Empörung bei US-Eltern Lehrerin lässt Autisten aus der Klasse wählen

Der fünfjährige Alex ist anders als die anderen Kinder einer Vorschule in Florida. Seine genervte Lehrerin warf ihn aus dem Unterricht - und ließ die Klasse abstimmen, ob er zurückkommen darf. Nach dem bizarren Tribunal ist die Aufregung groß, die Lehrerin suspendiert.


Tausende Eltern haben mittlerweile eine Online-Petition unterschrieben, damit eine Lehrerin aus Florida entlassen wird. Der Grund für die Web-Revolte: Die Lehrerin soll an der Morningside School in Port St. Lucie, einer Kleinstadt an der Ostküste Floridas, einen autistischen Schüler aus der Klasse geekelt haben.

Melissa Barton, Mutter des Fünfjährigen, wirft der Klassenlehrerin vor, sie habe Alex aus der Kindergarten-Klasse geworfen, weil sie von den Symptomen seiner Krankheit genervt gewesen sei. Alex brummte ständig und nahm Hausaufgaben in den Mund, um sie zu essen. Als die Lehrerin ihn am vergangenen Freitag wieder vor die Tür gesetzt hatte, ließ sie seine Mitschüler aufschreiben, was sie an Alex nicht mögen. Dann soll der Junge kurzzeitig zurück in die Klasse gebracht worden sein, um sich die Meinungen anzuhören.

Es kam zu einer bizarren Abstimmung, bei der Alex wieder vor der Tür stand. Nur zwei Mitschüler waren dafür, dass er zurück kommen sollte. 14 Klassenkameraden waren gegen ihn - und Alex verbrachte den Rest des Tages bei der Schulkrankenschwester, bis ihn seine Mutter abholte.

Alle gegen Alex - keine emotionale Kindesmisshandlung?

Eine Sprecherin der Schulbehörde teilte mit, dass die Lehrerin die von der Mutter beschriebene Abstimmung bestätigt habe. Melissa Barton ist entsetzt: "Die Lehrerin sagte, dass dies ihre Art sei, das Verhalten meines Sohnes zu korrigieren." Der Junge ist gerade in einem Diagnoseverfahren; die Ärzte vermuten bei ihm das Asperger-Syndrom, eine Form des Autismus.

Melissa Barton sagt, ihr Sohn sei sehr traurig über den Rauswurf und traue sich nicht, zurück an die Schule zu kommen. Auch der einzige Freund von Alex sei bedrängt worden, gegen ihn zu stimmen.

Seine Mutter zeigte den Vorfall beim "School Resource Officer" an, einem für die Schule zuständigen Polizisten. Er untersuchte die Sache, die Staatsanwaltschaft entschied aber, dass bei Alex Barton kein Fall von "emotionaler Kindesmisshandlung" vorliege. Sprecherin Michelle Steele sagte, gegen die Lehrerin würden keine weiteren Ermittlungen aufgenommen.

Die Lehrerin unterrichtet jedoch bis auf Weiteres nicht mehr als Lehrerin in der Klasse. Wie ihre berufliche Zukunft aussieht, will die Schulbehörde von St. Lucie noch bestimmen.

Mutter Melissa Barton bekommt nun Unterstützung aus aller Welt: Täglich erreichen sie aufmunternde Mails aus aller Welt, sogar aus Ländern wie Jordanien oder Japan. Die Schule und die zuständige Behörde kommen nicht mehr zur Ruhe: "Wir haben hunderte Telefonanrufe erhalten", sagte eine Sprecherin. Die Online-Petition wurde bereits über 3000-mal unterzeichnet.

wie



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