Gymnasium gegen Abschiebung Krebskranker Edgar darf vorerst in Deutschland bleiben

Obwohl er Krebs hat, sollte der 14-jährige Edgar nach Armenien ausreisen. Schüler und Lehrer seines Essener Gymnasiums wehrten sich dagegen. Nun darf Edgar vorerst weiter dort zur Schule gehen.

Der 14-jährige Edgar und seine Familie
André Hirtz

Der 14-jährige Edgar und seine Familie


Der 14-jährige Edgar und seine Familie können für mindestens drei weitere Monate in Deutschland bleiben. Die Ausländerbehörde in Essen habe deren Duldung am Donnerstag verlängert, sagte Schulleiterin Beate Zilles dem SPIEGEL.

Die Familie des krebskranken Gymnasiasten hatte zuvor einen Antrag an die Härtefallkommission des Landes Nordrhein-Westfalen gestellt. Die muss nun bewerten, ob ein Härtefall vorliegt. Die Ausländerbehörde kann sich dem Urteil dann anschließen und die Abschiebung aussetzen. Sie muss es aber nicht.

"Keiner weiß, was endgültig passieren wird", sagte Rektorin Zilles. Edgar und seine Mitschüler seien aber froh über den Aufschub. Schüler, Lehrer und Eltern des Essener Helmholtz-Gymnasiums hatten sich für Edgar eingesetzt, seit vor einiger Zeit bekannt wurde, dass er abgeschoben werden sollte.

Sie sammelten Unterschriften, schrieben Briefe und traten mit Behörden in Kontakt. "Wir haben ein großes Maß an Unterstützung erfahren", sagte Zilles, "dafür sind wir sehr dankbar." Am Montag hatte auch der Petitionsausschuss des Landtags das Anliegen des Neuntklässlers und seiner Familie angehört.

Seit zwei Jahren besucht Edgar das Helmholtz-Gymnasium. Er kam zusammen mit seinen Eltern und einem jüngeren Bruder aus Armenien nach Deutschland, aus einem besonderen Grund: Edgars älterer Bruder war mit sechs Jahren an Lymphdrüsenkrebs gestorben. Und vor zwei Jahren hatten Ärzte die Krankheit auch bei Edgar diagnostiziert.

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Die Familie verkaufte den Großteil ihres Besitzes, um ihren Sohn in Deutschland behandeln lassen zu können und nicht noch ein Kind zu verlieren. Doch der Asylantrag wurde abgelehnt. Nach Edgars Krebs-OP wurde die Familie deshalb vom Ausländeramt zur Ausreise aufgefordert.

Bis die Härtefallkommission eine Empfehlung abgegeben hat, darf die Familie auf jeden Fall bleiben. Sollte die Entscheidung länger als drei Monaten dauern, wird Edgars Duldung verlängert.

Anmerkung der Redaktion: "In einer früheren Version dieses Textes hieß es, Armenien sei ein sicheres Herkunftsland. Nach deutschem Asylrecht gilt Armenien jedoch nicht als solches. Wir haben die Stelle korrigiert."

lov/him



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