Freiwilligendienst in KZ-Gedenkstätte "Das Kapitel Rassismus ist noch nicht abgeschlossen"

Von Lea Deuber

2. Teil: Simon Rebiger, 20 - "Manchmal ertrage ich den Anblick der Öfen nicht"


Friedemann Wulff-Woesten

Manchmal halte ich es nicht aus, vor den Öfen zu stehen. Obwohl ich bei Führungen schon sehr oft in die Krematorien gegangen bin, kann ich an manchen Tagen nicht anders, als abseits auf meine Besuchergruppe zu warten.

Die KZ-Gedenkstätte beschäftigt mich. Das hört nicht auf, wenn ich das Büro abschließe. Ich versuche deshalb, zu Hause nicht über das Thema zu sprechen. Trotzdem bin ich froh, dass ich meinen Freiwilligendienst in Theresienstadt leisten kann (mehr zum KZ Theresienstadt auf Wikipedia hier).

Ich habe von meinen Eltern gelernt, für eine Meinung einzustehen und dafür zu kämpfen. Sie haben in der DDR studiert und Schwierigkeiten bekommen, weil sie ihre Meinung gesagt haben. Meine Mutter ist Pfarrerin, mein Vater ist Judaist und arbeitet an der FU in Berlin. Wir sprachen zu Hause häufig über den Nationalsozialismus.

Theresienstadt liegt ungefähr eine Stunde von Prag entfernt. Am 1. September habe ich hier meinen Freiwilligendienst angefangen. Gemeinsam mit einem gleichaltrigen Kollegen aus Österreich bin ich für die deutschsprachigen Besuchergruppen verantwortlich, meist sind es Schüler.

Die Besucher erwarten in Theresienstadt ein Konzentrationslager mit Baracken, Stacheldraht und Gaskammern. Theresienstadt war zwar ein Konzentrationslager, aber kein Vernichtungslager. Die Nazis zwangen die Häftlinge zur Arbeit. Viele sind verhungert oder an Krankheit und Erschöpfung gestorben. Ab 1942 waren es so viele, dass ihre Leichen in Krematorien verbrannt wurden. Die noch Lebenden haben die Nazis deportiert, meist nach Auschwitz.

"Das Leben geht weiter, der Baum wird wachsen"

Häufig fragen die Besucher, warum die Häftlinge keinen Aufstand gewagt haben. In Theresienstadt gab es Hoffnung. Die Menschen glaubten, dass sie an diesem Ort überleben könnten. Sie sahen zwar die Menschen, die nach Auschwitz deportiert wurden, aber sie konnten sich nicht vorstellen, wohin sie fuhren.

Ich erzähle gern vom passiven Widerstand in der Stadt selbst. Dort gab es viele Aktionen, wie geheime Gottesdienste und Schulunterricht. Für mich ist der Jüdische Friedhof Theresienstadt der eindrücklichste Ort im Ghetto. Dort stand bis 2005 ein Ahornbaum. Er wurde von Ghettokindern unter der Anleitung von Irma Lauscherová gepflanzt, die den heimlichen Unterricht in der Stadt organisiert hat. "Das Leben geht weiter, der Baum wird wachsen", soll sie gesagt haben.

Das ist ein Ort, der mir viel Kraft gibt, weiterzumachen. Er ist ein Symbol für alle Kinder, die gelitten und nicht überlebt haben. Der Baum ist zwar vor sieben Jahren abgestorben. Aber es gibt einen Ableger. Und der wächst.

