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07. April 2016, 16:15 Uhr

Flüchtlinge 

Lehrerverband fordert Turnhallen zurück

Flüchtlinge raus, Schüler rein: Turnhallen sollen wieder für den Sportunterricht genutzt werden, fordert der Philologenverband. In Berlin und Nordrhein-Westfalen stößt die Forderung auf Unverständnis.

Wenn es nach dem Willen des Deutschen Philologenverbandes geht, sollen alle mit Flüchtlingen belegten Schulturnhallen kurzfristig geräumt werden. "Die Belegung von Turnhallen darf keine Dauerlösung sein", mahnt der Vorsitzende des Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, in der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Gebäude müssten für den Sportunterricht freigegeben werden.

Meidinger zufolge können bundesweit rund tausend Turnhallen wegen der Unterbringung von Flüchtlingen nicht für den Sportunterricht genutzt werden. Dadurch seien seit September 2015 etwa 50.000 Sportstunden ausgefallen oder konnten nur mit starken Einschränkungen erteilt werden, kritisiert der Verbandsvorsitzende. Vor allem in Berlin und in Nordrhein-Westfalen seien immer noch viele Hallen belegt. Und manche müssten renoviert werden, weil zum Beispiel Betten aus Metall die Spezialböden beschädigt hätten.

"Jetzt ist es an der Zeit, Notlösungen zu beenden", sagt Meidinger und verweist auf sinkende Flüchtlingszahlen: Im März wurden in Deutschland rund 20.000 neue Flüchtlinge registriert. Im Februar waren es noch etwa 61.000, im Januar fast 92.000.

Berlin: "Wir brauchen die Turnhallen noch"

In Berlin und Nordrhein-Westfalen stößt Meidingers Forderung auf Unverständnis. Dass die Turnhallen schnellstmöglich geräumt werden sollen, sei ohnehin Konsens, heißt es aus den Behörden der Länder. In der Hauptstadt könne man aber noch nicht auf die Hallen verzichten. "Es kommen weiterhin jeden Tag Flüchtlinge nach Berlin", sagt Regina Kneiding, Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales. "Wir brauchen die Turnhallen noch für die Flüchtlinge, auch als Reserve. Wir können derzeit nicht prognostizieren, wie viele Menschen noch kommen." In den Flüchtlingsunterkünften gebe es bisher nur einen Leerstand von vier Prozent. "Das reicht nicht."

Von rund tausend Berliner Turnhallen sind derzeit lediglich 63 mit Flüchtlingen belegt - und diese gehören nicht alle zu Schulen. "Wir hatten im vergangenen Jahr keine Alternative. Die Menschen wären sonst obdachlos gewesen", so die Sprecherin. Ab Juni sollen die Flüchtlinge nach und nach in andere Unterkünfte ziehen, die gerade aufgebaut werden.

In Nordrhein-Westfalen hat man bereits angefangen, Turnhallen nach und nach wieder für den Sportunterricht freizugeben. "Aktuell werden weniger Plätze für Flüchtlinge gebraucht und deshalb auch abgebaut", sagt eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Innenminsteriums.

Schon im Dezember 2015 hat das Land demnach per Erlass verfügt, Plätze vorwiegend in Schul- und Vereinssporthallen aufzugeben. Seitdem habe man die Nutzung von Sporthallen um die Hälfte reduziert. Derzeit werden vom Land noch 46 Schulsporthallen vom für die Erstaufnahme von Flüchtlingen genutzt. 25 sollen bis Ende April freigegeben werden. Zusätzlich könnten allerdings weitere Sporthallen von Kommunen belegt sein.

fok/dpa

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