Schulbuch-Bann Elton John schimpft auf "bigotten" Bürgermeister von Venedig

Venedigs Bürgermeister hat Bücher aus Schulen verbannt, die Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern darstellen. In Italien hat das für viel Empörung gesorgt - nun schaltet sich auch Elton John ein.

Elton John mit seinem Mann David Furnish: "Das schöne Venedig versinkt tatsächlich"
REUTERS

Elton John mit seinem Mann David Furnish: "Das schöne Venedig versinkt tatsächlich"


Sollten Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern in Venedigs Schulbüchern auftauchen? Über diese Frage streiten derzeit Luigi Brugnaro, der Bürgermeister von Venedig, und Popstar Elton John, der ein Haus in der italienischen Stadt besitzen soll.

Angefangen hatte der Streit damit, dass sich Elton John im Fotodienst Instagram über eine Entscheidung des konservativen Bürgermeisters Luigi Brugnaro aufgeregt hatte. Der Politiker hatte nach seiner Wahl im Juni getreu seinem Wahlversprechen aus den Schulen 49 Titel entfernen lassen, die Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern darstellen.

Er finde es in Ordnung, wenn Kinder ihre Eltern zu Hause "Papa eins und Papa zwei" nennen würden. Aber er müsse an die Mehrheit der Familien denken, in denen es einen Vater und eine Mutter gebe, zitierte der Autorenverband Pen International Brugnaro.

Elton John bezeichnete Brugnaro auf Instagram als "den extrem dumm aussehenden Bürgermeister von Venedig". Der konservative Politiker sei gegen eine Welt, in der Toleranz und Liebe herrschten.

"Er verficht eine zukünftige Gesellschaft, die Uneinigkeit schafft und Ignoranz fördert", schrieb John. Und: "Das schöne Venedig versinkt tatsächlich, aber nicht so schnell wie der rüpelhafte, bigotte Brugnaro."

Am Dienstag wies Brugnaro in dem Kurznachrichtendienst Twitter die Kritik zurück. Er beschuldigte John, nichts für die Stadt zu tun.

Er habe "vollen Respekt" für homosexuelle Lebensmodelle mit allen entsprechenden Rechten und Freiheiten, schrieb der Bürgermeister. Kinder hätten damit aber nichts zu tun.

Er schrieb außerdem: "Sie beleidigen mich, um Ihre Argumente zu stützen, doch ich denke, dass alles, was Sie repräsentieren, die Arroganz der Reichen ist, die glauben tun zu können, was sie wollen."

Elton John ist nicht der Erste, der Brugnaros Entscheidung kritisiert. Auch in Italien hatte der Bücher-Bann viel Empörung hervorgerufen. So hatten mehr als 250 italienische Autoren den Schritt scharf kritisiert.

In der Folge reduzierte Brugnaro im Juli die schwarze Liste auf zwei Bücher, wie der Pen International berichtet. Die beiden weiterhin aus Venedigs Bibliotheken verbannten Titel sind Ophélie Texiers "Jean a deux mamans" (Jean hat zwei Mütter) und Francesca Pardis "Piccolo Uovo" (Kleines Ei). In beiden Büchern spielt Homosexualität eine Rolle.

Die Kontroverse spielt sich vor dem Hintergrund einer größeren Debatte über sexuelle Vielfalt in Italien ab. So hatte Premierminister Matteo Renzi Proteste mit einem Vorstoß ausgelöst, die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft zu erlauben. Italien ist das einzige Land in Westeuropa, in dem Homosexuelle weder eine Lebenspartnerschaft eintragen noch heiraten können.

Die Frage, ob homosexuelle Paare auch im Unterricht Erwähnung finden sollten, erhitzt auch in Deutschland vielerorts die Gemüter. So gibt es in Baden-Württemberg heftige Proteste gegen die Pläne der Landesregierung, sexuelle Vielfalt zum Unterrichtsthema zu machen.

In Nordrhein-Westfalen hat jüngst der Elternverband NRW die Besorgnis geäußert, dass Heterosexualität "zu einer von beliebigen sexuellen Orientierungen abgewertet werden könnte". Im Schulgesetz des Bundeslandes steht schon seit mehreren Jahren, dass Schulen die Akzeptanz für die Vielfalt menschlicher Sexualität fördern sollten.

cen/afp/dpa/Reuters

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.