Doku über Elite-Internat Reiche Kinder, schlechte Noten

Berk besucht eines der exklusivsten Internate der Welt. Seine Mitschüler: Kinder von Oligarchen und Millionären. Die Doku "Die Schule auf dem Zauberberg" gibt Einblicke in einen Schulalltag, in dem Geld keine Rolle spielt.

Ferhat Topraklar

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An einem Tag im Winter gibt es eine Auktion an der Schule. Das Geld soll an ein Waisenhaus in Simbabwe gehen. Es werden unter anderem zwölf Schoko-Brownies versteigert und ein Nachmittag mit einem Hund namens Jed.

Zwölf Brownies für zwölf Dollar - das würden viele Menschen in einer normalen Welt für einen fairen Preis halten. Doch diese Schule, die Leysin American School in der Schweiz, hat mit der normalen Welt wenig zu tun. Das Anfangsgebot für die zwölf Brownies liegt bei 400 Dollar, am Ende werden sie für mehr als das Doppelte den Besitzer wechseln. Die Auktion zeigt, in welchen Sphären sich die Schüler bewegen.

Es sind Kinder von Oligarchen und Milliardären aus 60 verschiedenen Nationen, Kinder, die ihm Überfluss leben, für die Geld nie ein Thema war. Rund 94.000 Dollar müssen ihre Eltern für ein Schuljahr dort ausgeben. Auch Berk aus Istanbul will hier seinen Schulabschluss machen.

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Privatschulen: Unter Elitären

In der Dokumentation "Die Schule auf dem Zauberberg" von Regisseur und Autor Radek Wegrzyn wird Berk ein Jahr lang begleitet. Die Filmemacher besuchen ihn zunächst in seiner Heimatstadt Istanbul, zeigen, wie er mit seinen Freunden abhängt, wie sie in einem Boot über den Bosporus fahren, Shisha rauchen und trinken.

Berk verpasst die erste Woche des noch jungen Schuljahres. Dabei müsste er die Schule eigentlich ein bisschen ernster nehmen, seine Noten sind schlecht, es ist unklar, ob er überhaupt den Schulabschluss schafft. Sein Vater sagt ihm, wenn er seinen Notendurchschnitt nicht verbessere, bekomme er gar kein Geld mehr von ihm. Irgendwann wird er ihm tatsächlich die Kreditkarte sperren.

Berk strengt sich an, aber irgendwie fehlt es ihm an Motivation, Durchhaltevermögen, Ehrgeiz. "Ich werde so schnell abgelenkt und kann das nicht kontrollieren", sagt er dem Schulleiter. Es sei ihm egal, ob er später mal studiere. "Ich möchte eine Bar in der Türkei eröffnen." Der Schulleiter antwortet, so etwas wolle er nicht hören. "Die einzige Garantie, die du im Leben hast, ist deine Ausbildung."

"Manchmal will ich die Fristen verpassen"

Die Filmemacher lassen aber auch andere Schüler zu Wort kommen, zum Beispiel Ouwani aus Niger, die für eine Uni-Bewerbung einen Aufsatz über sich schreiben soll. Doch das Mädchen findet sein Leben langweilig, weiß nicht, was es aufs Blatt bringen soll. "Meine Mutter hat Angst, dass ich die Fristen verpasse", sagt Ouwani. "Doch manchmal will ich die Fristen verpassen."

Phil, der aus Thailand, Neuseeland und Japan kommt, sagt, er sei ein ziemlich verwöhntes Kind. Seine Eltern täten alles dafür, dass er und sein Bruder auf dieser Schule sein könnten. Sein Vater würde ihm die eigene Firma niemals geben, er solle selbst versuchen, ein erfolgreicher Unternehmer zu werden. Und Phil nimmt sich vor, es mit seinen eigenen Händen zu schaffen.

Zahl der Privatschulen steigt weiter

Berk arbeitet inzwischen in einem Café und brät Burger. Ob er das macht, weil er Geld braucht oder sich vom Lernen ablenken will, verrät der Film nicht. Aber die Arbeit scheint ihm Spaß zu machen. Er hat jetzt einen Mentor, seinen Theaterlehrer. Der hört ihm zu, fragt, warum er so schlechte Noten habe und ob er denn auch jeden Tag seine Hausaufgaben mache. Berk sagt ja, aber muss dann lachen, weil das nicht stimmt.

