe, wir wollten nun einen Kontrast setzen.

Anna-Lisa : Es war eine Herausforderung, an der wir zu knabbern hatten. Aber wir wollten ein Thema, das zum Dossier taugt. Wir wollen unsere Leser auch fordern.

Christina : Wir haben als Ausgleich ja auch leichtere Themen im Heft, Rätsel oder auch "Ruperti's Next Topmodel", bei dem wir den bestaussehenden Lehrer suchen. Dazu haben wir auch Setcards der Lehrer drucken lassen, man konnte Packungen kaufen und die Karten dann tauschen. Das kam vor allem bei den Jüngeren auf unserer Schule sehr gut an.

SPIEGEL ONLINE: Wie wird denn "Innfloh" insgesamt auf eurer Schule angenommen?

Anna-Lisa : Sehr gut - nur in der 9. und 10. Klasse wird nicht so viel gelesen, da ist das vielleicht nicht cool genug. Aber von der aktuellen Ausgabe haben wir 1000 Stück verkauft.

Christina : Wir werden auch von manchen Lehrern unterstützt. Sie stellen unser Heft in den Klassen vor und heben Geschichten heraus, die für die jeweilige Jahrgangsstufe passt. Das ist natürlich eine tolle Sache.

SPIEGEL ONLINE: Wieviel Zeit investiert ihr in "Innfloh"?

Veronika : Wir treffen uns jede Woche mindestens einmal. Dazu kommt natürlich die Zeit, die jeder für seine eigene Geschichte braucht. Die zwei Wochen vor dem Druck sind dann immer sehr intensiv - da geht es oft bis spät in die Nacht.

SPIEGEL ONLINE: Was macht euch so viel Freude daran?

Veronika : Wir sind ein sehr gutes Team, sind Freundinnen, da macht die Arbeit viel Spaß. Und das Größte ist doch, wenn man eine neue Ausgabe druckfrisch in der Hand hat.

Christina : Wir tratschen auch viel nebenbei, das ist schon immer sehr lustig. Uns geht es darum, die Schüler zu unterhalten, wir wollen kein elitäres, abgehobenes Blatt machen.

SPIEGEL ONLINE: Ist der Journalismus etwas, das ihr euch auch für die Zukunft vorstellen könnt?

Veronika : Studieren will ich es nicht, aber ich kann mir vorstellen, später als Journalistin zu arbeiten. Mal schauen.

Anna-Lisa : Was wir jetzt bei "Innfloh" machen, ist natürlich die Idealform: Mit Freunden arbeiten und sich die Themen aussuchen. Sowas findet man nicht so schnell wieder. Aber vorstellen kann ich es mir auch.

Christina : Ja, erstmal etwas studieren, Medizin vielleicht, und dann: Warum nicht Journalismus?

Das Interview führte Birger Menke



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