Erstklässler geschlagen Lehrerin wegen Körperverletzung verurteilt

Die Prügelstrafe ist an Deutschlands Schulen verboten. In Eichwalde bestrafte eine Lehrerin trotzdem Erstklässler mit Schlägen, verängstigte die Kinder und brachte Eltern gegen sich auf. Zweimal wurde sie verurteilt und ging in Revision. Jetzt endete der Prozess mit einer Geldstrafe.


Grundschullehrer müssen vor allem eines sein: geduldig. Pünktlichkeit, Sorgfalt, Konzentration - viele Tugenden müssen sie ihren kleinen Schülern erst noch beibringen. Eine Lehrerin in Brandenburg hatte offenbar wenig Geduld und wurde nun vom Oberlandesgericht (OLG) Brandenburg wegen vorsätzlicher Körperverletzung im Amt verurteilt. Sie muss eine Geldstrafe von mehreren tausend Euro zahlen.

Die Lehrerin schlug Erstklässler in vier Fällen mit der flachen Hand auf den Kopf, weil die taten, was Grundschüler öfter mal tun: Sie kamen verspätet zum Unterricht, schrieben Aufgaben von der Tafel falsch ab, packten ihre Schulsachen nur verzögert aus, brachten Unruhe in den Unterricht.

Die Vorfälle geschahen in den Monaten August 2006 und März 2007 an einer Grundschule im brandenburgischen Eichwalde. Damals weinten Kinder aus der Klasse 1b zu Hause, sie erbrachen sich und bekamen vor dem Schulgebäude Schreikämpfe. Erst nach und nach erfuhren die Eltern, warum sich ihre gerade erst eingeschulten Kinder so verhielten. Rund drei Jahre ist das her - nun wurde die Lehrerin vom OLG Brandenburg wegen vorsätzlicher Körperverletzung in vier Fällen rechtskräftig verurteilt.

In Leserbriefen wurden die Eltern angegangen

Bereis im April 2008 sah es das Amtsgericht der Stadt Königs Wusterhausen als erwiesen an, dass die Klassenlehrerin fünf Kinder geschlagen hat. Sie wurde zu sechs Monaten auf Bewährung und einer Geldbuße von 1500 Euro verurteilt. Doch damit war der Fall nicht abgeschlossen: Die Lehrerin ging in Revision. Schon während der Verhandlung hatte sie erklärt, dass die Vorwürfe eine Kampagne der Eltern seien und jeder Grundlage entbehrten.

Unterdessen wurde sie an eine andere Schule versetzt. Dass sie nicht suspendiert wurde, begründete Schulamtsleiter Werner Weiss damals mit einer besonderen Logik: Eine Suspendierung wäre gar keine Strafmaßnahme gegen die Lehrkraft, sondern nur gegen alle anderen Beteiligten. "Die Lehrerin muss nicht arbeiten, bekommt weiter Geld - und bei uns fällt der Unterricht aus."

Für die Eltern folgte nicht nur eine weitere Gerichtsverhandlung: Leser der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" warfen ihnen vor, sich die Vorfälle "ausgedacht" zu haben. Die Eltern, hieß es in Leserzuschriften, forderten "Kuschelpädagogik" für ihre Kinder, sie bereiteten sie nicht richtig auf den "schulischen Ernstfall" vor.

Freispruch nur zu einem Tatvorwurf

"Bis zum Schuleintritt durften die kleinen Prinzen und Prinzessinnen fast alles tun, was sie wollten", schrieb eine Leserin. Wenn es in der Schule dann nicht so laufe wie gewünscht, so argumentierte sie weiter, sei natürlich der Lehrer schuld. "Dann werden Elternstammtische organisiert und überlegt, wie man den Lehrer am besten loswird."

Das Landgericht Potsdam übernahm im Revisionsprozess derlei krude Argumente freilich nicht und stellte fest, dass die Lehrerin Erstklässler mit der flachen Hand gegen den Kopf geschlagen habe. Das Strafmaß wurde im November 2008 aber auf 150 Tagessätze zu je 30 Euro abgemildert, ohne Freiheitsstrafe zur Bewährung.

Auch gegen dieses Urteil legte die Pädagogin Revision ein und beantragte Freispruch. Das Oberlandesgericht Brandenburg lehnte die Revision nun ab, stellte allerdings das Verfahren in einem der ursprünglich fünf Tatvorwürfe ein. Als Grund gab das Gericht Ungenauigkeiten bei der Arbeit der Vorinstanzen an. "Dieser eine Vorwurf war nicht klar von anderen Vorkommnissen abzugrenzen", sagte eine Gerichtssprecherin.