Der Mentor überredet ihn, bei einem Schulmusical mitzumachen - und wer Berk auf der Bühne sieht, der denkt sich, der Junge ist im falschen Film. Irgendwie passt er hier genauso wenig hin wie auf diese Privatschule in der Schweiz. Er wirkt verloren, klagt darüber, zu wenig Anerkennung von seinen Eltern zu bekommen. Sagt, er werde von ihnen nicht geliebt.

Die Dokumentation gibt interessante Einblicke in das Leben der reichen Schüler, dennoch kommt sie nicht dicht genug an sie heran. Wie viel Geld haben die Jugendlichen im Monat zur Verfügung? Was kaufen sie sich davon? Wie geht es ihnen in ihren kleinen Zimmern, die sie mit einem Mitbewohner teilen müssen? Wie legen die Eltern den Grundstein für ihre Zukunft, auf welchen Universitäten werden sie studieren?

Wird Berk es schaffen?

Unklar bleibt auch die Rolle der Lehrer. Was heißt es, so reiche Kinder zu unterrichten? Gibt es Schüler, die sich ihren Anordnungen entziehen? Wie bekommt man sie in den Griff? Wie viel verdient man als Lehrer an so einer Schule? Wie bekommt man dort überhaupt einen Posten?

Berk bleibt dem Musical erhalten, er tanzt und singt und scheint etwas gefunden zu haben, das ihm Spaß macht und auf das er stolz sein kann. Sein Vater reist zur Aufführung an. Dann ist das Schuljahr vorbei, Berk schreibt seine Abschlussprüfungen. Danach sagt er seinem Mentor, es gehe ihm schlecht. Der Junge fällt durch. Ihm fehlen zwei Punkte.

Der Zuschauer denkt sich, das sei eigentlich ein starkes Ende. Es zeigt, dass man sich mit Geld eben nicht alles kaufen kann. Doch dann die Wende: Der Schulleiter gibt Berk noch eine Chance. Er muss einen Aufsatz schreiben. Diesen Test besteht er natürlich. Er schafft den Abschluss. Gerade so.


Die "Schule auf dem Zauberberg" kommt am 28. Februar in die deutschen Kinos.

insgesamt 54 Beiträge
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ofelas 25.02.2019
1. Tag und Nacht
Internat-system in Grossbritannien: es wird auf Qualität geachtet, das Zentralabitur erlaubt es Lehrern weniger selbst Einfluss zu nehmen. Eltern zahlen nicht nur für die Exklusivität und die gesamtheitliche Bildung, sondern auch das Noten erreicht werden um in den Red Brick Universitäten zu studieren.
markus1907 25.02.2019
2. Nun ja
Welche Motivation sollten solche Kinder auch haben gute Noten zu schreiben und ein gutes Abi zu machen? Sozialer Aufstieg? Sie bewegen sich ja schon in den obersten gesellschaftlichen Schichten. Wohin soll es denn bitte noch weiter raufgehen? Hinzu kommen ja die hohen Erwartungen der Eltern, die der Meinung sind, dass Geld, Kindermädchen und Privatlehrer elterliche Erziehung und Aufmerksamkeit gleichwertig ersetzen können. Es wundert dann niemanden, dass die Kinder dann auch keinen Sinn in einer guten Ausbildung sehen.
seamanslife 25.02.2019
3. eine Oberstudienrätin aus Stuttgart hat mit mal gesagt
das Geschäft mit der Privatschule ist nur ein Geschäft. Abitur für Geld, nichts weiter für Egoistenkinder aus finanziell potentem Hause die an öffentlichen Schulen Probleme haben oder machen. Meist sind diese Kinder durch das Elterhaus geprägt und nicht teamfähig.
Minniemaus15 25.02.2019
4. Privatschule weil Staat versagt
Unser Sohn geht zur Privatschule, weil die staatlichen Schulen in der Umgebung nicht in der Lage waren ausreichende Betreuungszeiten am Nachmittag und eine qualitativ hochwertige Hausaufgabenbetreuung anzubieten. Die Idee mit der Privatschule kam mehr oder weniger aus der Verzeiflung. Inzwischen sind wir überzeugt, das es die richtige Entscheidung war. Lernen muss unser Sohn ganz normal und er bekommt auch schlechte Noten. Es mag sicher auch andere Privatschulen geben, unsere kostet auch keine 94.000 EUR im Jahr, die Privatschulen aber pauschal zu verurteilen ist falsch und engstirnig.
betonklotz 25.02.2019
5. Da geht´s wohl nicht nur um die Ausbildung
Bei einer Schule in einer solchen Preisklasse dürfte der Stallgeruch und das Beziehungsnetzwerk das man dort aufbaut eine erhebliche Rolle spielen.
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