Einschulung So finden Sie den richtigen Ranzen für Ihr Kind

Es gibt Schulranzen mit Einhörnern oder Fußbällen, leuchtenden Schnallen oder bunten Trageriemen. Doch viel wichtiger als das Aussehen sind andere Dinge. Worauf Eltern beim Kauf achten sollten.

Schulranzen (Archiv)
DPA

Schulranzen (Archiv)


Die gute Nachricht zuerst: Kinderärzte loben, dass die meisten Schulranzen inzwischen ergonomisch gestaltet sind. Aber sie kritisieren, wie sie vermarktet werden. "Da geht es ausschließlich darum, mit den Kindern Geld zu verdienen", sagt Kinderärztin Barbara Mühlfeld, Sprecherin des Verbands der Kinder- und Jugendärzte. Die Kommerzialisierung der Kindheit ziehe sich inzwischen durch alle Lebensbereiche. Der Schulranzenkauf sei wie eine Initiation in die Markenwelt, weil die Kinder da zum ersten Mal richtig mitreden.

Wollen Sie einen Ranzen kaufen, sollten Sie laut "Stiftung Warentest" auf folgende Dinge achten:

Katzenaugeneffekt: Zehn Prozent der Rück- und Seitenflächen des Ranzens sollten das Licht von Schweinwerfern retroreflektieren, also zurückwerfen. Denn Kinder können noch nicht richtig einschätzen, wie weit ein Auto von ihnen entfernt ist oder wie schnell es sich nähert. Je schneller und einfacher Auto- und Radfahrer ein Kind beim Überqueren der Straße erkennen, desto besser.

Knallige Farben: Mindestens 20 Prozent des Ranzens sollte am Tag und in der Dämmerung leuchten. Gut sind deshalb kontrastreiche, orange-rote oder gelbe Flächen mit hoher Leuchtkraft - so wie bei Warnwesten.

Form: Der Rückenteil des Ranzens sollte körpergerecht und gut gepolstert, aber nicht zu hart sein, das Polster sollte zudem an mehreren Stellen am Rücken anliegen. "Oben sollte der Ranzen mit den Schultern abschließen, unten nicht auf dem Gesäß aufliegen", sagt der Münchner Kinderorthopäde Hartmut Gaulrapp vom Verband für Orthopädie und Unfallchirurgie. Schwere Bücher sollten immer nah ans Rückenpolster gepackt werden.

Mitwachsende Modelle: Wenn Sie mit Ihrem Kind verschiedene Modelle probieren, achten Sie darauf, dass der Ranzen auch dann gut sitzt, wenn Ihr Kind dicke und dünne Kleidung trägt. Ein gutes Modell "wächst mit", man sollte den Ranzen daher an verschiedenen Stellen anpassen können. Die Trageriemen sollten ebenso verstellbar sein wie Hüft- und Brustgurte.

Schultergurte, Riemen, Tragegriffe: Die Schultergurte sollten mindestens vier Zentimeter breit und gut gepolstert sein. Sie sollten einfach gelockert oder angezogen werden können, wenn der Rucksack auf- oder abgesetzt wird. Die Riemen sollten nicht zu lang sein, sonst kann das Kind darüber stolpern, wenn es den Ranzen am Griff trägt. Der Griff sollte weit genug und gepolstert sein. Am besten er ist oben auf dem Deckel des Ranzen angebracht. "Rollen sind nicht notwendig", sagt Orthopäde Gaulrapp. Es sei sicherer, den Ranzen zu tragen, als ihn im Schulhaus, in Bus oder Bahn hinter sich herzuziehen.

Deckel: Die Deckelklappe des Ranzens sollte stabil sein, sich weit öffnen lassen und möglichst nicht von allein zuklappen. Sie sollte sich leicht mit dem Hauptfach des Ranzens verschließen lassen.

Stehvermögen: Ob leer oder voll, wenn der Ranzen auf dem Boden steht, darf er nicht kippen. Probieren Sie das aus, indem Sie ein paar Hefte oder Bücher hineinpacken.

Seitentaschen: Sie sollten sich gut schließen lassen und Platz für Trinkflasche und Brotbox bieten.

Gewicht: Der Berufsverband der Kinderärzte fordert, dass der gefüllte Ranzen nicht mehr als zehn Prozent des Körpergewichtes des Kindes wiegen sollte. Ist ein Kind also 20 Kilo schwer, sollte es nicht mehr als zwei Kilo Gewicht tragen.

Lehrer wie Kinderärzte denken bereits einen Schritt weiter: "Unser Bestreben ist, dass die Kinder so gut wie keinen Schulranzen mehr brauchen", sagt Kinderärztin Mühlfeld. Im angloamerikanischen Raum blieben die meisten Sachen im Spind, Ranzen seien da gar kein großes Thema.

