Fotoprojekt mit Vätern und Töchtern Papa, was ist eigentlich Feminismus?

"Eine Frau gehört in die Küche!" Was denken Kinder über diesen Satz? Das wollten die Fotografen Sham Hinchey und Marzia Messina wissen - und ließen dafür Väter und Töchter über die Rolle der Frau diskutieren.

SHAM HINCHEY & MARZIA MESSINA

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Die Fotografen Sham Hinchey und Marzia Messina arbeiten nicht nur zusammen, sondern sind auch im Privatleben ein Paar und haben eine gemeinsame Tochter. Gespräche mit der zehnjährigen Penelope brachten die beiden auf die Idee für ihr Film- und Fotoprojekt "Dear Daughters", bei dem sie Väter und Töchter mit Fragen zum Thema Feminismus konfrontierten.

"Durch Penelope haben wir gesehen, wie Kinder dieses Alters anfangen, Fragen zu sozialen Themen zu stellen", sagt Messina. " Es ist interessant, ihnen dabei zuzusehen, wie sie Nachrichten verarbeiten und versuchen, Ereignisse zu verstehen, die in ihren Köpfen absurd oder ungerecht erscheinen."

Hinchey und Messina trafen 22 Väter mit ihren acht- bis elfjährigen Töchtern und ließen sie ein Spiel rund ums Thema Feminismus spielen - ein erfundenes Brettspiel, mit dem sie das Gespräch erleichtern wollten.

"Nenne eine Frau, die du bewunderst"

Das Spiel beinhaltet handgezeichnete Karten, die Hinchey und Messina gemeinsam mit ihrer eigenen Tochter entwarfen. Darauf schrieben sie Sätze wie: "Nenne eine Frau, die du bewunderst", oder "Welches neue Gesetz, das Frauenrechte schützt, sollte es geben?"

Die im Anschluss an das Spiel entstandenen Fotografien erinnern an alte Familienporträts: ein dunkler Raum, ein Teppich und ein Sessel. Doch nicht immer sitzen nur die Väter und stehen die Töchter artig daneben. Stattdessen lungern die Mädchen auch mal auf dem Polster und die Väter liegen oder knien auf dem Boden zu ihren Füßen, mal teilen sie sich die Sitzgelegenheit. "Dadurch zeigt sich die Vertrautheit der heutigen Beziehungen zwischen Vater und Tochter im Gegensatz zu früher", sagt Messina.

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8  Bilder
Gespräche zwischen Vätern und Töchtern: "Männer und Frauen sollten gleich behandelt werden"

Auch Hinchey und seine Tochter machten selbst bei dem Projekt mit. "Männer reichen solche Gespräche oft an die Mutter weiter", sagt er. "Aber wenn wir uns als Väter darauf einlassen, kann das unsere Beziehung zu unseren Kindern stärken."

Viele der Teilnehmer hätten trotz aller Nähe vorher noch nie mit ihren Eltern oder Kindern über diese Themen gesprochen, sagen die Fotografen. Es sei für beide Seiten ein Lernprozess gewesen. Einige der Väter hätten durch ihre Töchter neue Sichtweisen kennengelernt. "Wir wollen erreichen, dass Männer sich mithilfe ihrer Töchter in die Schwierigkeiten einer Frau einfühlen - und etwas an deren Situation ändern wollen."

Die Mädchen konnten Fragen stellen, die ihnen sonst nicht in den Sinn gekommen wären oder die sie sich nie getraut hatten zu stellen. "Kinder sollen erfahren, was der Feminismus in den letzten hundert Jahren bewirkt hat, welche Rechte Frauen gewonnen haben und welche noch erreicht werden müssen", sagt Messina.

Die Fotografen wollen nicht nur ein Buch zu dem Projekt herausbringen, sondern auch das selbst entworfene Spiel veröffentlichen: "Wir hoffen, Familien damit dazu anzuregen, ein offenes Gespräch über Gleichberechtigung zu führen."

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