Doku "Elternschule" Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Kinderklinik

Die Kino-Dokumentation "Elternschule" sorgt für Diskussionen über die Therapieformen in der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen. Nun hat sich die Justiz eingeschaltet.

Filmszene aus "Elternschule"
Zorro Film/ if ...Productions

Filmszene aus "Elternschule"


Die Aufregung um die Kino-Doku "Elternschule" geht weiter: Der Film, der sich mit Therapien in der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen beschäftigt, sorgt seit Wochen für Diskussionen. Nun hat die Staatsanwaltschaft aufgrund der gezeigten Bilder Ermittlungen gegen die Einrichtung aufgenommen.

Es gehe um den Verdacht der Misshandlung Schutzbefohlener, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Essen der Deutschen Presse-Agentur. Anlass sei die Anzeige eines Arztes gewesen. "Es geht um die Handlungen, die in dem Film gezeigt werden", erläuterte der Sprecher.

Kontroverse Debatten seit Anfang Oktober

Die zweistündige Doku betrachtet die Behandlung von psychosomatisch erkrankten Kindern mit massiven Ess- und Schlafstörungen. Die Filmemacher Jörg Adolph und Ralf Bücheler haben völlig erschöpfte Eltern begleitet, die ihre Kinder in der Abteilung "Pädiatrische Psychosomatik" der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen behandeln lassen. Dort verbringen sie drei Wochen - mit der Hoffnung, danach endlich ein normales Leben beginnen zu können.

Seit seinem Erscheinen im Oktober sorgt "Elternschule" für kontroverse Debatten über die gezeigten Therapiemethoden. Nach Ansicht des Deutschen Kinderschutzbundes enthält der Film zahlreiche Szenen, in denen Kinder psychischer und physischer Gewalt ausgesetzt sind. Die Klinik weist die Vorwürfe zurück: Es gebe dort keine Gewalt. Die klinischen Methoden entsprächen dem aktuellen Forschungsstand und den Standards der medizinischen Wissenschaft, hieß es in einer Stellungnahme.

Die Programme, die die Familien in Gelsenkirchen durchlaufen, hat der Psychologe und Psychotherapeut Dietmar Langer entwickelt, der Leiter der Abteilung. Eine Kombination aus Bindungs- und Trennungstraining sowie Ess- und Schlafverhaltenstraining soll die alltäglichen Problemen dieser Familien beenden.

Mehr als 20.000 Menschen unterzeichneten eine Onlinepetition

Im "Kulturjournal" des NDR sagte Langer vergangene Woche: "Der Film zeigt nicht die Therapie. Er zeigt Fragmente." Die Therapie sei viel umfassender, als es in "Elternschule" zu sehen sei. Sie enthalte auch tägliche Entspannungsphasen und spieltherapeutische Einheiten mit den Bezugspersonen.

Doch schon vor dem Kinostart gab es Protest. Auf Openpetition.de starteten Gegner eine Onlinepetition, die versucht, die Ausstrahlung des Films zu stoppen. Zudem fordern die Initiatoren eine Überprüfung der Therapieform. Mehr als 20.000 Menschen haben die Petition bis Ende Oktober unterzeichnet.

Allerdings scheint die Therapie den Familien, die in der Doku gezeigt werden, zu helfen. Auch einige Rezensenten haben den Film durchaus positiv bewertet. Unser Autor beschreibt die Dokumentation ebenfalls als sehenswert.

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"Elternschule" ist ein Film, der polarisiert - und der erst mal weiter in den Kinos läuft.

lek/dpa

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