Ernährung von Kindern Zeigt, was ihr esst

Hamburger oder Salat, selbstgemachtes Curry oder Fertigpizza: Für die Fotoserie "Daily Bread" fotografiert Gregg Segal Kinder aus verschiedenen Ländern und zeigt, was sie in einer Woche essen.

Gregg Segal

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Die Schwestern Alexandra und Jessica dürfen essen was sie wollen, der neunjährige Paolo ernährt sich am liebsten von Nudeln und Fleisch, Bradleys Lieblingsspeise ist Sushi. Der US-Fotograf Gregg Segal hat Jungen und Mädchen aus unterschiedlichen Ländern fotografiert - umringt von den Lebensmitteln, die sie in einer Woche gegessen haben.

Die Idee zu dem Projekt hatte Segal während seiner vorherigen Fotoserie, bei der er Menschen mit dem Müll, den sie innerhalb von sieben Tagen produzieren, porträtierte: "Ich war erstaunt über die große Menge an Lebensmittelverpackungen, die einerseits nicht gut für die Umwelt sind und andererseits von der schlechten Qualität unserer Nahrung zeugen."

Für seine Fotoserie "Daily Bread" setzte Segal daher den Fokus auf die Ernährung - von Kindern: "Essgewohnheiten entwickeln sich im Kindesalter und bleiben meist ein Leben lang bestehen." Zuerst fotografierte er seinen eigenen Sohn und Nachbarskinder in Los Angeles. Dann beschloss er das Projekt auszuweiten und lichtete auch Jungen und Mädchen in Deutschland, Frankreich, Italien, Malaysia, Indien und im Senegal ab.

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Pizza, Sandwiches und Salat: Das essen Kinder in einer Woche

Die Kinder mussten eine Woche lang jeden Tag akribisch notieren, welche Mahlzeiten sie zu sich nehmen. Jeder Bestandteil des Essens wurde dann für das Shooting von Köchen und Foodstylisten reproduziert. Eine große Herausforderung, sagt Segal: "Üblicherweise fotografierte ich an einem Tag vier Kinder, das bedeutete 84 Mahlzeiten."

Der Fotograf installierte eine Kamera an einer Metallstange drei Meter über dem Boden. Die Vogelperspektive erlaubte es, die Lebensmittel gut sichtbar zu positionieren, die Kinder mussten inmitten von Pizza und Brokkoli ruhig liegen. "Ich sagte immer, dass sie an irgendetwas Schönes denken sollen, zum Beispiel, dass sie im Meer schwimmen."

Maximal eine halbe Stunde hatte der Fotograf Zeit - dann ließ die Konzentration der Kinder nach, sie fingen an in einem unbemerkten Moment an dem Essen zu knabbern oder ihre Hand in die Suppe zu stecken. "Auch wenn ab und zu mal etwas umgefallen ist, waren wirklich alle tolle Modelle", sagt Segal.

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Mutter wird Essensdekorateurin: Iss mich!

Entstanden sind bunte und detailreiche Fotos: "Wenn ich erst mal die Aufmerksamkeit habe, dann kann der Betrachter kritischer bewerten, was die Kinder essen." Verspeisen die Kinder nur Fast Food oder auch Gemüse? Ernähren sie sich in Deutschland oder in den USA gesünder? Worin unterscheiden sich indische Mahlzeiten von denen aus Frankreich?

"Einige Eltern waren tatsächlich sehr überrascht, was ihre Kinder essen. Ein indischer Vater sagte, er könne es nicht glauben, wie viel Fast Food seine Tochter konsumiert", sagt der Fotograf. Die Fotos seien eine Mahnung an die Eltern, sich mit den Essgewohnheiten ihrer Sprösslinge auseinanderzusetzen und diese zu hinterfragen: "Ein übergewichtiges Kind von schlechtem Essen umgeben, trifft uns härter, als wenn ein Erwachsener auf dem Bild wäre."

Mit seinem Projekt will Segal außerdem zeigen, wie die westliche Ernährungsweise mittlerweile zum weltweiten Standard geworden ist. Aber auch, dass es noch Orte gibt, an denen Fast Food keinen Platz hat und immer noch Zuhause gekocht wird. "Ich habe festgestellt, dass es die ärmsten Regionen sind, die das gesündeste Essen zu sich nehmen", sagt Segal.

In den kommenden Monaten fotografiert er Kinder in Brasilien und im Mittleren Osten. "Ich habe gehört, dass die Leute sich dort besonders schlecht ernähren - das will ich überprüfen."

Video: Iss richtig - Essen für Kinder

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