Nun muss das Landgericht Potsdam erneut über die Höhe der Geldstrafe entscheiden, weil die Verurteilung nur noch in vier Fällen erfolgte. Die gute Nachricht für die Eltern: Eine Revision ist nicht mehr möglich.

bim/AP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 117 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
harrybr 14.12.2009
1. üblich?
...weil die taten, was Grundschüler öfter mal tun: Sie kamen verspätet zum Unterricht, schrieben Aufgaben von der Tafel falsch ab, packten ihre Schulsachen nur verzögert aus, brachten Unruhe in den Unterricht. ... schließt diesen Staat!
bierus 14.12.2009
2. Frage
wird die Dame nun weiter auf Schüler losgelassen?
anders_denker 14.12.2009
3. so so, prügelstrafe!
oder doch nur mit der FLACHEN HAND ne Backpfeife? Prügeln ist stinnlose abgestumpfte und unkontrollierte Gewalt! Genau das, aber hat die Dame wohl eben nicht getan, die Kinder brutal zusammengeschlagen. Lustig wie hier wieder mal mit Übertreibung Stimmung gemacht wird. Und ja, RESPEKT den man vor wenigen Jahren noch lernte, Zuverlässigkeit etc. zählen heute nicht mehr. Kinder, vor allem die der "besserverdiener" sind eben kleine Prinzen, und deren Klagewütige Elternschat, die ihre Staussprösslinge vor allem Übel der Welt schützen, züchten nur rücksichtlose Egositen heran, zerstören jedliches Gefühl für Respekt und Moral, achtung vor dem Alter etc. Die kommenden U-Bahn Prüger-Generatione werden auch aus den besseren viertreln kommen. Und wehe jemand sagt das hätten diese Bastarde nicht tun dürfen... dann wird geklagt, Körperverletzung und Mord gehören ja zum sorglosen Aufwachsen!
nica27 14.12.2009
4. hm
Zitat von anders_denkeroder doch nur mit der FLACHEN HAND ne Backpfeife? Prügeln ist stinnlose abgestumpfte und unkontrollierte Gewalt! Genau das, aber hat die Dame wohl eben nicht getan, die Kinder brutal zusammengeschlagen. Lustig wie hier wieder mal mit Übertreibung Stimmung gemacht wird. Und ja, RESPEKT den man vor wenigen Jahren noch lernte, Zuverlässigkeit etc. zählen heute nicht mehr. Kinder, vor allem die der "besserverdiener" sind eben kleine Prinzen, und deren Klagewütige Elternschat, die ihre Staussprösslinge vor allem Übel der Welt schützen, züchten nur rücksichtlose Egositen heran, zerstören jedliches Gefühl für Respekt und Moral, achtung vor dem Alter etc. Die kommenden U-Bahn Prüger-Generatione werden auch aus den besseren viertreln kommen. Und wehe jemand sagt das hätten diese Bastarde nicht tun dürfen... dann wird geklagt, Körperverletzung und Mord gehören ja zum sorglosen Aufwachsen!
also meine Lehrerin musste keinen schlagen um Ruhe in die Klasse zu bekommen. Erstklässler sind doch erst dabei sich an die in der Schule geltenden Restriktionen zu gewöhnen, dass das nicht immer sofort passiert ist doch klar. Das hat nichts mit verzogenen Kindern zu tun. Und da Erstklässler wohl noch nicht richtig lesen und schreiben können ist es doch nur logisch, dass sie Fehler machen ansonsten bräuchten sie ja nicht in die Schule gehen. Niemand schlägt meine Kinder und schon gar nicht so eine überforderte Psychotante von Lehrerin die einfach mal den falschen Beruf hat. Denn die bringt den Kindern erst bei, dass Gewalt das richtige Mittel zur Lösung von Problemen ist.
QualderWal 14.12.2009
5. Respekt????
Zitat von anders_denkeroder doch nur mit der FLACHEN HAND ne Backpfeife? Prügeln ist stinnlose abgestumpfte und unkontrollierte Gewalt! Genau das, aber hat die Dame wohl eben nicht getan, die Kinder brutal zusammengeschlagen. Lustig wie hier wieder mal mit Übertreibung Stimmung gemacht wird. Und ja, RESPEKT den man vor wenigen Jahren noch lernte, Zuverlässigkeit etc. zählen heute nicht mehr. Kinder, vor allem die der "besserverdiener" sind eben kleine Prinzen, und deren Klagewütige Elternschat, die ihre Staussprösslinge vor allem Übel der Welt schützen, züchten nur rücksichtlose Egositen heran, zerstören jedliches Gefühl für Respekt und Moral, achtung vor dem Alter etc. Die kommenden U-Bahn Prüger-Generatione werden auch aus den besseren viertreln kommen. Und wehe jemand sagt das hätten diese Bastarde nicht tun dürfen... dann wird geklagt, Körperverletzung und Mord gehören ja zum sorglosen Aufwachsen!
Und wieso genau glauben Sie, dass Kinder Respekt und Zuverlässigkeit nur lernen, wenn man ihnen ab und zu mal eins mit der flachen Hand auf den Kopf gibt? Und nach Ihrer Logik ist es offenbar ok, Kinder von nicht so viel verdienenden Eltern zu schlagen, denn die wehren sich ja nicht? Klasse Ansicht. Und schließlich scheinen Sie Respekt mit Angst zu verwechseln. Ich kann jedenfalls keinen Respekt für jemanden empfinden, der Schwächere schlägt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.