Frankreich Todesdrohungen gegen Lehrer nach Islam-Kritik

In einem Zeitungsbeitrag hat ein französischer Philosophielehrer scharfe Kritik am Islam geübt. Danach erhielt er Todesdrohungen per E-Mail. Jetzt steht er unter Polizeischutz an einem geheimen Ort.


Toulouse - Der 52-jährige Lehrer Robert Redeker aus dem Ort Saint-Orens-de-Gameville bei Toulouse hatte in der Pariser Tageszeitung "Le Figaro" unter dem Titel "Was muss die freie Welt angesichts der islamistischen Einschüchterungen tun?" scharf gegen den Koran und den Propheten Mohammed Position bezogen. Nach der Veröffentlichung seines Textes am Dienstag vergangener Woche erhielt er noch am selben Tag E-Mails mit Todesdrohungen, wie der Direktor des Gymnasiums und die Polizei am Donnerstag mitteilten. Die Drohungen seien "offenbar relativ schwer wiegend", sagte der Schulleiter.

Die Ausgabe des "Figaro" mit dem Islam-kritischen Beitrag war in Tunesien verboten worden. Zum Unterricht erschien der Lehrer seitdem nicht mehr und steht jetzt unter Polizeischutz an einem geheim gehaltenen Ort. Post an Redeker wird gefiltert, die Sicherheitsvorkehrungen am Gymnasium mit etwa 1500 Schülern und 130 Lehrern wurden verstärkt.

Redeker hatte in seinem Beitrag zur Debatte um die Islam-Äußerungen von Papst Benedikt XVI. unter anderem geschrieben, dass Mohammed "ein Meister des Hasses" sei und im Koran "Hass und Gewalt" ihren Platz hätten. Das Verbot von String-Tangas beim Strandbad-Fest Paris Plages im vergangenen Sommer kritisierte Redeker als "Islamisierung der Geister in Frankreich"; es bedeute eine "mehr oder weniger bewusste Unterwerfung unter die Diktate des Islam". Die öffentliche Ordnung in Frankreich werde eher durch das Tragen von Kopftüchern auf der Straße gestört als durch String-Tangas.

jol/dpa/AFP

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