Internet-Trend Biernominierung Ex und Web

Deutschland hat einen neuen Web-Trend: die Biernominierung. Junge Menschen exen vor laufender Kamera einen halben Liter Bier und bestimmen über Facebook Freunde, die es ihnen gleichtun sollen. Ein harmloses Trinkspiel? Leider nicht.

Von

Privat

"Kennst du das?", fragt mich meine Tochter und zeigt mir das Video einer Freundin, die einen halben Liter Bier "auf ex" trinkt. Anschließend ruft sie via Facebook namentlich drei Freunde auf, das innerhalb von 24 Stunden nachzumachen. So "nominiert" sie die nächsten Trinker, das Video wird zum viralen Kettenbrief.

Das Prinzip: Ein Teilnehmer bringt andere dazu, mitzumachen und immer so weiter. Einer nominiert drei, die nächsten wieder drei, und die dann wieder drei - die Idee ist griffig und schnell umzusetzen, nach wenigen Stufen sind theoretisch Millionen mit dabei. Meine Tochter findet die Bieridee allerdings doof. "Da fehlt nur noch, dass die am Schluss winken und ihre künftigen Arbeitgeber grüßen."

Man kann das so sehen. Aber das ändert nichts daran, dass sich die Biernominierungen wie ein Buschfeuer verbreitet haben. Auf nichts springen Menschen online so bereitwillig an wie auf Blödsinn. Und vor allem auf Unsinn, der ein Gemeinschaftsgefühl erzeugt. Irgendwie bilden die Biernominierten ja eine bundesweite Gruppe der Spaßbereiten - und Verweigerer stehen als langweilige Lappen da.

Der Spaß kippt gerade

Gaga ist das Bierspiel, aber etwas wirklich Schlimmes passiert dabei ja nicht, oder? An halben Litern stirbt man nicht.

Wie man es nimmt, denn die Dosis macht das Gift. Der eigentlich harmlose Bierspaß hat nicht nur für den eigenen Ruf seine Risiken. Wie zuvor in den englischsprachigen Ländern, wo die Biernominierung "Neknominate" heißt, verfallen auch hierzulande erste Spaßvögel darauf, besonders krasse Videos zu drehen. Statt Bier kommen härtere Getränke ins Spiel. In Irland starb vor wenigen Tagen ein junger Mann, der statt Bier einen halben Liter Whiskey getrunken hatte. Ein anderer ertrank, als er ein Neknominate-Video besonders spektakulär an einem Fluss inszenieren wollte.

Der Spaß kippt also gerade, es mehren sich Stimmen, die in der Eskalation der alkoholischen Blödelei eine lebensbedrohliche Gefahr sehen.

Doch es gibt Möglichkeiten, dabei zu sein und sich dem Saufspiel trotzdem zu verweigern: So konkurriert die Biernominierung inzwischen mit Challenges wie der "Fruchtzwerg-Nominierung" - man kann sich denken, wie die Regeln dafür aussehen. Im Grunde ist das die cleverste Weise, mit der Sache umzugehen: Die Welle einfach mit einer klugen Verweigerung umzulenken, vielleicht sogar eine eigene zu starten. Und natürlich eine, bei der man nicht zu Schaden kommt.

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 170 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hermes69 06.02.2014
1. Generation Null
Die Menschen haben außer Konsum einfach nix zu tun.
mkummer 06.02.2014
2. Ich sehe
das leider in meinem Umfeld auch vermehrt und finde, dass das eine der blödsten Aktivitäten auf Facebook in der letzten Zeit ist. Mit Spaß-Faktor hat das nichts zu tun.
brunfthuber 06.02.2014
3. Fruchtzwerge-Wettessen ist auch nur so lange lustig...
...bis einer den Joghurtbecher mitisst und stirbt!
s.ke. 06.02.2014
4. Sinnvolle Umwandlung
Ich habe schon einige Videos gesehen, die anstatt das Bier zu trinken, Geld gespendet haben. Und wenn es nur die 2 Euro sind, die Masse macht es hier wieder. Aber der Trend wird so schnell er gekommen ist auch wieder verschwinden.
penie 06.02.2014
5. Schlimm, schlimm.
Der Autor möge aber doch mal erklären, warum ein halber Liter Bier ein Problem sein soll. Mit einem halben Liter Whiskey geht das nicht. Auch nicht mit einem Fluss, denn der Nominierte wäre vermutlich auch mit Fruchtzwergen ertrunken. Die Botschaft gefällt mir jedenfalls gar nicht. A là "tut nichts Ungewöhnliches, denn Gefahren lauern überall". Die Gürtel- und Hosenträgerfraktion geht ihren Weg.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.