US-Lehrer starten Netzkampagne Bewaffnet uns - mit Büchern, Zeit und Geld

Schulen wären sicherer, wenn mehr Lehrer Waffen trügen, sagt Donald Trump. Nun antworten ihm Tausende Lehrer im Netz: Ja, sie wollen aufrüsten - aber anders als es der US-Präsident wünscht.

Lehrerin auf Instagram
Instagram/missjohnstonsjourney

Lehrerin auf Instagram


"An dem Tag, an dem Lehrer im Unterricht Waffen tragen sollen, kündige ich meinen Traumjob", schreibt Lindsey Paull auf Instagram. Sie postete ein Foto von sich, auf dem sie ein Schild hochhält. "Bewaffnet mich mit Büchern", steht darauf, "denn Sechsjährige müssen lernen zu lesen, und nicht in der Schule Angst zu haben."

Die junge Grundschullehrerin aus Iowa ist eine von Tausenden US-Pädagogen, die sich im Netz gegen Donald Trumps Forderung wehren, mehr Lehrer zu bewaffnen. Nach dem Massaker an der Marjorie Stoneman Douglas High School in Florida hatte der Präsident verkündet, so die Sicherheit an Schulen verbessern zu wollen.

Unter dem Hashtag #ArmMeWith posten Lehrer seither Vorschläge, mit was sie lieber bewaffnet werden würden, um Amokläufe ihrer Schüler zu verhindern. "Bewaffnet mich mit den Ressourcen, um Schülern in Not zu helfen, und mit kleineren Klassen, damit ich meine Schüler besser kennenlernen kann", schreibt Englischlehrer Chris Peck aus Utah.

Eine Geschichtslehrerin fordert mehr Sozialarbeiter und mehr Zeit, um im Unterricht auch Lebensfragen zu behandeln, zum Beispiel ein respektvolles Miteinander.

Die Idee für die Aktion hatten laut Medienberichten zwei Englischlehrerinnen aus Kansas und Utah, die Kontakt zum Kollegium der Schule in Florida hatten, wo ein ehemaliger Schüler am Valentinstag mit einem Sturmgewehr um sich schoss und 17 Menschen tötete.

"Wenn ich einen Job gewollt hätte, in dem ich eine Schusswaffe tragen soll, hätte ich einen anderen Karriereweg eingeschlagen", sagte die Initiatorin Brittany Wheaton dem Sender CNN. Lehrer trügen bereits eine große Last, weil sie Kinder ausbilden und emotional betreuen müssten, obwohl dafür oft das Geld und die Ressourcen fehlten. "Uns zu bitten, auch noch die Verantwortung zu tragen, jemanden zu töten, ist schädlich, auch wenn wir niemals abdrücken müssten."

Lehrer können sich bei Google eine Vorlage für das Schild herunterladen, um bei der Kampagne #ArmMeWith mitzumachen. Dem CNN-Bericht zufolge hatten sich in den ersten 48 Stunden bereits mehr als 5000 Pädagogen an der Aktion beteiligt.

lov



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