Eltern-Lehrer-Umfrage Kinder sollen mehr Werte in der Schule lernen

Zu starrer Unterricht, zu wenig Zeit: Eltern und Lehrer fordern mehr Freiräume in der Schule, damit Kinder neben Deutsch und Mathe noch ganz andere Dinge lernen.

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Achtung der Menschenrechte, Konfliktfähigkeit, soziale Kompetenzen, eigenverantwortliches Handeln, selbstständiges Lernen: Solche Fähigkeiten werden Kindern und Jugendlichen viel zu wenig in der Schule vermittelt. Lehrer müssten mehr Spielraum und Zeit haben, um diese Themen im Unterricht zu behandeln, das hat eine Studie im Auftrag des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) ergeben.

Studie zur Wertevermittlung in Schulen
Wer hat die Studie in Auftrag gegeben?
Die Studie "Werteorientierungen und Werteerziehung von Lehrkräften in Deutschland" wurde vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Auftrag gegeben. Der VBE vertritt als Lehrergewerkschaft die Interessen von 164.000 Pädagogen.
Wer wurde mit der Befragung beauftragt?
Die Studie wurde an der Universität Tübingen von der Arbeitsgruppe Professionsforschung realisiert. Kooperiert hat die Politik- und Sozialforschung GmbH forsa.
Wer wurde befragt?
Es wurden 1111 Eltern schulpflichtiger Kinder und 1185 Lehrer an allgemeinbildenden Schulen befragt.
Wie und in welchem Zeitraum erfolgte die Befragung?
Die Eltern wurden im Mai 2018 und die Lehrer im Juni 2018 online befragt.

Der VBE befragte Eltern und Lehrer, welche Werte und Fähigkeiten in der Schule unterrichtet werden sollten und inwieweit dies bereits geschieht. Das Ergebnis: Fast alle Eltern und Lehrer waren sich darin einig, dass die Schüler vor allem lernen sollten, eigenverantwortlich zu handeln und sich selbstständig weiterzubilden.

Wichtig ist Eltern und Lehrern auch, dass Kinder soziale Kompetenzen erwerben und in der Schule ihre Persönlichkeit entwickeln können.

Weniger wichtig waren Eltern und Lehrern Themen wie Heimatverbundenheit oder Leistungsorientierung. Diese sollten in der Schule nicht so viel Raum einnehmen.

Bedeutung verschiedener Bildungs- und Erziehungsziele

Es ist (sehr) wichtig, dass folgende Bildungs- und Erziehungsziele an Schulen vermittelt werden: Eltern

%
Lehr­kräfte
%
Eigenverantwortliches Handeln 96 98
Förderung des selbstständigen Lernens 94 94
Erwerb sozialer Kompetenzen 93 98
Förderung der Persönlichkeitsentwicklung 92 95
Erwerb von Konfliktfähigkeiten/der friedliche Umgang mit Konflikten 92 95
Anerkennung gesellschaftlicher Grundwerte 92 97
Achtung der Menschenrechte 91 97
Vorbereitung auf das zukünftige Leben 91 92
Schaffung von Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt 89 94
Einüben von Toleranz 86 97
Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern 83 91
Orientierung an der freiheitlich-demokratischen Grundordnung/ Demokratieerziehung 82 95
Orientierung an Leistungsfähigkeit 61 59
Förderung der Heimatverbundenheit 45 30

Quelle: forsa

Eltern und Lehrer sind sich darin einig, dass in der Schule bereits einige Werte vermittelt werden, allerdings nicht ausreichend. Sie wünschen sich, dass die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, Menschenrechte und soziale Kompetenzen noch mehr erlernt werden können.

Angesichts der Ergebnisse fordert der VBE: Bildungs- und Erziehungsziele müssen in den Lehrplan mit aufgenommen werden. Dafür bräuchten Lehrer mehr Freiraum, sie müssten flexibler in ihren Gestaltungsmöglichkeiten sein. Bislang sind die Unterrichts und Schulstrukturen noch zu starr und festgefahren. Es sollten demnach mehr Workshops und Projektwochen angeboten werden, in denen Lehrer Werte vermitteln könnten.

"Das enge Korsett der Leistungsorientierung lässt den Lehrkräften nicht genügend Raum", sagte VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann bei der Präsentation der Ergebnisse am Freitag. Eltern sehen einen weiteren Grund dafür, dass Werte nicht umfangreich genug vermittelt werden, auch in zu großen Klassen.

