Schüler über Flüchtlinge an Schulen Die Skepsis lässt nach

Wie gut kann die Integration von Flüchtlingen an deutschen Schulen klappen? Forscher haben dazu jetzt diejenigen befragt, die das System von innen kennen: Schüler, Studenten und Berufsanfänger.

Geflüchtete Schülerinnen in der Peter-Ustinov-Schule in Hannover
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Geflüchtete Schülerinnen in der Peter-Ustinov-Schule in Hannover

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Einige hunderttausend Kinder und Jugendliche, die nach Deutschland geflohen sind, wurden allein im vergangenen Jahr an deutschen Schulen eingeschult. Viele Lehrer geben ihr Bestes, damit die neuen Schüler schnell Deutsch lernen und sich in der Schule integrieren können. Wie gut kann das aus Sicht der deutschen Mitschüler gelingen?

Das Forsa-Institut hat dazu in einer repräsentativen Studie mehr als 1000 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 21 Jahren befragt. Sie sollten aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen einschätzen, inwieweit das deutsche Schulsystem angesichts der Kinder und Jugendlichen, die als Flüchtlinge in die Bundesrepublik gekommen sind, auf eine wachsende Zahl von Schülern mit Migrationshintergrund vorbereitet ist.

Das Ergebnis: Die Mehrheit der Befragten bleibt zwar skeptisch - aber 37 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen glauben, dass das deutsche Bildungssystem gut oder sehr gut vorbereitet ist. Der Optimismus unter Schülern ist damit größer als im Vorjahr, als noch 24 Prozent dieser Ansicht waren.

In der Gruppe der Haupt- und Realschüler ist die Zuversicht am größten. Hier hält mehr als die Hälfte der Befragten das deutsche Schulsystem für gut oder sehr gut vorbereitet - ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 2015. Außerdem waren im Vorjahr vor allem Schüler mit Migrationshintergrund dieser Meinung. Inzwischen sind der Studie zufolge alle gleich zuversichtlich. Schüler insgesamt sind demnach außerdem optimistischer als Studenten und Erwerbstätige.

Kleinere Klassen, mehr Fortbildungen, mehr Dolmetscher

Die Mehrheit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeigt sich dennoch kritisch - und sieht an verschiedenen Stellen Verbesserungsbedarf:

32 Prozent der Befragten, in deren Augen das deutsche Schulsystem nicht so gut oder eher schlecht auf eine wachsende Anzahl von Schülern mit Migrationshintergrund vorbereitet ist, meinen: Es müsste einen höheren Betreuungsschlüssel geben, zum Beispiel durch eine größere Anzahl an Lehrern beziehungsweise durch kleinere Klassen.

25 Prozent finden: Lehrer sollten durch Schulungen besser auf den Umgang mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen vorbereitet werden. 21 Prozent halten es für wichtig, Lehrer oder Dolmetscher mit passenden Sprachkompetenzen wie Englisch oder Arabisch einzustellen. 18 Prozent meinen, dass Deutschkenntnisse der Schüler mit Migrationshintergrund zum Beispiel durch zusätzliche Sprachkurse gefördert werden sollten.

Was das Miteinander von deutschen und nicht-deutschen Schülern betrifft, sehen die Befragten allerdings sehr wenige Probleme. Die überwiegende Mehrheit gab an, gut oder sehr gut mit ihren Mitschülern mit Migrationshintergrund auszukommen: 89 Prozent.

Hälfte der Schüler glaubt nicht an Chancengleichheit

Forsa hat die Umfrage im Auftrag des Stifterverbandes, der SOS-Kinderdörfer weltweit und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) erstellt. "Die Meinungen junger Menschen sind sehr wertvoll für unsere Arbeit", sagte Heike Kahl, Geschäftsführerin der DKJS. "Sie kennen die Herausforderungen, aber auch funktionierende Ansätze und können uns als Experten Impulse für das Bildungssystem geben."

Alljährlich werden die Schüler deshalb auch nach ihrer Einschätzung zur Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem befragt. In diesem Jahr zeigten sich die Jugendlichen ähnlich skeptisch wie 2015. Etwas mehr als die Hälfte glaubt der Studie zufolge nicht an Chancengleichheit. Dabei gibt es je nach Alter und Schulform aber große Unterschiede. So schätzen zum Beispiel mehr als zwei Drittel der Haupt- und Realschüler die Bildungschancen von allen gleich ein.

Verschiedene Faktoren sind nach Ansicht der Jugendlichen entscheidend dafür, ob sie schulischen Erfolg haben oder nicht:

Rund 90 Prozent glauben jeweils, dass die eigene Motivation, die Zuwendung und Unterstützung der Eltern sowie die Qualität der Schule und Lehrer die Bildungschancen beeinflusst. Etwa die Hälfte hält die Bildung der Eltern für entscheidend, nur knapp ein Drittel findet jedoch die kulturelle Herkunft der Eltern wichtig.

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