Studie zu Schulnoten Eltern meckern trotz Einsen und Zweien

In vielen Familien sorgen schlechtere Schulnoten für Streit - selbst wenn die Kinder insgesamt leistungsstark sind. Das hat eine Eltern-Umfrage ergeben.

Eine Schülerin der Linnéschule in Frankfurt am Main versteckt ihren Kopf hinter ihrem Zeugnis (Symbolbild)
dpa

Eine Schülerin der Linnéschule in Frankfurt am Main versteckt ihren Kopf hinter ihrem Zeugnis (Symbolbild)


In den meisten Bundesländern steht die Vergabe der Zeugnisse zum Halbjahreswechsel kurz bevor - und damit auch jede Menge Ärger zwischen Kindern und Eltern. In 41 Prozent der Familien führen schlechtere Schulnoten zu mieser Stimmung, in jeder zehnten Familie kommt es sogar zum Streit. Das ist das Ergebnis einer forsa-Umfrage im Auftrag des Nachhilfeinstituts Studienkreis. Krach gibt es demnach sogar bei Schülern mit überwiegend guten Noten.

Das Forschungsinstitut forsa hatte für die Studie im Dezember 2016 bundesweit rund 1000 Eltern im Alter von 25 bis 59 Jahren mit schulpflichtigen Kindern befragt. Von denjenigen, bei denen schlechtere Schulnoten zu Spannungen führen, gab fast jeder Dritte an, dass im letzten Zeugnis seines Kindes überwiegend Einsen und Zweien standen. Dieses Ergebnis zeuge von einer "hohen Erwartungshaltung" der Eltern, meinte Max Kade, pädagogischer Leiter beim Studienkreis.

Nachhilfe auch für Einserschüler

Viele Eltern wollen sich der Studie zufolge mit den derzeitigen Leistungen ihrer Kinder noch nicht zufrieden geben. Knapp drei Viertel der Befragten fördern ihr Kind, um seine schulischen Leistungen zu verbessern - und auch bei ohnehin überwiegend guten Noten.

Knapp ein Viertel der Mütter und Väter, deren Kind im letzten Zeugnis überwiegend Einsen und Zweien hatte, investierte der Umfrage zufolge in Nachhilfe. Rund die Hälfte der Eltern gab an, dem Kind selbst zu helfen.

Eltern streiten auch untereinander über schlechte Zensuren

In manchen Familien sorgt das Notenthema der Umfrage zufolge ständig für Ärger. Auf die Frage wie häufig schlechtere Noten Ursache für Streit oder schlechte Stimmung in der Familie seien, antworteten 7 Prozent der Befragten, dies komme fast jede Woche vor. 38 Prozent der Betroffenen sagten, dies sei mindestens einmal im Monat der Fall.

Bei der Mehrheit, 60 Prozent, führen schlechte Noten allerdings selten zu Diskussionen, zum Beispiel nur bei der Zeugnisvergabe. Kommt es zum Krach, löst er in einem Drittel der Familien auch Konflikte unter den Eltern aus. Mütter und Väter streiten dann über die schlechte Zensur von Sohn oder Tochter.

Streit um Noten müsse nicht unbedingt schlecht sein, findet Kade. Er könne durchaus nützen, wen sich Eltern und Kinder dabei über schulische Anforderungen und Ziele austauschten. "Sich aber bei schlechten Noten in gegenseitigen Vorwürfen zu verzetteln, bringt nichts und kostet viel Energie und Motivation", warnte er.

fok



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