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Seite 1
xmix 31.05.2012
1.
Zitat von sysopREUTERSKZ-Gedenkstätten sind Orte des Grauens. Simon, Tomke, Larissa, Janina und Veit sind täglich dort: Ein Jahr lang verrichten sie einen Freiwilligendienst in Theresienstadt, Dachau oder Osthofen. Hier erzählen sie, was sie antreibt. http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,834498,00.html
Sehr bemerkenswert und beeindruckend was die jungen Leute da leisten!
frubi 31.05.2012
2. .
Zitat von sysopREUTERSKZ-Gedenkstätten sind Orte des Grauens. Simon, Tomke, Larissa, Janina und Veit sind täglich dort: Ein Jahr lang verrichten sie einen Freiwilligendienst in Theresienstadt, Dachau oder Osthofen. Hier erzählen sie, was sie antreibt. http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,834498,00.html
Rassismus wird es immer geben. Genauso wie Terrorismus. Es mag eine schöne Vorstellung sein, dass es solche Dinge nicht mehr auf der Welt geben wird aber es ist naiv.
gemamundi 31.05.2012
3. Mit voller tiefer Dankbarkeit ....
Bin voller ehrlicher echter tiefer Dankbarkeit für diese jungen Menschen,die Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens verstanden und verinnerlicht haben : Meine Mutter wurde 1945 von den Briten aus dem KZ Bergen-Belsen befreit. Sie war dahin verschleppt worden,weil sie junge deutsche Jüdin - oder jüdische Deutsche war. Selbst bin ich 1955,10 Jahre nach der Befreiung,in HH geboren worden.Dennoch erfuhr ich stets - in bdeutend geringerem Ausmaß als die ins KZ verschleppten Menschen,was auch hier noch in Europa Vorurteile anrichten = Lebe seit meinem 14.ten lebensjahr offen und öffentlich schwul,habe später viele Jahre lang mit meinem muslimischen und aus Palästina stammenden Mann gemeinsam gelebt ( bis zu seinem zu frühen Tod 1997 ) und habe stets nach besten Möglichkeiten und Bewußtsein auch offen politisch gehandelt - selbst in meinen Berufen; bin Dramaturg,Schauspieler,usw....Bin alt und er-lebenserfahren genug zu wissen, das die Annahme der Vergangenheit gut und notwendig ist,um die Zukunft - sei es 'nur' die eigene - zu sichern.... Danke für diesen Bericht. Danke diesen Menschen für deren Arbeit ! Shalom & Salam & Pace ...
sara100 31.05.2012
4. Sehr bewegend
Zitat von gemamundiBin voller ehrlicher echter tiefer Dankbarkeit für diese jungen Menschen,die Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens verstanden und verinnerlicht haben : Meine Mutter wurde 1945 von den Briten aus dem KZ Bergen-Belsen befreit. Sie war dahin verschleppt worden,weil sie junge deutsche Jüdin - oder jüdische Deutsche war. Selbst bin ich 1955,10 Jahre nach der Befreiung,in HH geboren worden.Dennoch erfuhr ich stets - in bdeutend geringerem Ausmaß als die ins KZ verschleppten Menschen,was auch hier noch in Europa Vorurteile anrichten = Lebe seit meinem 14.ten lebensjahr offen und öffentlich schwul,habe später viele Jahre lang mit meinem muslimischen und aus Palästina stammenden Mann gemeinsam gelebt ( bis zu seinem zu frühen Tod 1997 ) und habe stets nach besten Möglichkeiten und Bewußtsein auch offen politisch gehandelt - selbst in meinen Berufen; bin Dramaturg,Schauspieler,usw....Bin alt und er-lebenserfahren genug zu wissen, das die Annahme der Vergangenheit gut und notwendig ist,um die Zukunft - sei es 'nur' die eigene - zu sichern.... Danke für diesen Bericht. Danke diesen Menschen für deren Arbeit ! Shalom & Salam & Pace ...
Was Sie schreiben. Es tut so gut mal jemanden zu lesen der die nötige Toleranz und Weitsicht hat. Leider ist das in den meisten Fällen nicht der Fall wie Sie eventuell auch hier in diesem Forum lesen können. Menschen mit bestimmten Vorurteilen werden immer einen Grund finden sie auch zu pflegen. Sie aber werden immer über diesen Menschen stehen. Sie bedanken sich bei diesen jumgen Menschen, und ich bedanke mich bei Ihnen.
Vorzeichen 31.05.2012
5.
Zitat von frubiRassismus wird es immer geben. Genauso wie Terrorismus. Es mag eine schöne Vorstellung sein, dass es solche Dinge nicht mehr auf der Welt geben wird aber es ist naiv.
Gerade weil es Rassismus immer geben wird, ist Aufklärung wichtig. Was diese jungen Menschen machen, ist sinnvolle und harte Arbeit, ganz bestimmt nichts für Naivlinge. Respekt und Verbeugung.
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