Schülerprotest gegen Waffengesetze "Bin ich der Nächste?"

Sie liegen auf dem Gehweg, die Arme über der Brust verschränkt - wie Tote. Dutzende Schüler haben vor dem Weißen Haus erneut für eine Verschärfung der Waffengesetze demonstriert.

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Bin ich der Nächste? Diese Frage beschäftigt derzeit Tausende Schüler und Studenten in den USA. In der vergangenen Woche hatte ein 19-Jähriger 17 Menschen an seiner ehemaligen Schule in Parkland, Florida, erschossen. Seitdem nehmen die Proteste gegen die laxen Waffengesetze in den USA zu.

Am Montag versammelten sich Dutzende Schüler und Studenten vor dem Weißen Haus in Washington D.C. Sie legten sich auf den Gehweg, verschränkten die Arme über der Brust und stellten sich tot. Damit fordern sie von US-Präsident Donald Trump medienwirksam eine Verschärfung der Waffengesetze.

Lehrer und Eltern unterstützten den Protest, der von einer Gruppe namens Teens for Gun Reforms organisiert wurde. Laut Medienberichten beteiligten sich mehrere Hundert Menschen.

Auch in den sozialen Netzwerken fordern derzeit Zehntausende Jugendliche zu landesweiten Protestaktionen auf. "Never again!" - "Nie wieder!": Unter diesem Hashtag hat eine Schülerin eine Seite auf Facebook eingerichtet, auf der sich Jugendliche organisieren können.

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Porteste in Washington D.C.: Nie wieder!

"Hallo Leute, ich bin's, Sofie", schreibt die 17-jährige Initiatorin. Für den 24. März kündigte sie eine große Kundgebung in Washington D. C. an, der sich auch andere Städte und Gemeinden anschließen sollen. "Wir marschieren für das Leben unserer Kinder, in der Vergangenheit, der Gegenwart, der Zukunft. Wir sind die Revolution. Schließ dich uns an", schreibt die Schülerin auf Facebook. Ihr Ziel: Keine Stadt solle mehr so trauern müssen wie Parkland in Florida. Die Seite wurde bereits mehr als 80.000 Mal gelikt.

Außerdem ruft die 15-jährige Lane Murdock alle Schüler in den USA auf, am 20. April ihre Schule zu verlassen und gegen Waffengewalt zu protestieren. An dem Tag jährt sich der Amoklauf an der Columbine High School von 1999, bei dem zwei Schüler 13 Menschen töteten. Die Online-Petition wurde bereits von mehr als 70.000 Menschen unterzeichnet.

Mehrere Schüler der Marjory Stoneman Douglas High School, an der der Amoklauf stattfand, hatten den US-Präsidenten zuvor scharf kritisiert. Schülerin Emma Gonzalez warf Trump vor, Spendengelder in Höhe von 30 Millionen von der US-Waffenlobby NRA angenommen zu haben.

Trump hat signalisiert, dass er zu Änderungen an US-Waffengesetzen bereit ist. Demnach will er eine schärfere Kontrolle von Waffenkäufen prüfen lassen. Außerdem ist für Mittwoch ein Treffen zwischen dem US-Präsidenten und Schülern geplant, wie das Weiße Haus mitteilte.

Ob an dem Treffen auch Schüler aus Parkland teilnehmen werden, ist unklar. Am Tag darauf will Trump sich mit Beamten des Staates Florida und Gemeindevertretern treffen, um über Schulsicherheit zu reden.

