Filmwissenschaft in echt Viel Theorie, wenig Praxis

Etwas anderes als Filmwissenschaft kam für Laura Czerny, 21, nie in Frage. Richtig pauken muss sie an der Uni Mainz selten - dafür hat sie in drei Semestern neben der Analyse von Kino und Fernsehen auch gelernt, kritische Fragen zu Berufsaussichten zu ignorieren.


"Wenn mich jemand fragt, ob ich ein genaues Berufsbild vor Augen habe, dann muss ich ganz klar sagen: nein. Im Moment habe ich noch das Gefühl, es kann mich überall hin verschlagen. Mein Beruf muss aber unbedingt mit Film zu tun haben. Das hört sich angesichts des angespannten Arbeitsmarktes vielleicht naiv an. Aber ich liebe Filme, das möchte ich mit meinem Beruf vereinbaren.

Laura Czerny, 21: Schöngeistiges im dritten Semester

Laura Czerny, 21: Schöngeistiges im dritten Semester

In Mainz studiere ich Filmwissenschaft auf Magister. Mein zweites Hauptfach ist Publizistik, das ist sehr viel trockener und bedeutet deutlich mehr Fleißarbeit. Die Filmwissenschaft aber bietet mir die Möglichkeit, mich intensiv und gezielt weiterzubilden, etwa in Filmgeschichte. Andere Kurse behandeln einen bestimmten Regisseur oder spezielle Epochen, denn die gibt es beim Film genauso wie in jeder anderen Kunst.

Anfangs sind vor allem Grundlagen wichtig - fast wie Vokabeln lernen. Um einen Film analysieren zu können muss man etwa den Unterschied zwischen einer Szene und einer Sequenz kennen. Hat man die Begriffe einmal verinnerlicht, war's das schon mit dem sturen Pflichtteil. Dann kommt die Kür.

Ein praktischer Kurs in acht Semestern

Wenn ich dann einem Dozent zuhöre, der vielleicht gerade etwas über den Regisseur Michael Mann erzählt, lebe ich meinen Traum. Es ist ein tolles Privileg, sich völlig frei mit dem zu beschäftigen, was einen interessiert. Wenn ich vergleiche, was meine beste Freundin in Biologie pauken muss, ist mein Studium schon echter Luxus.

Dafür halten andere mein Studium oft nur für Spielerei und nehmen es nicht ernst. Am Anfang hat mich das verunsichert. Heute interessiert mich die Meinung anderer nicht mehr, weil das Studium für mich persönlich perfekt ist.

Das geringe Praxisangebot ist allerdings frustrierend. Es wird lediglich am Ende des Grundstudiums der so genannte 'Filmische Modellversuch' angeboten, da können wir in Gruppen Drehbücher realisieren, also in Kurzfilme drehen. Plötzlich ist man ein Semester lang Drehbuchautor, Regisseur oder vielleicht sogar Kamerafrau. Darauf freue ich mich schon sehr. Mehr Praxis ist im Stundenplan leider nicht vorgesehen.

Ein Vorteil in Mainz ist immerhin der studentische Fernsehsender CampusTV. Der wird zwar von Profis betreut, aber die Sendungen gestalten die Studenten selbst. Wer Lust hat, kann einfach mitmachen. Ich habe gerade meinen ersten Beitrag fertig, zwei Minuten ist der lang. Ich war echt baff, wie viel Arbeit in so einem bisschen Fernsehen steckt.

Immerhin weiß ich jetzt, dass es mir mehr liegt, über Film oder Fernsehen zu schreiben, als selbst dort zu arbeiten. Wer weiß, vielleicht werde ich ja Filmkritikerin."

Aufgezeichnet von Mara Braun



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