Auch die Lehrergewerkschaft GEW sieht das Tragen von Büchern und den Markenwahn kritisch. Den Lehrern gehe es darum, dass alle im Klassenzimmer ihre Materialien dabei haben, sagt GEW-Sprecherin Ilka Hoffmann: "Wie sie die transportieren, spielt für uns eine untergeordnete Rolle."

kha



insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bafibo 29.06.2018
1. Gewichtsempfehlung? Witzbolde!
2 Kilo für einen Erstklässler geht nur, wenn er keine Bücher transportieren muß. Bei mir waren das seinerzeit Lese- und Rechenbuch, dazu die entsprechenden Schreibhefte und ein gut gefülltes Schreibmäppchen, ein Liederbuch (eher ein Heft) und eine Blockflöte, außerdem ein Pausenbrot (an Getränke war damals nicht zu denken) und an manchen Tagen auch ein Zeichenblock. Alleine dieser Inhalt wog wahrscheinlich schon mehr als zwei Kilo, vom Ranzen selbst und einem etwaigen Turnbeutel ganz zu schweigen. Dürfte heute nicht wesentlich anders sein. Liederbuch und Blockflöte waren zugegebenermaßen außergewöhnlich - es war keine Waldorfschule -, fielen aber nicht großartig "ins Gewicht".
dasfred 29.06.2018
2. Wie habe ich meine Schulzeit gesund überstanden?
Das frage ich mich, seit diese ergonomisch geformten Schultaschen auf den Markt gekommen sind. Gut, breitere Träger hätte ich im Nachhinein auch gern an der Ledertasche gehabt. Besonders, da mein Schulweg damals drei Kilometer lang war. Die meisten Kinder kommen heute kaum noch auf einen Weg von Netto, ohne Bus oder Auto, von einem Kilometer. Mit ausreichend Sport gibt es dann auch keine Haltungsschäden. Dieser Mode und Marken Wahn sollte von modernen Eltern auch gleich im Vorfeld begrenzt werden.
susi72g 29.06.2018
3.
Ja, auf Schulranzen könnte man im 21. Jahrhundert schon verzichten. Zu meiner Schulzeit gab es sehr gute Schulbücher. Bei meinem Sohn sehr schlechte Schulbücher und umso mehr Kopien. Diese Kopien waren in der Menge, Gestaltung und Übersichtlichkeit eine Zumutung. Diese Kopien landeten im Schulranzen, auf dem Boden oder sonst wo. Wozu also Schulranzen? Für die nicht arbeitende oder Teilzeit arbeitende Mutter mit Ziel: Gymnasium für mein Kind. (Betonung "mein") Wenn Schule in der Schule stattfinden würde und Bildung auch sehr gern zu Hause, so gäbe es auch nicht die Freizeitbeschäftigung der Mütter in Form von Plakaten, Hausaufgaben etc. Aber auf dies Mütter baut ja auch das sogenannte Schulsystem. Arbeitende Elternteile müssen dann zusehen wie ihre Kinder bei den Plakaten mit den Mütterplakaten mithalten müssen. Ob Schulranzen oder Schulsystem oder die sogenannte richtige Familie: überall mehr schein als sein. Wie es den Kindern wirklich geht fragt keiner. Hauptsache diese werden mit der richtigen Ziffer benotet.
hakim 30.06.2018
4. Die Schulranzen kosten heute bis zu 299?
...und sind dann so affig gestaltet, dass es ab der 3. Klasse peinlich wird. Der Ranzenkauf ist eine gute Übung für Eltern und Kinder in Sachen Nachhaltigkeit und Manipulationsabwehr. Das Vorjahresmodell der Markenhersteller kostet oft nur noch einen Bruchteil, als komplettes Set für ca. 50 ? -70? neu. Zum Gewicht. Meine Kinder hatten etwa 18 kg bei der Einschulung. Bei der komplett unrealistischen 10% Regel (=1,8kg) blieben bei 800g Leergewicht des Ranzens noch 1kg für die Füllung. Sorry, aber dafür reicht eine Alditüte zum Tragen völlig aus. Mein Leder-Ranzen wog so 10-15 kg gefüllt. Wenn man sehr viel in der Schule lässt, kommen unsere Erstklässler heute auf 2,5 - 5 kg mit Getränk, Sportzeug etc. sowieso.
gardinchen 30.06.2018
5. Acht Kilo
Der Ranzen ist das kleinere Übel. Schlimmer, wie Nr. 3 erwähnt, sind diese vielen Unterrichtsmaterialen. Wozu braucht man, wie der schrödelverlag nebst unserer Schule vorgeben 3 Bücher zum leseslernen, dazu die arbeitshefte und Kopien. 8 Kilo wog der Ranzen neulich! Und was wurde dann in der Schule gebraucht? Es wurde ein neues kopiertes arbeitsblatt angefertigt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.