Der VBE-Vorsitzende fordert daher die Politik auf, die notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen, sonst hat das "verheerende Auswirkungen" auf die Gesamtgesellschaft.

kha

insgesamt 51 Beiträge
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spon-1279537853053 09.11.2018
1. ach? nee!
Deshalb wird auch in BaWü am Gymnasium das Fach Gemeinschaftskunde gekürzt und dafür Wirtschaft(wichtig für die Karriere und den Weg an die Spitze) und das Fach BOGY(Berufsorientierung am Gymnasium) ab der Klasse 9 eingeführt. Sehr löblich!
Zitrone! 09.11.2018
2.
Was ist denn das wieder für ein Unsinn? Da wird in einer Umfrage *nur* nach Softskills gefragt, und -- o Wunder -- sowohl Eltern als auch Lehrer meinen, das diese unbedingt gefördert werden sollen. Ja, was auch sonst? Sollen sie vielleicht dagegen sein? Dass für einen solchen Unterricht andere Fächer gekürzt werden müssten, kommt überhaupt nicht zur Sprache. Daher kann man auch nicht den Schluss ziehen, dass die Befragten dann immer noch dafür wären. Ich denke, in Bezug auf die Förderung sozialer Kompetenz sollten sich die Eltern erstmal an die eigene Nase fassen. Das ist nämlich etwas, das (eigentlich) jedes Elternteil vermitteln könnte -- im Gegensatz zu Mathe, Naturwissenschaften, Fremdsprachen etc. Das ist nicht die primäre Aufgabe der Schule, schlimm genug, dass es heute offenbar nicht mehr ohne geht.
genugistgenug 09.11.2018
3. Vorschlag: Internat für Alle
Wann sollen die Lehrer das alles machen? Von der Qualifikation abgesehen. Zuerst sollten die Lehrer programmieren unterrichten, dann 1 Jahr weniger Unterricht geben bei denselben Stoff (G8) und nun grundlegende Erziehungsaufgaben übernehmen die zu unseren Zeiten noch zu HAuse gemacht wurden. Vielleicht sollte man das automatisieren: Sperma/Eizellenabgabe, dann im Labor usgebrütet und dann kaserniert - Eltern zahlen nur noch, bzw. die Behörde. Würden die Politiker, Lehrer, usw. statt immer neue "Ideen" auszubrüten, diese Zeit für ihre Arbeit nutzen, hätte sich schon vieles getan. Doch wir haben nur noch "Woller" statt "Macher". Und jede neue "Idee" soll das bisherige Versagen nur vertuschen.
Braveheart Jr. 09.11.2018
4. Netter Versuch ...
... die elterlichen Erziehungspflichten bei der Schule abzuladen. Die Schule soll Wissen und Fertigkeiten vermitteln, für die Charakterformung ist sie nicht zuständig. War jedenfalls zu meiner Zeit so. Aber wir durften ja auch noch nicht nach Gehör schreiben. Sondern richtig. Und meine Lehrerin in der Grundschule (3.Schuljahr) hat mir im Aufsatz knallhart eine 2 verpaßt, nur weil ich bei "Portemonaie" ein "n" vergessen hatte. Danach kam der Direktor und hat mich in die 4.Klasse mitgenommen, wo ich den ganzen Aufsatz vorlesen mußte. Weil er so gut war. Mann, waren meine Ohren rot!
aurora77 09.11.2018
5. Werte müssten auch gelebt werden
Vielleicht sollte man weniger versuchen, die Werte in der Theorie zu besprechen, sondern sie leben. Eigenverantwortung und Selbständigkeit würden sich besser entwickeln, wenn Schüler selbständiger lernen könnten, ähnl. wie beim Montessorikonzept. Konfliktlösung lernt man am besten am Vorbild. Wenn der Lehrer Konflikte mit Schülern löst, indem er seine Machtstellung nutzt und einseitig bestraft, lernen Kinder, ihre Konflikte untereinander ebenfalls nach dem Prinzip Der Stärkere gewinnt zu lösen. Mein Vorschlag: Konfliktlösung nach dem Prinzip der gewaltfreien Kommunikation auch bei Problemen zwischen Lehrern und Schülern. Ein Kind, das selbst respektiert wird, respektiert auch andere. Soziale Kompetenz könnte sich außerdem besser entwickeln, wenn Kinder sich gegenseitig unterstützen würden, wenn es mehr Inklusion und Vielfalt an den Schulen geben würde statt der schon durch die Noten bedingten Ellbogenmentalität. Benotung schon in der 1. Klasse führt hingegen dazu, dass Kinder permanent miteinander verglichen werden. Das allein bringt ein Gegeneinander und kein Miteinander. Warum müssen die Kinder in der Regelschule überhaupt immerzu kontrolliert und bewertet werden? Auch gute Noten schaden, denn sie zerstören die intrinsische Motivation, die aber für das selbständige Lernen ganz wichtig wäre.
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