Gymnasium in Schleswig-Holstein Eltern streiten mit Schule über Ausflug in Moschee

Klassenausflug in eine Moschee, doch ein Schüler fehlt: Seine Eltern weigern sich, ihn in ein islamisches Gotteshaus gehen zu lassen. Das Ordnungsamt verhängt ein Bußgeld.

Moschee in Rendsburg
DPA

Moschee in Rendsburg


Die Staatsanwaltschaft Itzehoe ermittelt im Fall eines Schülers aus Rendsburg in Schleswig-Holstein, der einem Schulausflug in eine Moschee fernblieb. Die Eltern des 13-Jährigen wollten offenbar aus "weltanschaulichen Gründen" nicht, dass ihr Sohn mit seiner Erdkundeklasse ein islamisches Gotteshaus besucht.

Die Schule hatte daraufhin das Ordnungsamt eingeschaltet, welches die Eltern aufforderte, jeweils 150 Euro Bußgeld zu zahlen. Dagegen legten die Eltern Widerspruch ein.

Der NDR und die "Schleswig-Holsteinische Landeszeitung" hatten über den Streit berichtet. Der Itzehoer Staatsanwalt Peter Müller-Rakow bestätigte der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch, dass man die Angelegenheit prüfe. Die Entscheidung, ob es zum Prozess vor dem Amtsgericht kommt, stehe noch aus.

Nach Ansicht des Gymnasiums haben die Eltern eine Ordnungswidrigkeit begangen, weil sie ihr Kind im Juni vorsätzlich vom Unterricht ferngehalten hätten. Rektorin Renate Fritzsche sagte dem NDR, das Ministerium habe Schulen dazu ermuntert, Moscheen zu besuchen. "Es ist ein wichtiges Ziel unserer Erziehung in der Schule, die Bereitschaft bei den Kindern zu erwecken, sich mit fremden Kulturen zu beschäftigen und sie zu tolerieren."

Der Anwalt der Eltern, Alexander Heumann, kann dem Moscheebesuch hingegen nichts abgewinnen. Er engagierte sich in der AfD und ist Mitglied des Vereins "Bürgerbewegung Pax Europa", der vor einer "Islamisierung" der Gesellschaft warnt. Im Netz hat Heumann eine "Verteidigerschrift" veröffentlicht, in der er die Rendsburger Moschee als einen "architektonischen Schandfleck" diffamiert.

Darin schreibt er über seine Mandanten: "Die Eltern und das Kind gehören keiner Glaubensgemeinschaft an und vertreten die Auffassung, dass man niemanden gegen seinen freien Willen zum Betreten eines Sakralbaus zwingen kann."

Außerdem fürchteten die Eltern um "Leib und Leben" ihres Sohns. Sie hätten so viele Berichte über islamistisch motivierte Gewalt gehört, da wollten sie ihr Kind nicht "zu Menschen schicken, die es als sogenannten Ungläubigen verachten", zitiert Heumann sie in seiner Schrift.

lov/dpa

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