Gefälschte Abschlusszeugnisse Falsche Lehrerin fliegt auf

Sie unterrichtete Deutsch und Politik in Mölln, sie korrigierte Klausuren und Klassenarbeiten, sie war längst verbeamtet. Jetzt stellt sich heraus: Sie hatte ihre Examenszeugnisse gefälscht und sich den Lehrer-Job erschlichen. Ihr Schulleiter kam der mutmaßlichen Hochstaplerin auf die Schliche.

Abiturienten (Symbolbild): Falsche Lehrerin unterrichtete jahrelang Gymnasiasten
DPA

Abiturienten (Symbolbild): Falsche Lehrerin unterrichtete jahrelang Gymnasiasten


Das Verhältnis zwischen dem Schuldirektor des Marion-Dönhoff-Gymnasiums in Mölln und einer Deutsch- und Politiklehrerin an seiner Schule war schon länger angespannt. Sie war wohl eine eher schwierige Kollegin, so ist zu hören, fehlte häufiger, gehörte nicht zu den Zuverlässigsten. Zudem fiel dem Schulleiter auf, dass die Examensnoten der Frau auffallend gut waren - was offenbar nicht zu seinem Bild von ihr passte.

Die Schulaufsicht wurde eingeschaltet, Akten gesichtet, schließlich kam heraus: Die Frau hatte ihre Abschlusszeugnisse gefälscht, hatte nie ein Staatsexamen bestanden. Das sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums von Schleswig-Holstein, er bestätigte damit Berichte von "Kieler Nachrichten", "Welt" und NDR.

Jahrelang war die mutmaßliche Hochstaplerin demnach ziemlich gut durchgekommen. Sie hatte kurz vor der Wende ihr Studium in den Fächern Deutsch und Staatsbürgerkunde in der DDR mit einem Diplom abgeschlossen. Irgendwann danach hat sie den Berichten zufolge sich selbst zwei weitere Zeugnisse angefertigt oder anfertigen lassen: Die falschen Dokumente bestätigten ihr herausragende Leistungen im ersten und zweiten Staatsexamen, die sie an einer Uni in Nordrhein-Westfalen absolviert haben will.

Damit ausgestattet begann sie ihre Schullaufbahn. Erst unterrichtete sie in Brandenburg, wurde verbeamtet, schied aber im Jahr 2000 aus unbekannten Gründen aus dem Beamtenverhältnis aus. Dann folgte ein neuer Anlauf in Berlin, zunächst als angestellte Lehrerin, schließlich wurde sie 2002 erneut verbeamtet. Im Jahr 2008 dann wechselte sie nach Schleswig-Holstein, wie Ministeriumssprecher Thomas Schunck sagte. Der NDR zitiert einen ehemaligen Schüler der falschen Lehrerin, der sagte, dass es seit Jahren Beschwerden von Eltern und Schülern über die Arbeit der Frau gegeben hatte.

Nachdem alles aufgeflogen war, wurde die Frau im Dezember 2012 zunächst suspendiert, im Februar verlor sie ihren Beamtenstatus. Jetzt muss sie damit rechnen, dass das Land ihre Bezüge der vergangenen Jahre zurückfordert. Ob die von ihr vergebenen Noten Bestand haben, ist unklar, aber wahrscheinlich.

otr



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insgesamt 40 Beiträge
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oybiner 30.04.2013
1. Der eigentliche Skandal ist..
Der eigentliche Skandal ist, das eine Staatsbürgerkundelehrerin aus der DDR in dem Staat verbeamtet wird, den sie ihren Schülern als großes bekämpfenwertes Feindbild dargestellt hat. Schüler, die der Darstellung damals nicht folgten hatten dann geringere Bildungschancen.
gandhiforever 30.04.2013
2. Ein kleines Problem
Man will von der Betruegerin die bezogenen Gehaelter zurueckverlangen, die von ihr vergebenen Noten sollen aber Bestand haben. Ich sehe das etwas, das nicht zusammenpasst. Wenn die Noten Bestand haben sollen, dann hat die Betruegerin doch eine Leistung erbracht. Bei einem "Richter" waere ganz klar, dass seine Urteile kassiert werden muessten. Warum dies bei einer "Lehrerin" anders sein sollte, verstehe ich nicht. Was, wenn diese Noten die Versetzung oder das Abitur verhindert haben? Entweder so, oder so, aber der fuer das Land bequemste Kompromiss scheint mir nicht gerade rechtens.
cosy-ch 30.04.2013
3. Verbeamtung
was ist eine Verbeamtung? Was ist der Unterschied zwischen so einem Anstellungsvertrag und der einer Lehrerin? Warum acht der Staat hier Unterschiede? Das es derLohn seinmuss nehme ich an. Aber auf der Gegenseite??
efka 30.04.2013
4. Gut oder Schlecht …
Zitat von sysopDPASie unterrichtete Deutsch und Politik in Mölln, sie korrigierte Klausuren und Klassenarbeiten, sie war längst verbeamtet. Jetzt stellt sich heraus: Sie hatte ihre Examenszeugnisse gefälscht und sich den Lehrer-Job erschlichen. Ihr Schulleiter kam der mutmaßlichen Hochstaplerin auf die Schliche. http://www.spiegel.de/schulspiegel/falsche-lehrerin-unterrichtete-jahrelang-an-gymnasium-in-moelln-a-897489.html
Hallo Lehrer … "falscher 50er" oder was ist los … Deutschlands Beamtenseelen kochen auf …*ob die nun gut oder schlecht war …*interessiert keinen … Warum auch …*es geht ja nur um Kinder … …*und um Leute, die ihren Job nicht machen …*Einstellungsunterlagen prüfen … efka
evilbernd 30.04.2013
5.
Zitat von efkaHallo Lehrer … "falscher 50er" oder was ist los … Deutschlands Beamtenseelen kochen auf …*ob die nun gut oder schlecht war …*interessiert keinen … Warum auch …*es geht ja nur um Kinder … …*und um Leute, die ihren Job nicht machen …*Einstellungsunterlagen prüfen … efka
Hallo wasauchimmer, anscheinend war doch die Frage, ob sie gut/schlecht war, entscheidend. Einfach mal den Artikel lesen. Die Frau ging dem Auffliegen wohl durch mehrfaches Wechseln aus dem Weg. Und nur so als Info: Wenn auf eine Stelle sich 20 Leute bewerben, dann kann man nicht erst bei Studiensaminar und Universität nachfragen, ob die Leute wirklich da waren. Eben dafür werden Zeugnisse ausgestellt. Wenn die Fälschungen dementsprechend gut waren, dass sie optisch nicht als solche erkannt wurden... hat eben die Nachforschung des Direktors für eine Überprüfung gesorgt. Halten wir also fest: Sie war schlecht, machte ihren Job nicht und fiel deswegen ihrem Direktor auf, der die Sache ins Rollen brachte. Also: Wo ist ihr Problem? (oder ist Textverständnis das Problem?)
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