Pistolensymbol gegen Lehrerin Schüler muss für Facebook-Post zahlen

Bei Facebook postete ein 14-Jähriger ein Pistolenbild als Symbol gegen eine ungeliebte Lehrerin. Die meldete sich daraufhin monatelang krank. Das Land NRW verlangte von dem Jungen Schadensersatz - nun muss er zahlen.


Dieser Post bei Facebook wirkte bedrohlich: Aus Satzzeichen formte ein damals 14-jähriger Schüler aus der Nähe von Bonn eine Pistole - "extra nur" für seine verhasste Lehrerin, wie er dazu schrieb.

Einsehbar war die böse Statusmeldung vom März 2012 zwar nur für die Facebook-Freunde des Jungen. Doch schnell sprach sich der Post herum: Mitschüler erzählten der Schulleitung davon; als auch die Lehrerin von der stilisierten Waffe, die der Schüler ihr gewidmet hatte, erfuhr, meldete sie sich mehrere Monate lang krank. Das berichten unter anderem der Bonner "General-Anzeiger" und die Deutsche Presseagentur.

Eine Psychiaterin bescheinigte der Frau eine posttraumatische Belastungsstörung. Dem Land Nordrhein-Westfalen entstanden durch die lange Krankmeldung der Lehrerin hohe Kosten - und diese wollte sich das Land vom Schüler zurückholen: Insgesamt 14.377 Euro Schadensersatz forderte es von dem Teenager.

Die Lehrerin soll bereits vor dem Vorfall psychisch angeschlagen gewesen, berichten mehrere regionale Medien. Dennoch sei der Post die "wesentliche alleinige Ursache" des Dienstausfalls, befand die Psychiaterin der Frau. Das Land begründete damit die hohe Schadensersatzforderung.

"Aus erzieherischen Gründen"

Das Landgericht Bonn hielt diese Forderung jedoch für überzogen, wie sich nun in der Verhandlung zeigte. Das Gericht argumentierte, dass dem Schüler die Vorerkrankung offensichtlich nicht bekannt gewesen sei. Da der Schüler seinen Post nicht öffentlich einsehbar verfasste, hätte er auch nicht damit rechnen können, dass seine Lehrerin davon erfährt. Somit ist der Dienstausfall ihm auch nicht anzulasten.

Ungeschoren wollte das Bonner Landgericht den inzwischen 18-Jährigen aber nicht davonkommen lassen und schlug einen Vergleich vor - "aus erzieherischen Gründen", wie der "General-Anzeiger" den Richter zitiert.

Der ehemalige Schüler soll 1000 Euro an das Land zahlen. Dem stimmten alle Beteiligten zu. Der junge Mann hatte sich in der Verhandlung einsichtig gezeigt: Er habe "Scheiße gebaut", sagte er.

bkr

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 79 Beiträge
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syracusa 27.11.2015
1. keine Strafe!
Die Artikelüberschrift ist grob irreführend. Der (ehemalige) Schüler wurde nicht strafrechtlich verfolgt, er wurde deshalb auch nicht zu einer Strafe verurteilt, und auch nicht zu einem Ordnungsgeld. Er wurde noch nicht mal zivilrechtlich zur Leistung von Schadensersatz verurteilt, ein Verschulden des Schülers hat das Gericht verneint. Der Schüler hat sich - aus Einsicht in ein nicht strafwürdiges Fehlverhalten - aber in einem Vergleich zur Zahlung eines symbolischen Schadensersatzes von 1000 Euro bereit erklärt.
frenchie3 27.11.2015
2. Eine weise Entscheidung
Da im geschlossenen Bereich gepostet sollte sich der Junge seine Freunde besser aussuchen. Allerdings finde ich OK daß hier "gepetzt" wurde, schon zu viele Hirnkranke haben auf diese Weise übelste Taten angekündigt und dann auch getan. Besser einmal auf eine dämliche Idee reingefallen als am Ende eine Leiche. Aber eine unbekannte Vorerkrankung als erschwerenden Punktit zuzunehmen... Überlaßt das besser amerikanischen Gerichtsfilmen
mikado17 27.11.2015
3.
Als Lehrer braucht man auch Nehmerqualitäten! Gilt allerdings für alle Berufe wo überwiegend gemenschelt wird.
friedrichgadow 27.11.2015
4. Mobbing
ist immer verwerflich, ob nun unmittelbar (dann haette die Lehrerin es selber lessen koennen) oder mittelbar wie hier geschehen. Wann lernen meine lieben Mitforisten endlich, dass so etwas kein Kavaliersdelikt ist? Aber lehrerbashing ist bestimmt einfacher als das Entwickeln emotionaler Intelligenz oder das Wiederentdeckenn allgemeinverbindlicher Verhaltensregeln, die frueher jedes Kind kannte ("was Du nicht willst....").
Oldtimer 1 27.11.2015
5. Das ist ein Denkzettel und gut..............
aber wirkliche Feinde im Land können sich alles erlauben und werden, wie gerade in Berlin geschehen, ungestraft auf freien Fuß gesetzt. Das ist das großzügige Deutschland mit doch so kleinlichen Auslegungen gegenüber der eigenen Bevölkerung, die sich noch nicht einmal im eigenen Haus mit Pfefferspray gegen ertappte Einbrecher wehren dürfen, da diese Waffe nur gegen Tiere eingesetzt werden darf. Das ist das moderne Schilda, was sich täglich auch noch vergrößert.
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