koe

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zynik 20.02.2018
1. Respekt
Man kann den Schülern nur zu ihrem Engagement gratulieren und ihnen viel Energie wünschen. Hoffen wir, dass hier eine neue rebellischere Jugend entsteht, die sich wehrt anstatt mit dem Strom zu schwimmen und sich von Rattenfängern blenden zu lassen.
Atheist_Crusader 20.02.2018
2.
Zitat von zynikMan kann den Schülern nur zu ihrem Engagement gratulieren und ihnen viel Energie wünschen. Hoffen wir, dass hier eine neue rebellischere Jugend entsteht, die sich wehrt anstatt mit dem Strom zu schwimmen und sich von Rattenfängern blenden zu lassen.
Der demographische Wandel ist schon längst in Gange. Die Jugend ist sich zunehmend bewusst was außerhalb der Grenzen vorgeht und ist nicht länger bereit sich mit tumben "Linke Politik ist Stalinismus!"-Lügen die selbe Rechte verwehren zu lassen die für andere moderne Industrienationen längst selbstverständlich sind (Krankenversicherung, bezahlbare Bildung, Arbeiterrechte, bezahlter Urlaub, ...). Der Anteil ethnischer Minderheiten wie Schwarzen und Latinos wächst und die stimmen traditionell auch weniger rechts (es waren die schwarzen Wähler - speziell die weiblichen - die Roy Moore in Alabama verhindert haben). Den Republikanern gehen so langsam die Wähler aus. Noch klammern sie sich an die Macht mit Gerrymandering und Ausweisgesetzen (die angeblich den nicht existenten Wahlbetrug beenden sollen aber faktisch vor allem ärmere Gruppen von der Wahl ausschließen) - aber das wird nicht ewig so weitergehen können. Wenn sie es nicht schaffen neue Wählerschichten für sich zu gewinnen (und das hat man sich mit seiner Xenophobie, seiner eigeneartigen Definition von Moral und genereller Borniertheit und Fortschrittsfeindlichkeit ziemlich schwierig gemacht), dann werden die Republikaner irgendwann in die Bedeutungslosigkeit verfallen. Die letzten zwei republikanischen Präsidenten wären nicht ins Amt gekommen wenn es nach reiner Stimmenzahl gegangen wäre - die hatten ihren Sieg nur dem Electoral College zu verdanken. Es besteht also durchaus Hoffnung.
MisterD 20.02.2018
3. Ja Respekt...
allerdings stellt das eben nur das halbe Bild der USA dar. Das ist ungefähr so, als würde man in Deutschland über die 0 Promillegrenze debattieren. Stadt gegen Land, Bayern gegen den Norden, usw. Denn mit den Realitäten im Mittleren Westen, im Süden und den Mountain States hat das wenig zu tun. Dort ist die Bevölkerung ländlich geprägt, nicht städtisch wie an der US-Ostküste. Und vor allem: Die Republikaner gewinnen genau dort ihre Wahlen... Ich halte es für eine Illusion zu glauben, dass nun tatsächlich die Einschnitte gemacht werden, die nötig wären, um solche Massaker in Zukunft zu verhindern. Denn eine zärtliche Beschränkung von Waffenverkäufen löst die Probleme nicht. Möglicherweise muss man einen Waffenschein beantragen, so what? Den kriegt selbst hier in Deutschland fast jeder, sofern er nicht gerade verurteilter Bankräuber ist... Außerdem holt es nicht die vielen Millionen Schusswaffen zurück, die sich bereits in US-Haushalten befinden und die vor der Verschärfung des Waffenrechts noch hinzukommen werden... Schusswaffen gehören für weite Teile der Bevölkerung nunmal zur US-amerikanischen Identität... genauso wie in Bayern Bier als Grundnahrungsmittel gesehen wird, welches man in einigen Firmen sogar in Getränkeautomaten kaufen und auf dem Firmengelände konsumieren darf...
rambazambah 20.02.2018
4. Erschreckend leicht zu bekommen
Vor nunmehr 20 Jahren war ich beim Schüleraustausch in Colorado - ein Jahr vor Columbine, eine Ortschaft weiter. Selbst mir als unbedarfter Teenager waren die vielen verfügbaren Waffen nicht geheuer. In jeder Mall gab es mindesten ein Waffengeschäft. Da hingen an den Wänden Lang- und Kurzwaffen, Schnellschussgewehre, wie im Geschäft nebenan die Klamotten. Und jeder konnte dort hinein gehen und ab 18 konnte sich jeder eine kaufen, oder zwei, oder drei. Ich stand vor einem Regal voller riesengroßer schwarzer Ballermänner und dachte nur "Krass!". Und das war ein ängstliches krass, denn ich schieße selbst und bei uns auf dem Land hat auch fast jeder ein Luftgewehr und ich habe als Kind auch mit Papa auf Coladeckel geschossen. Natürlich ist ein Luftgewehr auch eine Waffe, aber töten kann man damit niemanden und niemals haben wir auf Tiere oder Vögel geschossen wie viele Idioten es hierzulande auch immer wieder tun. Aber die uneingeschränkte Verfügbarkeit von Tod in den USA hat mich wirklich erschreckt. Das Recht auf Waffenbesitz stammt aus einer Zeit in der man seine Farm tatsächlich vor Dieben oder wilden Tieren schützen musste. Aber wir leben im Jahr 2018 und Viehdiebe sollten nun nicht mehr als Begründung vorgeschoben werden. Ich hoffe, dass die Schüler dran bleiben und mit Durchhaltevermögen und Hartnäckigkeit ein Umdenken in der Politik bewirken, damit diese freie Verfügbarkeit endlich massiv eingeschränkt wird.
charlybird 20.02.2018
5. Die Schüler
mögen vielleicht einen kleinen Stein ins Rollen bringen und die Aktion ist einer von vielen Lichtblicken in Amerika den Waffenwahn betreffend, aber sie werden die Macht der Waffenindustrie, als auch die der NRA kaum ins Wanken bringen. Da ist mein Optimismus doch sehr gedämpft. Zum einen ist der Bible Belt ein konservativer Garant und alle Süd- und im weitesten Sinne ''Todestrafenstaaten'' werden weiterhin auf ihr Waffenrecht pochen. Es ist vielfach das letzte, was den Menschen an geglaubter Freiheit bleibt, nämlich die Freiheit sich erschießen lassen zu können oder eben nicht, wenn man schneller ist.:-) Die Statistiken interessieren da auch nicht, was zählt ist das Ich. Genauso wie das Ich, dass entscheiden möchte, wem sozial und gesellschaftlich geholfen wird oder wer bspw. eine kostenlose Operation erhält. Und genau diese Haltung und die Macht der Waffenlobby wird da in den nächsten Jahren nichts am Status Quo ändern. Auf, auf zum nächsten Amoklauf.
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